Schubart-Jugendherberge am Ende?

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Die Schubart-Jugendherberge ist 1937 im Rohrwang in Aalen entstanden. Jetzt geht es nicht mehr nur um einen möglichen Neubau, sondern um den Erhalt des Jugendherbergswerks.
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Die Jugendherbergsgemeinschaft hofft auf finanzielle Unterstützung. Eine Petition mit Unterschriftenaktion läuft noch bis Freitag. Diskussion über Neubau in Aalen vertagt.

Aalen

Wir sind in einer existenzbedrohenden Notlage: So beschreibt Pia Bah die Situation des Jugendherbergswerks. Und damit erklärt die Marketingleiterin des Landesverbands Baden-Württemberg in Stuttgart auch gleich, wie es um die Zukunft der Schubart-Jugendherberge in Aalen am Stadionweg bestellt ist.

Jahrelang, bis in dieses Frühjahr hinein, haben OB Thilo Rentschler mit der Stadtverwaltung und die Jugendherbergsvertreter aus Stuttgart darüber nachgedacht und verhandelt, wo in Aalen eine neue Jugendherberge entstehen könnte und zu welchen Konditionen. Dass ein Neubau das jetzige historische Gebäude im Rohrwang, Baujahr 1937, baldmöglichst ersetzen müsse, war unumstritten.

Standort und Finanzierung seien immer noch nicht geklärt, berichtet Pia Bah auf Anfrage der Redaktion. Doch jetzt beschäftigt erst mal ein weitaus größeres Problem die Jugendherbergsgemeinschaft. "Seit Mitte März sind sämtliche Jugendherbergen in Deutschland nach behördlicher Anordnung geschlossen und dadurch in wirtschaftliche Notlagen gekommen", informiert das Deutsche Jugendherbergswerk in einer Mitteilung. Es drohe der "unwiderrufliche Verlust von Orten der außerschulischen Bildungsarbeit, der interkulturellen und inklusiven Begegnung". In einer Unterschriftenaktion fordert der Dachverband daher "staatliche Rettungsmaßnahmen".

Pia Bah erläutert: "Wir sind eben eine gemeinnützige Organisation. Deshalb dürfen wir keine Gewinne erzielen und Rücklagen bilden." Bei allen Diskussionen über "Corona-Rettungsschirme" seien die Jugendherbergen "zwischen die Stühle" geraten. Einzelne Landesregierungen hätten den Hilferuf nun gehört. Baden-Württemberg habe beispielsweise eine Landesbürgschaft und einen Zuschuss zugesagt. "Aber damit sind wir noch nicht gerettet", betont Bah. Ob, wann und unter welchen Voraussetzungen im Zuge der Corona-Lockerungen die Jugendherbergen wieder öffnen können, stehe noch in den Sternen.

Die Jugendherbergen sind bei allen Hilfsmaßnahmen zwischen die Stühle geraten. Das betrifft auch Aalen.

Pia Bah Jugendherbergswerk Stuttgart

"Wir unterscheiden uns stark von der Hotellerie", sagt Bah. Wobei Hotellerie und Campingplätze inzwischen in einem Atemzug genannt würden. "Eventuell ist um Pfingsten rum auch für unsere Häuser eine Öffnung möglich."

Die Schubart-Jugendherberge in Aalen sei beim ersten Schritt der Wiedereröffnungen aber nicht dabei, ist sich Bah sicher. "In älteren Einrichtungen dauert es länger, die nötigen Voraussetzungen zu schaffen." Und momentan, in einer dynamischen Situation, sei es ohnehin schwierig, langfristige Prognosen zu erstellen.

Pia Bah ist aber trotz allem zuversichtlich, dass es weitere Gespräche über den Standort und Neubau einer Jugendherberge in Aalen geben wird. "Ich glaube zwar nicht, dass sich in diesem Jahr noch Entscheidendes tut", sagt sie. "Aber prinzipiell sorgen Jugendherbergen für viele Pluspunkte in ihrem Umfeld." Nicht zuletzt erhöhe sich der Umsatz in benachbarten Geschäften und Lokalitäten.

Die Petition zur finanziellen Unterstützung der Jugendherbergen beinhaltet die Forderung: "Gemeinschaft erleben muss auch für die nächsten 111 Jahre möglich sein – in ganz Deutschland! Wir sind sozial relevant!" Die Unterschriftenaktion läuft im Internet unter www.change.org/bundesregierung-rettungsschirm-für-alle-Jugendherbergen-in-Deutschland – am Freitag, 8. Mai, ist die Übergabe der Unterschriften an den Bundestag geplant.

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