Schafft die Region den Strukturwandel?

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Ein Blick in die Räume des Weltmarktführers Zeiss: Montage und Justage der Lithografie-Optiken finden im Reinraum statt. Um die extrem empfindlichen Optikteile zu schützen, wird mit vollständiger Reinraumkleidung gearbeitet.
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„Die drei D“ und die Zukunft der Region, darum geht's in einer SPD-Onlinekonferenz mit Thilo Rentschler.

Aalen. Gelingt der Region Ostwürttemberg der Strukturwandel? Um diese Frage ging's in einer Zoom-Konferenz, zu der die SPD-Ostalb am Montagabend geladen hatte. Mit dabei: Thilo Rentschler, Hauptgeschäftsführer der IHK-Ostwürttemberg. „Der Arbeitsmarkt ist das Leib- und Magenthema der SPD“, sagte die stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende Petra Pachner, bevor Rentschler über die Arbeitswelt ist Ostwürttemberg, also im Kreis Heidenheim und im Ostalbkreis, heute und morgen sprach. 

Der Ist-Zustand: Zeiss, Mapal, Voith, Kessler, Weleda, EMAG & Co. - „wir haben 16 Weltmarktführer in der Region“, sagte Rentschler. Zudem gibt's vier Hochschulen, „vier Perlen, die es in einer Region dieser Größenordnung kaum gibt“, betonte er. Eine Hochschule, das sei immer auch ein Ort der Innovation, ein Ort für Talente und Patente.

Die Herausforderung: „Alles, was heute ein Erfolg ist, etwa der Umsatz, die Anzahl der Arbeitsplätze, hat etwas mit Entscheidungen zu tun, die vor fünf bis 20 Jahren getroffen wurden“, sagte Rentschler. Die heute erfolgreichen Unternehmen hätten damals kluge Strategien entwickelt. „Um in zehn Jahren Erfolg zu haben, muss ich heute Strategien entwickeln“, betonte er. Es habe in der Vergangenheit immer wieder Strukturbrüche gegeben. Unternehmen, die den Wandel verpassten, riskierten die Chance, weg vom Arbeitsmarkt zu sein, wie der IHK-Hauptgeschäftsführer sagte, der davon überzeugt ist, dass die Region Strukturwandel kann. Beispiel gefällig? Die Schwäbischen Hüttenwerke, kurz SHW. „Es ist erstaunlich, dass das Unternehmen mehr als 650 Jahre überlebt hat. Das ist Anpassungsfähigkeit pur.“ Aber: Wenn etwas 650 Jahre gut geht, sei dies kein Garant dafür, dass es auch die kommenden 650 Jahre klappt. Denn: „Ein Teil der SHW hat den Wandel nicht geschafft“, sagte er.

Drei D: Die drei D - die drei Megatrends - könne er selbst nachts aufsagen, sagte Rentschler. Trend Nummer eins: die Demografie. Viele Menschen in Deutschland seien kurz vor dem Ruhestand und fallen aus dem Wirtschaftssystem. Woher kommen die Arbeitskräfte? Welche Menschen wandern zu? Wo wohnen diese? „Das sind unbeantwortete Fragen, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen“, betonte er. Trend Nummer zwei: Digitalisierung, also Künstliche Intelligenz, Machine Learning und das Internet der Dinge. Trend Nummer drei: die Dekarbonisierung, der Umweltschutz. „Das Thema gehört mit zur Überlebensfrage“, sagte Rentschler. „Diese drei Trends kommen. Man kann sie nicht ignorieren.“

Der Arbeitsmarkt: Sorgen macht Rentschler die Anzahl der nicht besetzten Ausbildungsplätze. „Vor sechs Jahren waren es in der Region 300 Plätze, die nicht besetzt werden konnten, nun sind es 1200“, bilanzierte er. „Junge Menschen, die nicht ausgebildet sind, kommen auch nicht in die Betriebe.“ Die Sicherung der Arbeitskräfte sei schwieriger geworden. „Namhafte Unternehmen, die nie Probleme hatten, Leute zu rekrutieren, haben dies nun“, sagte Rentschler.

Ist die Region anpassungsfähig? Rentschler ist zwiegespalten. „Wenn wir die politischen Aktivitäten auf Bundes-, Landes- und regionaler Ebene bündeln, können wir unseren Vorteil als feine Region nutzen, um den Wandel zu bestehen. Ob es klappt, sehen wir in der Zukunft. Glaube, Hoffnung und Zuversicht gehören bei einem granatenmäßigen Wandel dazu.“ Im Rahmen der „Zukunftsperspektive Ostwürttemberg“ werde zudem mit vielen Akteuren eine Strategie entwickelt, wie der Wandel bewältigt werden kann.

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