Rühl tritt ins Fettnäpfchen

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Der Platz an der Ritterschule soll nach König Manga Bell benannt werden.
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Der Platz an der Ritterschule soll nach König Manga Bell benannt werden. Warum sich die Freien Wähler von ihrem Fraktionssprecher distanzieren.

Aalen. Der seither unbenannte Platz an der früheren Ritterschule soll nach Rudolf-Duala-Manga-Bell benannt werden. Die Abstimmung im Kultur- und Bildungsausschuss des Gemeinderats fiel mehrheitlich. Aber keineswegs einstimmig: Thomas Rühl, Fraktionssprecher der Freien Wähler, outet sich als persönlicher Gegner des Antrags und tritt damit richtig ins Fettnäpfchen. Dr. Frank Gläser (AfD) schließt sich Rühl an. Betont aber, dass seine Fraktion ausdrücklich den Grünenantrag zur juristischen Rehabilitation Manga Bells unterstütze. Die Entscheidung trifft der Gemeinderat am 21. Juli.

Doch von Anfang an: Der Aalener Geschichtsverein, allen voran Gerhard Kayser, hat das Leben und Wirken Manga Bells, des Königs des Duala-Volkes in Kamerun recherchiert, seine Verbindung nach Aalen und den Konflikt mit der Kolonialisierung des deutschen Kaiserreichs, der für Manga Bell mit dem Todesurteil und der Hinrichtung endete. Der Anstoß, einen Platz in der Aalener Innenstadt nach Manga Bell zu benennen, kommt ebenfalls von Kayser. Sehr am Herzen liegt ihm eine Würdigung Manga Bells in Aalen, der sich als König von Kamerun für die Rechte seines Volkes eingesetzt, und gegen die rigorose Enteignungspolitik der deutschen Kolonialmacht und gegen die Rassenpolitik der Deutschen gekämpft habe.

Manga Bell und Aalen

Prinz Manga Bell verbrachte von 1891 bis 1896 seine Schulzeit und Jugendjahre in Aalen, bevor er 1897 nach Kamerun zurückkehrte, wo er König der Douala wurde. Sein Großvater hatte 1884 mit Deutschland einen „Schutzvertrag“ geschlossen, und damit gewissermaßen die deutsche Kolonialherrschaft in Kamerun eingeleitet. Um die Beziehung zur deutschen Kolonialmacht zu intensivieren, wurde der damals 16-jährige Manga Bell 1891 von seiner Familie nach Deutschland geschickt - an der Hand des Aalener Kolonialbeamten Gustav Pahl, der nach Aalen zurückkehrte, um zu heiraten.

In Aalen wird Manga Bell von seinem Lehrer Gottlob Österle als Pflegesohn aufgenommen. In der Stadtkirche lässt er sich evangelisch taufen.

1914 wurde Manga Bell, inzwischen heimgekehrt und König der Duala in Kamerun, wegen des unbegründeten Vorwurfs „Hochverrat“ ohne ein Urteil von der deutschen Kolonialregierung gehängt. Heute ist Manga Bell zu einer Symbolfigur im Kampf um die Unabhängigkeit geworden.

OB Frederick Brütting betrachtet Manga Bells Geschichte in enger Verbindung mit allen Unrechtstaten deutscher Kolonialisten. Auf Infotafeln soll am Aalener Manga-Bell-Platz künftig über Leben und Bedeutung des Königs informiert werden.

Ralf Meiser (Grüne) stimmt klar für die Namensgebung und stellte den Antrag, dass Aalen die juristische Rehabilitierung Manga Bells unterstützt. Hintergrund: Die Urenkelin des Widerstandskämpfers, Prinzessin Marilyn Douala Bell, hat eine Petition gestartet, die von der Bundesregierung eine Rehabilitierung ihres Urgroßvaters fordert. „Bis heute weigert sich die deutsche Regierung die Unschuld des Hingerichteten anzuerkennen“, heißt es in der Petition.

Thomas Rühl outet sich

Während die Fraktionen von CDU (Nadine Patzelt), Eva-Maria Markert (SPD) und die Linken (Christa Klink) den Grünen-Antrag und die Namensgebung befürworten, outet sich Thomas Rühl (FW) als Gegner: Er persönlich lehne den Antrag ab. Seine Begründung: Manga Bell habe „keine bemerkenswerten Zeichen“ in Aalen hinterlassen. Das schreckliche Unrecht, das Manga Bell widerfahren sei, sei zwar zu bedauern, habe aber nichts mit Aalen zu tun. Alternativ schlägt Rühl vor, den Platz nach Gottlieb Österle, dem Aalener Pflegevater Manga Bells zu benennen. Oder warum wolle man nicht einfach einen Frauennamen wählen, meint Rühl mit Seitenhieb gegen Grüne und SPD, die Anfang des Jahres die Diskussion um mehr weibliche Straßennamen ins Rollen gebracht hatten, als es ums neue Wohngebiet Tannenwäldle ging.

Freie Wähler distanzieren sich

Die Mitglieder der Freien-Wähler distanzieren sich ausdrücklich vom Statement des Fraktionssprechers. „Rühls Stellungnahme war mehr als peinlich und so nicht abgesprochen“, wendet sich tags darauf eine Vertreterin der Freien Wähler Aalen an die SchwäPo-Redaktion und bittet, Rühl in diesem Fall nicht als FW-Fraktionsvorsitzenden zu erwähnen, sondern nur als Stadtrat.

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