Schubart, der Kater und die City

+
Ulrich Prott hat mit Christian Friedrich Daniel Schubart einen für Aalen bekannten Klassiker entstaubt.
  • schließen

„Aalener Chronik“ von Ulrich Prott über zwei Figuren der Aalener Stadtgeschichte.

Aalen. Ulrich Prott hat wieder ein Buch geschrieben, das 124-Seiten-Werk kühn „Aalener Chronik“ genannt und im Eigenverlag herausgebracht. An diesem Wochenende hat es Verkaufspremiere beim Gsälz und Chutney-Märktle in Aalen.

Das Buch berichtet über das Leben des Katers Silvester, der in den vergangenen Jahren einige lokale Berühmtheit als „Stadtkater“ erlangte. Aus dessen Sicht werden Ambiente und Treiben im Quartier um die Stadtkirche geschildert, wobei die Stadtkirche kaum anders als gedrungener Baukörper mit kurzem Turm vorkommt. Das eigentliche Zentrum, die Bierhalle mit seiner bourgeoisen Stammtischkultur hingegen wird ausführlich und mit respektabler Ironie beschrieben. Christian Daniel Friedrich Schubart stellt Ulrich Prott als „alter ego“ des Stadtkaters vor.

Zusammengetragen werden allerlei Zitate des Dichters und Journalisten über Aalen und seine Jugend dortselbst und viel anderes von Interesse und Unterhaltungswert. Diese zitatschwere Teilbiographie Schubarts im Original zu lesen ist ebenso angenehme Lektüre wie die niedlichen Milieu-Schilderungen des menschelnden Katers in der charmanten Prott-Prosa.Wer Interesse an Schubart hat, wird die Zitatensammlung mit klugen Verbindungen gerne lesen, auch die direkten, wertenden, biografischen Beiträge, die gegen Ende des Werks schroffer und unverblümter werden. Es sind eigentlich zwei Geschichten aus zwei Jahrhunderten; unüberlesbar sind streckenweise Angleichungen der Sprache des Katers an die Wohlgesetztheit der Schubart-Zitate, als Klammer zwischen den beiden Geschichten kann natürlich der nämliche Schauplatz gelten. Aber damit hören die Verbindlichkeiten zwischen beiden Teilen auf. Der Versuch, charakterliche und soziale Parallelitäten zwischen Schubart und Kater zu beleuchten, scheitert mangels Masse.

Gleichwohl: Das Buch ist eine erbauliche Lektüre für den Aalen-Patrioten und -Sammler sowie für die biedermeier-begeisterte Aalenerin, vor allem für die mit grenzüberschreitenden Sehnsüchten. Was damit gemeint ist, wird an dieser Stelle nicht verraten. Stattdessen sei auf die Verkaufspremiere am Samstag auf dem Spritzenhausplatz hingewiesen (10 bis 16 Uhr) und auf www.prottjekt.de, wo Bestellungen möglich und Verkaufsstellen zu finden sind.

Rainer Wiese

Ulrich Prott hat mit Christian Friedrich Daniel Schubart einen für Aalen bekannten Klassiker entstaubt.

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare