Schule schwänzen mit Genehmigung?

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Für die drei Tage vor den Ferien können Eltern ihre Kinder vom Untericht befreien lassen. Symbolfoto: pixabay
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Vorsorge wegen Corona: Vor den Ferien können Eltern ihre Kinder vom Unterricht beurlauben lassen. Wie das Angebot angenommen wird und warum es verlockender klingt als es tatsächlich ist.

Aalen Das Angebot klingt verlockend. Wie Schule schwänzen mit Genehmigung: Eltern können kurz vor den Weihnachtsferien ihre Kinder vom Schulunterricht beurlauben lassen. Volljährige Schüler dürfen das selbst tun. Von Montag, 20., bis einschließlich Mittwoch, 22. Dezember, bietet das Kultusministerium die Möglichkeit, dass Schulkinder daheimbleiben und sozusagen in Quarantäne gehen. Zum Schutz vor Ansteckung, so kurz vor den Feiertagen, an denen womöglich Familien- und Verwandtenbesuche anstehen.

Doch ein Ansturm auf das Angebot bleibt aus. Und das hat unterschiedliche Gründe, sagen Schulleiterinnen und Schulleiter auf SchwäPo-Anfrage.

Die Resonanz: „Gering“, sagt Michael Weiler, Direktor des Kopernikus-Gymnasiums. Etwa drei Prozent seiner Schülerinnen und Schüler, so Weiler, wollten sich befreien lassen. Ein ähnliches Bild am Schubart-Gymnasium: Von „höchstens ein bis zwei pro Klasse“, berichtet Direktorin Christiane Dittmann über das Ergebnis aus 25 Schulklassen mit insgesamt 517 Schülerinnen und Schülern. „Nur ein paar wenige Anträge“ verzeichnet auch Anita Stark, Schulleiterin der Kocherburgschule. Karl Frank, Rektor der Schillerschule, spricht von „ein bis höchstens drei“ pro Klasse.

Gründe: „Für mich ist das keine Überraschung“, sagt Kopernikus-Direktor Weiler. „Schule wird durchaus wieder geschätzt“ nach den langen Wochen des Lockdowns. Auch Anita Stark und Karl Frank haben nicht erwartet, dass viele „frei“-Anträge kommen: Die Schülerinnen und Schüler hätten in der Isolation eben nicht frei, sondern müssten daheim Aufgaben aus dem Lernstoff bearbeiten. Hinzu kommt: Die freiwillige Quarantäne bedeute auch, dass die Teilnahme an außerschulischen Aktivitäten wie Vereinssport in diesen Tagen tabu sei, so Stark. Viele Eltern von Grundschülern hätten zudem hohen organisatorischen Aufwand, um eine Betreuung für ihre Kinder zu finden.

Aufgaben für daheim: „Die Grundschüler bekommen an diesem Freitag ein Paket mit Aufgaben mit“, schildert Kocherburgschul-Rektorin Anita Stark. An der Schillerschule werden laut Rektor diverse Möglichkeiten genutzt: Aufgaben mitgeben, von Eltern abholen lassen oder digital versenden. Karl Frank: „Ich schreibe den Lehrkräften nicht vor, wie sie das machen. Wichtig ist, dass es gelingt.“

Am Schubart-Gymnasium wie am KGW will man die Aufgaben über die Lernplattform Moodle versenden, „das ist bei uns inzwischen ein routiniertes Verfahren“, sagt Christiane Dittmann.

Einige daheim, andere in der Schule – die Waldorfschule hat sich deshalb für einen beherzten Schnitt entschieden: Die gesamte Oberstufe - 9. bis 13. Klasse - wird an diesen drei Tagen gar keinen Präsenzunterricht, sondern Online-Unterricht nach Stundenplan bekommen. Die Kinder der ersten 1 bis 8. Klasse werden in der Schule unterrichtet. Urlaubsanträge seien bis Mittwoch kaum eingegangen.

Konsequenzen für die Schulen: Das Kultusministerium hat das Angebot der Beurlaubung vor eineinhalb Wochen bekanntgegeben. Über die kurze Frist seien die Schulen „nicht gerade erfreut“, bekennt KGW-Direktor Michael Weiler. Wie seine SG-Kollegin Christiane Dittmann beschreibt er, dass die Regelung Klassenarbeits- und Klausurtermine durcheinanderbringe. Bis einschließlich 21. Dezember sei „normaler Arbeitstag“, so Dittmann. Für die beurlaubten Schülerinnen und Schüler müssten nun schnell Ersatztermine für Klassenarbeiten und Klausuren nach den Ferien gefunden werden. Schon ab Mitte Januar aber seien Notenkonferenzen. Dittmann: „Alle anderen Pläne müssen nun angepasst werden, das ist hochkomplex. Und es ist keine Zeit mehr, das sinnvoll zu strukturieren.“ Auch die kleinen Weihnachtsfeiern in den Klassen, zum Beispiel mit Wichteln, hätten nun nicht vorgezogen werden können. Die Kinder in Quarantäne könnten deshalb daran nicht teilnehmen. „Das Soziale, von dem man immer sagt, es sei so wichtig für die Kinder, wird durch die Kurzfristigkeit dieser Regelung schon ein bisschen torpediert.“

"Schule wird durchaus wieder geschätzt."

Michael Weiler, Direktor Kopernikus-Gymnasium
  • Drei Tage in Isolation - so funktioniert's
  • Die Ausnahmeregelung gilt vom 20. bis 22. Dezember. Für die Befreiung müssen Eltern schriftlich eine Beurlaubung beantragen. Die Schulen müssen die Kinder in den drei Tagen mit Arbeitsaufträgen und Materialien für zu Hause versorgen, fordert das Kultusministerium.

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