Riesen Ansturm auf Corona-Impfungen in Aalen

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Schlange vor Impfentrum KIZ.
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Hunderte warteten vor dem Kundeninformationszentrum auf ihren Piks. Wie der erste Tag im neuen Aalener Impfstützpunkt ablief.

Aalen

Sie gehört zu den letzten in der Schlange. Dabei war Margit Meyer sogar schon um halb elf Uhr da. Mehr als pünktlich. Die 77-Jährige steht bei zwei Grad Plus und gefühlter Eiseskälte hinter rund 200 Menschen an, die sich im Kundeninformationszentrum der Stadtwerke impfen lassen wollen. „Ich mache jetzt, was möglich ist“, sagt sie. „Wenn alle vernünftig wären, würden wir hier nicht stehen“, fügt sie an.

#aalenimpft, heißt das Motto, unter dem das Mobile Impfteam des Ostalbkreises an diesem Mittwoch Impfwilligen den Piks diesmal bei den nahe gelegenen Stadtwerken statt im Rathaus verabreicht. Start eines neuen, dauerhaften Impfstützpunktes im Kundeninformationszentrum. Hier können sich ab nächstem Dienstag jeden Tag von 11 bis 17 Uhr Impfwillige den ersten, zweiten oder auch dritten Piks abholen.

Das tun an diesem Tag Menschen aus allen Altersklassen. Senioren, die sich boostern lassen wollen, weil sie bei ihrem Hausarzt wie Margit Meyer erst im Januar oder noch später einen Termin bekommen haben. Junge Erwachsene, wie der 16-jährige Luca, der noch weiter hinten in der Reihe steht. Die geht um die Ecke und bis fast an die Kreuzung am Reichstädter Markt. Luca will sich zum ersten Mal impfen lassen. Sein gelbes Impfbuch und den Aufklärungsbogen hält er fest in seiner Hand, um elf Uhr öffnet der neu aus dem Boden gestampfte Impfstützpunkt offiziell. Warum er sich bis jetzt nicht hat impfen lassen, weiß er gar nicht so genau „Jetzt ist es auch wegen der Ausgangssperre“, sagt er.

2G am Arbeitsplatz und die Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte, die 3G-Pflicht in den Betrieben in Baden-Württemberg - der Druck hat sich verstärkt für diejenigen, die den Impfpiks bisher vermieden haben. „Es ist ein Druck, den wir auch brauchen“, wird Landrat Dr. Joachim Bläse später um 13 Uhr vor der Presse sagen. Bei dieser Gelegenheit kann der Arzt vor Ort Dr. Peter Schmidt auch vermelden, dass man mit 120 Impfungen durch ist. Davon rund 30 Prozent Erstimpfungen. Die dauern länger, so Schmidt. Nicht nur, wegen der Aufklärung. Sondern weil das Impfteam versuche, auch diejenige, die immer noch am Sinn der Impfung zweifeln würden, gerne überzeugen will.

Zuvor aber hat Schmid schon viele Gespräche vor der Tür des KIZ geführt. Hat die Ungeduldigen beschwichtigt und Beschimpfungen an sich abprallen lassen. Ein Mann, der sich für seinen Vater vordrängt, droht dem Arzt, der eine Malteser-Uniform trägt, nie mehr was ins Spendenkäschen zu werfen. Dann dreht er ab. Die meisten aber, die ganz vorne stehen, stehen dort schon seit zwei, drei Stunden. Einige seit 7.30 Uhr. Knapp eine Stunde später, gegen 8.30 Uhr, haben Mitarbeiter des Impfteams an die ersten in der Schlange Nummern von eins bis 50 auf Zetteln vergeben. Kleine grüne Bons als Garantie, dabei zu sein, wenn es los geht.

Noch ohne Bon ist die 81-Jährige Hannelore Severin, die sich auf einen Gehstock stützt. Ihre zweite Impfung im Impfzentrum sei ein gutes halbes Jahr her, erklärt sie. Sie will sich boostern lassen. "Meine Ärztin impft nicht", sagt sie. Als sie schon gehen will, holt ein Paar sie zurück in die Schlange. Diesmal meckert keiner. Im Gebäude wird derweil geimpft, was das Zeug hält. Am Empfang, wo man sonst Infos zu den Stadtwerken und Tarifen bekommt, klären die Mitarbeiter von den Maltesern ab, ob jeder seine Unterlagen dabei hat. Geimpft wird im Schaufenster, zu sehen ist von draußen aber nichts davon. Stellwände schützen die Impflinge vor neugierigen Blicken.

