Schlange stehen zum Krankenbesuch

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Schlange stehen zur Besuchszeit vor dem Stauferklinikum in Mutlangen. Egal, ob es in Strömen regnet, stürmt oder die Sonne vom Himmel sticht: Erst nach der Einlasskontrolle durch Sicherheitskräfte dürfen Besucherinnen und Besucher das Haus betreten.
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Worauf sich Besucher der Kliniken im Ostalbkreis in Coronazeiten einstellen müssen und wie die Klinikleitung das begründet. Ärger in Mutlangen über lange Wartezeiten im Freien.

Aalen/ Ellwangen/ Gmünd

Kurz vor 15 Uhr am Ostalb-Klinikum in Aalen. Gleich beginnt die tägliche Besuchszeit. Menschen bewegen sich gen Eingang. In dem großen Foyer stehen an diesem Tag bereits 22 Menschen in der Warteschlange. "Ich will nicht lügen", meint ein junger Mann. "Aber gestern war ich auch hier und habe bestimmt 30 Minuten gebraucht, bis ich vorne an der Rezeption stand."

Eine ältere Frau kommt hinzu und stellt sich ganz hinten in der Schlange an. Die Wartende vor ihr dreht sich um und fragt: "Haben Sie schon ein Besucherformular?" Sie solle sich vorne an der Rezeption gleich so ein Formular holen und ausfüllen. "Dann geht es nachher schneller." Das Formular könne man sich übrigens auch schon Zuhause im Internet herunterladen. Die ältere Frau antwortet: "Ich habe doch keinen Computer daheim, in meinem Alter."

Szenenwechsel, 15.30 Uhr vor dem Stauferklinikum in Mutlangen: Dort stehen gerade 15 Menschen Schlange, alle allerdings im Freien. Mit Abstand haben nur vier Wartende unter dem Schatten spendenden Vordach der Klinik Platz. "Vorige Woche stand ich hier im strömenden Regen", erzählt eine Besucherin der anderen. "Wie soll das nur im Winter werden? Da holen wir uns alle hier einen Schnupfen."

Das Warten vor dem Stauferklinikum hat ein Ende, wenn man die Drehtüre erreicht hat. Dort steht dann Sicherheitspersonal, verteilt Besucherformulare und Schutzmasken. Gerade wartet eine junge Frau mit ihrer etwa achtjährigen Tochter auf Einlass. "Nur ein Besucher pro Patient", klärt der Kontrolleur auf. Unter Tränen lässt die Mama ihr Kind bei den "Securitys" zurück, um alleine den Papa zu besuchen. Eine Jugendliche versucht, das Kind zu trösten. "Ich durfte gestern auch nicht zu meinem Papa in die Klinik", erzählt sie. "Weil er direkt vorher schon Besuch von einem Freund bekommen hat. Der wollte meinen Vater überraschen."

Gute Kommunikation unter Angehörigen ist wichtig.

Andreas Franzmann Pressesprecher Kliniken Ostalb

Die Stellungnahme der Kliniken Ostalb: "Dass die Besuchsregelung im Einzelfall schwer nachvollziehbar ist, ist verständlich", erklärt Pressesprecher Andreas Franzmann auf Anfrage der Redaktion. Die Regelung – ein Besucher am Tag pro Patient – unterscheide eben nicht nach Alter, sagt er mit Verweis auf die Frau mit Tochter. Manche Familien würden sich im Freien treffen, wenn die Situation dies zulasse. "Mit der Besuchsregelung setzten wir die Corona-Verordnung des Landes um." Aktuell gelte, "dass pro Patient am Tag nur ein Besucher zugelassen ist. Es ist also keine Eigenheit des Ostalbkreises, sondern eine landesweite Verordnung." In Härtefällen seien Ausnahmen in Absprache möglich. "Insbesondere bei sterbenden Patienten sowie bei Eltern, wenn ein Kind stationär ist, oder in der Geburtshilfe."

Um zu vermeiden, dass mehrer Besucher an einem Tag zu einem Patienten möchten und ab Nummer zwei jeder "leer ausgeht", rät Franzmann: "Hier ist gute Kommunikation unter den Angehörigen wichtig."

Mit Blick auf die Warteschlange im Freien vor der Stauferklinik sagt Franzmann: "Am Ostalb-Klinikum gibt es eine große und vor allem sehr hohe Eingangshalle. Am Stauferklinikum ist die Eingangshalle wesentlich kleiner. Sie ist bereits in mehrere Bereiche unterteilt: Einen Empfangsbereich, in dem sich Patienten und Besucher vorstellen und die Formalitäten abgewickelt werden. Einen Wartebereich für Begleitpersonen und Fälle in Abklärung. Einen Abholbereich für Patienten, die auf Angehörige oder ein Taxi warten. Den Wartebereich für Besucher noch mit in die Eingangshalle hineinzuziehen, sei unter Einhaltung der Abstandsregelung am Stauferklinikum nicht möglich. "Wir müssen hier in den Außenbereich ausweichen. Wir setzen deshalb primär auf schnellere Abläufe."

Franzmann rät Besuchern, das Zeitfenster zwischen 15 und 19 Uhr besser auszunutzen. "Denn ab 16 Uhr, spätestens 17 Uhr gibt es nach unserer Erfahrung so gut wie keine Wartezeiten mehr."

Am gleichen Tag um 15 Uhr in der St.-Anna-Virngrundklinik Ellwangen ist die Situation vollkommen anders: kaum Wartende. Aber sie hätten ausreichend Platz: im zehn Meter langen Foyer, den geöffneten Eingangstüren, unter einem langen Vordach und im Schatten eines Gebäudes.

Besucher im Stauferklinikum in Mutlangen fragen sich indes: Warum kann hier nicht der Wartebereich im Freien durch ein großes Zelt überdacht werden?

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Der großzügige Eingangsbereich der St.-Anna-Virngrund-Klinik Ellwangen bietet viel Platz für Besucherkontrollen.
Im Foyer des Ostalb-Klinikums Aalen können Besucher auf den Einlass an der Rezeption vom Wetter ungestört warten.

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