Retter am Rotor in luftiger Höhe

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Auf 130 Metern Höhe verletzt, was dann? Für solch einen Fall trainiert die Höhenrettungsgruppe der Malteser Aalen im Windpark der EnBW bei Rot am See.

Aalen/Rot am See

Stürmisch ist es im Windpark bei Rot am See. In Kolonne fahren die zwölf ehrenamtlichen Mitglieder der Höhenrettungsgruppe der Malteser Aalen auf die dortige Windkraftanlage zu. Zwei Szenarien werden trainiert. Im Innern des Turms soll eine verunfallte Person unter anderem aus einer Steigleiter gerettet werden. Hoch hinaus geht es dann im zweiten Szenario. In rund 130 Metern Höhe soll aus der Gondel der Windkraftanlage ein Patient in einer Trage unter der Begleitung eines Höhenretters im Außenbereich abgeseilt werden. "Das ist die Premiere für alle Mitglieder meiner Gruppe", so Christian Göttlich, Leiter der Höhenrettung.

Auch für Lisa Strobel ist die Übung eine Premiere: "Klar bin ich aufgeregt. Ich glaube, die größte Nervosität kommt, wenn ich vor der Luke stehe", sagt Lisa Strobel, als sie ihren Gurt mit Sicherheitskarabinern anzieht. "Respekt vor der Höhe habe ich auf alle Fälle", sagt sie und blickt in Richtung der Windkraftanlage. Für den Fall, dass einem Techniker dort oben was passiert und der zweite Techniker diesen nicht retten kann, proben die Malteser die Höhenrettung.

Jeweils in zweier Teams geht es für die Ehrenamtlichen mit dem Aufzug nach oben. "Hochklettern kann man auch", sagt Robin Wagner, Servicetechniker der EnBW. Auch er hat sich in dieser Höhe schon einmal verletzt. "Ich bin umgeknickt und habe mir dabei eine Bänderdehnung zugezogen", erinnert er sich. Er konnte sich damals dann mithilfe seines Kollegen selbst die fünf Meter von der Gondel bis zum Aufzug herunterlassen. "Passiert allerdings was Schlimmeres, ist eine Höhenrettungsgruppe sehr hilfreich", sagt er. Und dafür muss geübt werden. Lisa Strobel bereitet sich für die Sicherung im Turm vor. Dort wird sie einen Retter und einen Patienten an einem Seil 137 Meter in die Tiefe lassen. Dafür werden die Rucksäcke mit Seilen und der Rettungstrage an zwei 100 Meter langen Seilen außerhalb des Turmes hochtransportiert. Die 60 Meter langen rotierenden Blätter des Windrads wurden zur Übung abgestellt, sonst würden sich die Seile, die für die Rettung notwendig sind, dort eindrehen. "Der Aufzug ist unten, ihr könnt hochkommen", klingt es aus dem Funkgerät am Boden. Für Lisa Strobel geht es nun in schwindelerregende Höhe. "Jetzt bin ich wirklich sehr nervös", sagt die 24-Jährige, als sie in den Aufzug steigt. Acht Minuten dauert die Fahrt. Oben angekommen übernimmt Lisa die Sicherung der ersten Rettung und seilt vom Turm aus den "Patienten" Sven Maiwald in einer roten Trage zum Boden ab. Als Gleitschirmflieger macht ihm die Höhe nichts aus. "Solang ich zumindest meine Arme bewegen kann, ist alles okay", sagt er. Im Turm ist er in die Liege gelegt, dann senkrecht aufgestellt, durch die Luke gelassen und wieder abgelegt worden. "Das Aufstellen war für mich angenehm, so hatte ich einen Überblick und eine tolle Aussicht", sagt Maiwald. Sicher habe er sich auch gefühlt "und das nicht nur, weil ich meinen Kollegen vertraue, sondern auch, weil ich in der Liege nochmals mit meinem getragenen Gurt gesichert wurde."

Das ist eine Premiere für alle Mitglieder.

Christian Göttlich Leiter der Höhenrettung

Aber nicht jeder Patient ist so schwindelfrei. "Als Retter haben wir die Aufgabe den Patienten zu beruhigen, falls dieser panisch wird", sagt Strobel. Mit der passiven Sicherung ist das auch möglich. Bei dieser Sicherungsmethode kann sich der Retter zu 100 Prozent auf den Patienten konzentrieren, da er sich nicht um die die Sicherung oder Führung der Seile kümmern muss, dies macht das Team im Turm. "Bei der Sicherung habe ich die Höhe gar nicht mehr mitbekommen", sagt Lisa Strobel.

Mit dem Team am Boden hat Lisa Strobel per Funk Kontakt. "Die Ansage, wie viel Meter die Person über dem Boden ist, geben wir per Funk durch. Wir können so auch Material anfordern", sagt der zweite Gruppenführer der Höhenrettungsgruppe, Andreas Pohle. Die Herausforderung bei dieser Rettung sei, dass zwei Knoten überfahren werden müssen, da zwei Seile zusammengebunden sind. Dafür müsse man das Seil be- und entlasten. "Das üben wir aber und ist deshalb kein Problem", sagt Lisa Strobel. Dann geht es für sie aus dem Turm. Am gesicherten Seil wird sie hochgezogen und schwebt über der Luke. "Ich hatte schon ein mulmiges Gefühl, als ich aus der Luke gestiegen bin aber man hat wirklich eine schöne Aussicht", sagt sie rückblickend, als sie mit beiden Beinen wieder auf dem Boden steht.

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