Schelte für erste Sitzung in Präsenz im Aalener Ratssaal

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Der Aalener Gemeinderat tagt zu Pandemiezeiten zum ersten Mal wieder im großen Sitzungssaal des Aalener Rathauses.
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Grünen-Chef Michael Fleischer rügt das Vorgehen der Stadtverwaltung als "untragbar". Etliche Ratsmitglieder applaudieren.

Aalen

Zum ersten Mal während der Pandemie hat der Aalener Gemeinderat am Mittwoch wieder in Präsenz im großen Sitzungssaal des Aalener Rathauses getagt. Nachdem die Fraktion der Grünen zwei Tage vor der letzten Sitzung vor der Sommerpause beantragt hatte, alle Klassenzimmer der Aalener Schulen mit Luftreiniger auszustatten, hatte die Stadtverwaltung zu einer Sondersitzung eingeladen, mitten in den Sommerferien. Tagungsort war diesmal aber nicht der große Saal der Stadthalle, wo die Tische der einzelnen Stadträte im gebotenen Corona- Abstand angeordnet sind. Nein, diesmal saßen 39 anwesenden Räte erstmals wieder, wie vor Corona, "Schulter an Schulter" an den Sitzungstischen im Ratssaal. Nicht alle trugen Maske. Im Gegensatz zu den Amtsleitern auf der Verwaltungsbank, die den Mundschutz nur zum Reden abnahmen.

Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle leitete die Sitzung und bestellte Grüße vom im Urlaub weilenden OB Thilo Rentschler sowie von seinem ebenfalls urlaubenden Dezernentenkollegen Bürgermeister Karl-Heinz Ehrmann. Anschließend informierte er das Gremium darüber, dass "die Räte keine Masken tragen müssen". Aber wer noch nicht geimpft und nicht genesen sei, dürfe ruhig Maske tragen. "Sie wissen, dass der Sitzungssaal sehr gut gelüftet ist", fügte Steidle hinzu. Und verwies auf zwei neue eingeschaltete Virenfiltergeräte im Sitzungssaal, in die die Stadtverwaltung investiert habe.

Der Einzige im Gremium, der öffentlich sein Missfallen an dieser Vorgehensweise der Stadtverwaltung bekundete, und daraufhin von etlichen Ratsmitgliedern mit Applaus bedacht wurde, war Grünen-Fraktionschef Michael Fleischer. "Ich habe kein Verständnis dafür, dass die Sitzung hier stattfindet", meldete er sich zu Wort. Der Saal der Stadthalle wäre seines Wissens frei gewesen und hätte genutzt werden können. "Ich finde es ein Unding, so vorzugehen", wetterte er. Auch im Hinblick auf die Bürgerinnen und Bürger, die die öffentliche Sitzung besuchen wollen. "Man weiß ja im Vorfeld gar nicht, wie viele da kommen, um zuzuhören!" Das sei ein untragbares Vorgehen von dem, der dafür verantwortlich ist.

Bürgermeister Steidle entgegnete, dass die Stadthalle zum Sitzungstermin ursprünglich belegt gewesen sei. Er habe dann "zu spät registriert", dass sie doch frei ist. Zu dem Zeitpunkt aber sei es schon zu spät gewesen, für eine fristgerechte Einladung mit geändertem Sitzungsort. "Das wäre formell nicht korrekt gewesen."

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