Um 16 Uhr schließlich startet auch die Impfaktion der Unterkochener Ärzte in der Friedensschule. Auch hier reicht die Schlange bis weit vor die Türe. Bis zu einer Stunde warten dort die Impflinge. Drängeln tut hier keiner, alle halten Abstand, jeder trägt Maske. Drinnen geht es Schlag auf Schlag. Die Ärzte der Praxis Kieninger, Maas und Strähle impfen zu viert die Unterkochener Bürgerinnen und Bürger. Viele junge Menschen sind auch hier dabei.

In Aalen sind schon am Mittag einige der älteren Impflinge mit aus der Schlange zum Impfen ins Gebäude genommen worden. Margit Meyer gehört nicht dazu. Sie hat irgendwann auch ihre Nummer bekommen. 184. Als sie wieder nach Hause kommt, ist es vier Uhr. Die Schlange ist mittlerweile nicht mehr ganz so lang Sie ist froh, durchgehalten zu haben, sagt sie. So langsam bekomme sie es angesichts der hohen Inzidenzen doch ein wenig mit der Angst zu tun.

Impfen: ab Dienstag jeden Tag

Sieben Tage die Woche soll ab nächsten Dienstag im ganzen Kreis geimpft werden. Das Impfkonzept dazu stellte Landrat Dr. Joachim Bläse am Mittwoch im Landratsamt Aalen vor. Kurz zuvor hatte Bläse zusammen mit OB Frederick Brütting einen Blick auf die lange Schlange von Menschen vor dem Kundeninformationszentrum (KIZ) geworfen. „Dass ein Bedarf da ist“, so Bläse, habe man da gesehen. Bedarf auch, weil man vor ein paar Wochen festgestellt habe, dass das Regelsystem mit den vorhandenen Kapazitäten bei den Hausärzten nicht ausreiche, um bei Grippe, Erkältungswelle, PCR-Tests und Impfungen nachzukommen. Zudem habe sich 6-Monats-Regel der Ständigen Impfkommission, dass eine Impfung sechs Monate schütze, als „immer brüchiger erwiesen.“

Impfstützpunkte, mobile Teams


Geimpft werden soll ab Dienstag täglich in Aalen im KIZ von 11 bis 17 Uhr mit zwei Impfteams. Hinzu kommen zwei weitere Dauer-Impfteams in Schwäbisch Gmünd, ebenfalls im Einschichtbetrieb. Zwei weitere Impfteams sollen in Ellwangen und Bopfingen abwechselnd an regionalen Stützpunkten die Bevölkerung impfen. Drei weitere mobile Impfteams kümmern sich um die sozialen Einrichtungen und um andere Städte und Gemeinden.

Wer hinter den Teams steckt


Mit im Boot der Ärzte sind die Malteser und das DRK im Wechsel, die dafür auch Mitarbeiter aus anderen Bereichen holen.
Was erreicht werden soll
Monatlich 31 000 bis 45 000 Impfungen sollen die Ostalbkreis-Impfteams bewältigen. Bei einer Ausweitung der Kapazitäten auch bis zu 97 000 monatlich. Allein 45 000 Erstimpfungen, so die statistische Rechnung, fehlen im Ostalbkreis, so Gesundheitsdezernent Thomas Wagenblast.
„Ein großer Kraftakt“, den man gemeinsam schaffen wolle, so Bläse. Man werde nach Empfehlung der Stiko den Impfstoff Biontech für die Unter-30-Jährigen vorbehalten. Ansonsten werde es Moderna sein: „Das können wir uns nicht mehr raussuchen.“ Wichtig sei es nun, die Älteren zu boostern und denjenigen, die noch nicht geimpft seien, eine Erstimpfung zu ermöglichen. Gehe es um die Impfung für Kinder, hoffe er, dass man nichts überhaste und dann die Kinder- und Jugendärzte aktiv würden. Ansonsten „würde uns das in die Speichen hauen“, so Bläse.

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