Schotter im Beet? - Aber richtig!

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Ist das Schotterbeet richtig angelegt - wie hier im Stadtgarten Neresheim im vergangenen Sommer - ist die Fläche mit ihrem Blütenreichtum ein Hingucker und richtiger Insektenmagnet.
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Steine, Pflanzen und der richtige Untergrund: Wer klug kombiniert, schafft keine Schotterwüste, sondern wertvollen Lebensraum für die Natur und hat trotzdem wenig Arbeit.

Aalen

Pflanzen? Spärlich oder gar nicht. Dafür Steine, Schotter oder grober Kies. Die Fläche: an Sterilität kaum zu überbieten. Solche Schottergärten sind in Baden-Württemberg seit dem Jahr 2020 per Naturschutzgesetz verboten. Christiane Karger, Kreisfachberaterin für Obst- und Gartenbau, nennt sie „lebensfeindliche Schotterwüsten“. Dabei können Schottergärten – wenn sie richtig angelegt sind - durchaus ökologisch wertvoll sein und zur Artenvielfalt beitragen, sagt sie. Was den Unterschied macht: 

Der Untergrund: Bei den „Schotterwüsten“ sind die Böden meist mit Vliesen oder Folien abgedeckt. Sie lassen zwar zum Teil etwas Wasser durch, behindern nach Erfahrung von Experten aber massiv den Luftaustausch. Christiane Karger: „Die Lebewesen im Boden und damit der ganze Boden sterben nach und nach ab. Regenwasser kann schlecht versickern, es fließt zum Teil ungenutzt in die Kanalisation, Kohlendioxid kann nicht vom Boden gebunden werden.“

Der Lebensraum: Experten kritisieren, dass in den „Schotterwüsten“ oft nur wenige, immergrüne Pflanzen stehen, die zudem oft gar nicht oder kaum für den Standortgeeignet sind. Wasser verdunstet kaum, die Temperatur liegt an heißen Sommertagen oft deutlich höher als in begrünten Beeten, als Lebensraum für Vögel und Insekten seien sie daher kaum geeignet.

Nebeneffekt: „Viele Gartenbesitzer legen diese Schotterwüsten ja an, weil man ihnen vorgaukelt, sie würden wenig Arbeit machen. Das ist aber völliger Unsinn, denn wenn Laub oder Blüten aus der Umgebung auf der Schotterschicht liegen bleiben, bildet sich nach und nach eine Humusschicht. Die bietet sogar allerfeinste Voraussetzungen für vorbeifliegende Beikraut-, also Unkrautsamen“, schildert Christiane Karger.

Schotterbeete richtig anlegen: Die Tipps der Gartenbauingenieurin: Das vorhandene Erdreich etwa 30 bis 40 Zentimetertief auskoffern und mit einem mageren Pflanzsubstrat auffüllen. Dieses muss durchlässig sein. Deshalb sollte insbesondere schwere, tonige Erde durch die Zugabe von  Kies oder Schotter abgemagert werden. Gartenbauingenieurin Karger: „Das kann eine Mischung sein aus eigener Erde, Kies, Schotter und grobem Sand. Als Alternative kann man im Fachhandel eine fertige Mischung mineralischer Substrate kaufen. Die haben den Vorteil, frei von unerwünschten Beikräutern zu sein. Wir sprechen ja nicht mehr von Unkraut.“

Pflanzen: Zu empfehlen sind winterharte Blütenstauden und Gehölze, die aus dem natürlichen Lebensraum „Freifläche“ und „Steingarten“ stammen. Sie lieben Hitze und Trockenheit. Geeignet sind zum Beispiel: Salbei, Lavendel, Thymian, Silberstrauch, Bartblume, Mönchspfeffer oder Steinkraut. Christiane Karger: „Besonders dankbar ist Garten- oder Steppensalbei. Das sind Pflanzen, die wird man nie gießen müssen, wenn sie angewachsen sind.“ Außerdem empfehlenswert: Fette Henne, Astern, Wolfsmilch, Ochsenauge, Sommerflieder oder Polsterstauden wie Blaukissen, Steinkraut, Gänsekresse oder Schleifenblume. Karger: „Die mögen es alle sonnig und warm, sie sind nichts für die Nordseite des Hauses.“ Wer ein Kies- oder Schotterbeet richtig anlege, biete rund um das Jahr Nahrung und Unterschlupf für zahlreiche Insekten.

In der nächsten Folge lesen Sie: Hausgärten im Klimawandel - was tun?

Die Pflanzen sind nichts für die Nordseite.“

Christiane Karger, Kreisfachberaterin
Solche Vorgärten nennt die Gartenbauingenieurin „Schotterwüsten“.

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