Rollstuhlfahrerin stiehlt – Handgemenge

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Symbolbild: Pixabay

Jugendliche solidarisieren sich mit Diebin. Wie die Rechtslage aussieht.

Aalen. Es ist Mittagspause. Zeit sich etwas zum Essen zu besorgen. Beim Mercatura gibt's ein Aldi, da kann man sich eindecken. Es ist Montag, 14 Uhr, als ein Beobachter eine Frau im elektrischen Rollstuhl sieht, die sich mit Bananen und Gebäck versorgt. Soweit so normal. Er geht durch die elektrischen Türen in den Einkaufsbereich. Die Frau im Rollstuhl macht kehrt und fährt an ihm vorbei ins Freie – ohne zu zahlen. Was tun?

"Das erwartet man nicht," sagt der Zeuge, der der Schwäbischen Post namentlich bekannt ist. "Ich bin zu einer Angestellten im Markt und habe gesagt, dass sie gerade beklaut wurden." Gemeinsam mit dem Marktleiter macht er sich auf die Suche nach der Diebin. Im Bereich der Kanalstraße finden sie die Rollstuhlfahrerin, die gerade das Gebäckstück verzehrt. "Sie hat überhaupt nicht reagiert," erinnert sich der Zeuge. Um sie aufzuhalten blockiert er mit seinem Fuß das Vorderrad des Rollstuhls, während die beiden Männer auf die Polizei warten. Womit sie nicht gerechnet hätten: Eine Gruppe Jugendlicher, die vorbeikommt, solidarisiert sich mit der Diebin.

"Wir haben die Lage erklärt, dass die Frau etwas geklaut hat und wir auf die Polizei warten," betont der Zeuge aus dem Supermarkt. Doch das hält die Jugendlichen nicht auf, sie greifen den Marktleiter und den Beobachter an. Im Handgemenge kann sich die Rollstuhlfahrerin befreien und fährt über den Fuß des Zeugen, der eine leichte Verletzung davonträgt. Während sich die Jugendlichen davon machen, gelingt es den Verfolgern die Diebin am Aalener Bahnhof einzuholen. Dort treffen dann auch die Polizeibeamten ein, die die Personalien aufnehmen.

"Was mich erschüttert hat, ist das sich Leute mit Dieben solidarisieren, und auf eine losgehen, obwohl man keine körperliche Gewalt gezeigt hat," wundert sich der Zeuge, der hinzufügt: "Diebstahl ist Diebstahl, da geht es nicht um Banane oder Smartphone."

Doch darf man einen Dieb, den man auf frischer Tat ertappt verfolgen oder gar aufhalten? Holger Bienert, Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit im Polizeipräsidium Aalen, weiß mehr. In der Strafprozessordnung, Paragraf 127, steht sinngemäß, dass jemand, den man beobachtet hat, wie er eine Straftat begangen hat und flüchtet, durch Jedermann festgenommen werden kann. Wie und ob der Täter verurteilt wird, obliegt der Staatsanwaltschaft.

Doch Bienert betont: "Es ist immer schwierig, pauschale Ratschläge zu geben." Ob man einen Täter verfolgt oder festnimmt, hänge von der Situation ab. "Es soll und muss sich niemand in Gefahr bringen," betont Bienert. Man kann auch anders helfen, die 110 wählen, das Fahrzeug beobachten oder die Autonummer aufschreiben. Auch müsse eine vorläufige Festnahme stets verhältnismäßig sein.

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