Römer, Rowdys und ein Refraktor

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Im letzten Teil der Reihe erzählt Stadtarchivar die Geschichte von Limesmuseum, Koniferengarten und Sternwarte.

Aalen

Die 1960er Jahre begannen auf der Schillerhöhe mit einer Idee aus Stuttgart. Die Landesregierung plante nämlich, im Ländle Filialmuseen des Landesmuseums zu errichten. Eines dieser Museen, so empfahl das Landesdenkmalamt, sollte das Limesmuseum in Aalen werden.

Am 6. März 1961 bewilligte der kulturpolitische Ausschuss des Landtags in der Aalener Stadthalle den Bau des Limesmuseums und (!) die Errichtung der Ingenieurschule in einem Rutsch. Die Schwäbische Post jubilierte: "Ein denkwürdiger Tag, wie er einer Stadt höchstens alle zehn Jahre einmal geschenkt wird."

Zügig regelten Stadt und Land den Vertragsrahmen für das Limesmuseum: Die Stadt kümmerte sich um Bau, Unterhalt und Personal. Das Land schoss Finanzmittel zu und plante die inhaltliche Ausgestaltung. Was die Architektur betraf, holte Stadtbaumeister Professor Emil Leo seine alten Pläne von 1954 aus der Schublade. Damals war das Projekt aus rechtlichen und finanziellen Gründen gescheitert. Nun konnte das zweistöckige Gebäude von 22,5 mal 11,5 Meter realisiert werden. Allerdings mit zwei Unterschieden: Das Gebäude sollte nicht mehr oberhalb des Lagerheiligtums, sondern längs der Friedhofstraße direkt hinter dem St.-Johann-Friedhof stehen. Außerdem verzichtete man darauf, das Nordtor des Römerkastells zu rekonstruieren. Der Grund: Nur den Turm aufzubauen hätte eine falsche Vorstellung von Größe und Funktion des Lagers vermittelt.

Am 5. Juni 1964 feierten Stadt und Land die Eröffnung des 320 000-DM-Baus, wobei das Land und GSA-Chef Carl Schneider mehr als die Hälfte zuschossen. Im Erdgeschoss veranschaulichten Modelle den Limesverlauf, im Obergeschoss fanden sich in vier länglichen Glasvitrinen kostbare Fundstücke aus der Römerzeit. SchwäPo-Verleger Konrad Theiss lobte mit Blick auf die Verbrechen des Nationalsozialismus: "Die Erfahrungen unserer Generation haben den Willen zur Geschichtsbildung gelähmt. So muss Geschichtsbewusstsein erst wieder neu entzündet werden. Es gibt kein besseres Mittel dazu, als der Geschichte selbst wie hier im Limesmuseum zu begegnen."

Fast zeitgleich kam ein zweites Großprojekt hoch oben auf der Schillerhöhe ins Rollen: der Koniferengarten. Am 24. September 1964 regte nämlich der Verkehrs- und Verschönerungsverein an, rund um das Mahnmal einen botanischen Garten anzulegen. Die zentrale Südhanglange inmitten des neuen Wohnquartiers sei viel zu schade für die damals noch dort bestehende Kleingartensiedlung, so der Vereinsvorstand.

Die Stadtverwaltung fand die Idee grundsätzlich gut. Oberforstrat Koch allerdings empfahl, statt eines botanischen Gartens lieber einen Koniferengarten anzulegen: Der sei immergrün, einzigartig weit und breit und pflegegünstiger. Auf dem insgesamt zwei Hektar großen Gelände sollten gut 500 Gehölze in 259 Variationen angepflanzt werden, darunter auch Laubbäume, Kletterpflanzen, Rhododendren und Wacholder. Zum Liebling der 38 000-DM-Anlage entwickelte sich nach der Eröffnung im Mai 1967 die elektrische Blumenuhr südlich vom Mahnmalturm. Beliebt war die Uhr allerdings auch bei "Rowdys". Wegen wiederholtem Vandalismus musste sie in den 1990er Jahren abgebaut werden.

Es gibt kein besseres Mittel dazu, als der Geschichte selbst wie hier im Limesmuseum zu begegnen.

Konrad Theiss Verleger

Noch 1967 hatte der Verschönerungsverein diskutiert, wie man der "Rowdys" habhaft werden könnte. Während Architekt Walter Burkhardt den Anwesenden einen Judokurs empfahl, antwortete Stadtrat Wahl trocken: "Ich vertraue da ganz meinem Wanderstock."

Der jüngste Neuzugang auf der Schillerhöhe wurde 1969 die Sternwarte. Auch dieser Bau beruhte auf einem privaten Impuls: 1967 nämlich hatte die Firma Carl Zeiss dem Schubartgymnasium einen 130-Millimeter-Refraktor geschenkt. Kurz vor dem ersten Mann auf dem Mond sollten die Schüler durch das Teleskop einen Blick in die Unendlichkeit wagen. Allerdings, so befand Stadtbaumeister Geßler, war das hölzerne Dachtürmchen auf dem Gymnasium keineswegs für die Installation des schweren Rohrs geeignet. Stattdessen empfahl er, das Teleskop in einem Kuppelbau auf der Schillerhöhe einzubauen; zugänglich für Schüler und alle anderen Bürger.

Vorbild für die Sternwarte war eine Privatkonstruktion des Hobbyastronomen Dr. Teucher in Unterkochen, der sich eine ganz ähnliche Polyesterkuppel in den Garten gebaut hatte.

Am 23. Mai 1969 eröffneten Stadt, Schubartgymnasium und die Firma Carl-Zeiss die Sternwarte samt Funktionsgebäude.

Seit 50 Jahren ist die Schillerhöhe ein Herzensort der Aalener: Hier schaute man nicht nur in die Sterne oder über die Höhen der Aalener Bucht. Hier trauerten Alt- und Neuaalener auch um ihre gefallenen Männer. Hier rodelten Kinder wild den Hang hinunter und spielten im Vereinsorchester erstmals auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Und schließlich begann hier mit dem Limesmuseum die Erfolgsgeschichte Aalens als touristische Topadresse in Ostwürttemberg. Aalen ohne Schillerhöhe? Heute unvorstellbar!

Walking Guide über die Schillerhöhe: Ab sofort können Sie mit Stadtarchivar Dr. Georg Wendt in den Ohren selbstständig die Schillerhöhe historisch erkunden. Alle Informationen hierzu auf www.aalen.de/spaziergang.

Dr. Georg Wendt

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