Retter fordern mehr Respekt

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Wie sich das Polizeipräsidium Aalen mit verschiedenen Aktionen an einer länderübergreifenden Aktion beteiligt.

Aalen

Informieren, aufklären, kontrollieren. 24 Stunden lang, von Dienstag morgen ab 6 Uhr bis Mittwochmorgen, 6 Uhr, sind rund 500 Polizistinnen und Polizisten verschiedener Dienstbereiche im ganzen Einzugsbereich des Polizeipräsidiums Aalens mit diesen drei Aufträgen unterwegs. Länderübergreifend hatten die Innenminister von Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland auf Grundlage einer Kooperationsvereinbarung zu einem Sicherheitstag aufgerufen. Auch Beamte aus Aalen waren im Einsatz.

Öffentlichkeitswirksam etwa morgens am Rathaus Aalen bei der Aktion "Respekt". Zusammen mit dem DRK-Kreisverband und der Feuerwehr Aalen geht es dabei vor allem um Gewalt gegen Rettungskräfte. "Wir müssen feststellen, dass es bei der Gewalt deutliche Steigerungszahlen gibt", so Polizeipräsident Reiner Möller.

Beleidigen, bespucken, schlagen. In den letzten fünf Jahren gab es eine Zunahme von Gewalt gegen Polizeibeamte, von 201 Angriffen im Jahr 2014 auf 320 im Jahr 2018. "Und wir erwarten auch in diesem Jahr noch mal eine Steigerung von 10 bis 15 Prozent", so Möller. Registriert werden dabei Fälle, die von Beamten zur Anzeige gebracht werden.

Zunehmend behindert, wenn auch nicht körperlicher Gewalt ausgesetzt, werden auch Rettungskräfte, die bei Unfällen, Bränden oder häuslichen Einsätzen im Einsatz sind. Es gebe zwar keine Angriffe, so Feuerwehrkommandant Kai Niedziella. Wohl aber sei es eine emotionale Belastung für die ehrenamtlichen Feuerwehrleute, wenn diese etwa beim Bilden einer Rettungsgasse behindert würden. Mitunter mit Aggressivität zu kämpfen haben aber Rettungssanitäter, so Markus Schlipf vom DRK. Wenn man aber bei einem Einsatz merke, dass man nicht weiterkomme, ziehe man sich zurück und rufe die Polizei.

"Sie sind bei Wind und Wetter im Einsatz, das verdient Respekt", würdigt Oberbürgermeister Thilo Rentschler die Arbeit aller Einsatzkräfte. Jeder müsse sich darüber klar werden, dass er selbst mal Hilfe brauche.

Wir müssen feststellen, dass es bei der Gewalt deutliche Steigerungszahlen gibt.

Reiner Möller Polizeipräsident

Was sich der Einzelne, also der Betroffene, aber auch Einsatzkräfte und Unbeteiligte im Notfall wünschen, fasst eine Broschüre zusammen, den die Beamten auch an Passanten verteilen.

Kontrollen Jugendschutz

Um verschiedene Hilfsangebote bei Fragen zu sexueller Gewalt geht es zeitgleich zu der "Respekt"-Aktion vor dem Rathaus seit dem Morgen auch vor der Mensa des Berufsschulzentrums.

Zudem wurden in Aalen Spielhallen, Gaststätten und Läden kontrolliert – mit dem Schwerpunkt der Einhaltung des Jugendschutzgesetzes und anderer Vorgaben. Zahlen dazu gibt es in der Donnerstagsausgabe und am Mittwoch unter www.schwaepo.de

Kein Wodka für Jugendliche

Aalen. Fünfmal hat sie es versucht. Fünfmal steht sie mit leeren Händen da. Am Dienstagnachmittag macht sich beim Sicherheitstag der Polizei auch eine junge Testkäuferin in der Innenstadt mit Polizeibeamten in Zivil auf den Weg, um zu prüfen, inwieweit der Jugendschutz eingehalten wird. Ihre Aufgabe: Hochprozentiges und Zigaretten kaufen. Beides darf nach dem Jugendschutzgesetz nicht an Menschen unter 18 Jahren verkauft werden. Wird es auch nicht. Zumindest in den ersten fünf Fällen, die wir begleitet haben.

Die Regeln, wie solche Testkäufe ablaufen, gibt es noch im Polizeirevier vorab von den beiden Jugendschutzbeauftragten Peter Oppat und Georg Jaros. Als Leitlinien wurden sie vom Innenministerium vorgegeben. Darunter zum Beispiel die, dass sich die Testkäuferinnen nicht mit Make-up älter machen sollen, als sie sind. Sie sollen auch nicht in ein Geschäft gehen, in der Bekannte arbeiten. Oder lügen, wenn an der Kasse nach dem Alter gefragt wird. Strafbar ist das Handeln der Testkäufer ohnehin nicht – wohl aber eine Ordnungswidrigkeit derjenigen, die über 18 sind und es ihnen verkaufen oder auch weitergeben, wie Peter Oppat klar macht.

Die Aalener Händler sind darüber aber offenbar gut informiert. Schon bei der ersten Anlaufstelle gibt es für die Testkäuferin keine Zigaretten. Der junge Mann hinter der Kasse fragt nach dem Ausweis, prüft das Alter und sagt: "Das darf ich dir nicht verkaufen." Auch im Discounter hat die Testkäuferin keinen Erfolg. "Wie alt bist Du", fragt der Mann an der Kasse und nimmt nach der Antwort die Flasche Wodka wieder an sich.

Für Georg Jaros, der die Testkäuferin begleitet hat, ist die Zwischenbilanz von fünf erfolglosen Testkäufen ein Erfolg. Nach jedem lobt er diejenigen, die hinter der Kasse richtig kontrolliert haben: "Sie haben alles richtig gemacht", sagt er, als er die Situation nach dem aus der Ferne beobachteten Kauf aufklärt.

Polizei, DRK und Feuerwehr fordern beim Sicherheitstag mehr Respekt und verteilen vor dem Rathaus Broschüren: Reiner Möller, Thilo Rentschler, Markus Schlipf, Larissa Kohnle, Kay Schlude-Minnich, Otto Kruger, Heiko Ackel, Kai Niedziella. (v.l.)
Georg Jaros (l.) und Peter Oppat bei der Einweisung.

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