Rommel und seine Rolle im Krieg

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Rommel-Experte Dr. Wolfgang Proske (links) und Rainer Jooß von der Vereinigung "Gegen vergessen – für Demokratie"..

Veranstaltung der Vereinigung "Gegen vergessen – für Demokratie".

Aalen. Erwin Rommel bleibt ein Mythos. Das zeigte sich auch am Montag im evangelischen Gemeindehaus in Aalen, wo Pfarrer Bernhard Richter als Hausherr viele Besucher eines interessanten Vortragsabends begrüßen konnte. Mit der Vereinigung "Gegen vergessen – für Demokratie" als Hauptveranstalter, die sich auch mit anderen Gruppierungen für eine Umbenennung der Erwin-Rommel-Straße im Hüttfeld stark macht. Umso verwunderlicher, dass kaum Stadträte da waren, obwohl doch der Gemeinderat über dieses umstrittene Vorhaben zu entscheiden hat.

Dr. Wolfgang Proske forscht seit Jahren mit vielen Veröffentlichungen über Erwin Rommel und hat darüber schon vor acht Jahren bei der VHS einen Vortrag gehalten. Man durfte gespannt sein. Gibt es neue Erkenntnisse? Um es vorwegzunehmen: kaum. Der Historiker stellte in umfassender Weise sowohl die Person Rommel vor, als auch dessen Karriere als Nazi-General und treu ergebener Liebling Adolf Hitlers – hochdekoriert bei den Feldzügen im Westen, vor allem dann als Kommandeur des Afrika-Korps und später als Oberbefehlshaber in Norditalien und an der Normandie.

Mit Rommel befasste sich Wolfgang Proske erstmals als Entwicklungshelfer in Libyen. Er verfolgte die Spuren des "Wüstenfuchses" und stellte fest, wie sehr die Zivilbevölkerung unter dem Krieg zu leiden hatte. Spätere Forschungen über die Behandlung der Juden dort durch die nachrückende SS gestalteten sich bis heute äußerst schwierig, weil in den nordafrikanischen Staaten nicht an die Archive heranzukommen ist.

Proske zeigte aber anhand von Dokumenten der Wehrmacht auf, dass Rommel "ausersehen" war, die Erfahrungen des Vernichtungskriegs in Russland auf Nordafrika zu übertragen. Aber: Hat er das getan? Die Beweislage ist dürftig. So schränkte Proske seine Antwort auf die Frage: "War Rommel ein Kriegsverbrecher" insofern ein, als er betonte: "Für mich persönlich: ja". Aber juristisch könne dies nicht ohne Weiteres belegt werden.

Dass Rommel 1944 in den Tod getrieben wurde, ist eine Tatsache. War er nur still schweigender Mitwisser der Attentatspläne von Stauffenberg? Oder ließ er sich im Vorfeld aktiv in die Planungen einbeziehen? Letzteres bezweifelt Proske. Jedenfalls gebe es dafür keine Beweise.

Weitere Themen, auf die Proske einging, war der Traditionalistenerlass der Bundeswehr, die Umbenennung von mehreren Rommelkasernen und der jahrelange Streit in Heidenheim über die Beseitigung des dortigen Rommel-Ehrenmals.

Jetzt zeige sich eine befriedigende Lösung in der Weise ab, dass mit der Hinzufügung der Skulptur eines Kriegsinvaliden ein Mahnmal für alle Opfer des Kriegs geschaffen werde. Auch er, Proske, habe seine bisherige Einstellung in diesem Sinne geändert. In die Auseinandersetzung über die Umbenennung der Erwin-Rommel-Straße im Hüttfeld wolle er sich nicht einmischen. "Das ist Sache der Aalener", sagte Proske.

Auf Rommels "explosives Erbe" wies noch der Heidenheimer Rainer Jooß von der Vereinigung "Gegen vergessen – für Demokratie"hin. In Nordafrika sei der Zweite Weltkrieg immer noch nicht vorbei. 17,5 Millionen Minen lägen hier weiter im Boden und forderten immer wieder Todesopfer. Für die Beseitigung stehe die Bundesrepublik in der Pflicht.

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