Schulen: 100 000 Euro für bessere Luft

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Eine Analyse der städtischen Gebäudewirtschaft zeigt auf, in wie vielen Klassenzimmern die Situation kritisch ist. Welche Handhabe die Stadt dagegen vorschlägt.

Aalen

Lüften. So oft wie möglich und so lange wie nötig. Das ist das Gebot der Stunde auch an den Schulen, um das Ansteckungsrisiko mit Covid-19 zu verringern. Und um den regulären Schulbetrieb so gut wie möglich aufrecht zu erhalten. Damit das auch in Klassenzimmern mit schlechtem Luftaustausch funktioniert – etwa aufgrund von wenig oder gar nicht zu öffnenden Fenstern – hat die Stadt Aalen im Haushalt 100 000 Euro locker gemacht, um in technische Lösungen zu investieren.

Neben 24 CO2-Messgeräten sind 22 sogenannte Luftreinigungsgeräte bereits bestellt. Wie OB Thilo Rentschler in öffentlicher Gemeinderatssitzung berichtete, wird die Lieferung innerhalb der nächsten zwei Wochen erwartet. Gesamtkosten: 80 700 Euro. Auf Antrag der Fraktionen der CDU (Thomas Wagenblast) und der Grünen (Dr. Thomas Battran) und von der deutlichen Ratsmehrheit mitgetragen, sollen zehn zusätzliche Geräte bestellt und weitere 50 reserviert werden.

Anfang Oktober hatte der Kultur-, Bildungs- und Finanzausschuss des Gemeinderats (KBFA) der Stadtverwaltung den Auftrag erteilt, alle Klassenzimmer und Räume der städtischen Schulen auf neuralgische Punkte hin zu untersuchen und eine Prioritätenliste aufzustellen, wo der Einsatz solcher Geräte Sinn ergibt. Nach dem 14-tägigen "Mammuteinsatz" der städtischen Gebäudewirtschaft lieferte Wolfgang Balle am Mittwoch die Fakten:

Kritisch in 43 Klassenzimmern: Von den insgesamt 868 Räumen (neben Klassenzimmern auch Foyers, Aufenthaltsräume, Lehrer- und Verwaltungszimmer) in den Schulen der Gesamtstadt ist in 394 Räumen die Lüftungssituation "sehr gut", in weiteren 372 durchschnittlich. "In den restlichen 102 Räumen, darunter sind 43 Klassenzimmer, ist die Situation kritisch", sagt Balle.

Die Bewertung: Mit einer guten Lüftungssituation bezeichnet Balle, wenn der Raum innerhalb von fünf Minuten komplett durchlüftet ist. Als durchschnittlich bezeichnet er, wenn es bis zu 20 Minuten dauert, bis die Luft komplett erneuert ist. Dauert es länger als 20 Minuten, sei die Situation schlecht.

Die meisten der neuralgischen Klassenzimmer befinden sich in der Weitbrechtschule (11), der Uhland-Realschule (7), im Kopernikus-Gymnasium (6), Schubart-Gymnasium (5) und in der Greutschule (5).

In 43 Klassenzimmern ist die Situation kritisch.

Wolfgang Balle Gebäudewirtschaft

Ein Leitfaden der Gebäudewirtschaft werde an die Schulen weitergegeben. So könne jede im Einzelfall regeln, welche Räume gar nicht mehr oder nur mit geringer Schülerzahl belegt werden, meint Balle.

Ein CO2-Messgerät für jede Schule: Wolfgang Balle ergänzte, dass es nicht notwendig sei, jedes Klassenzimmer mit CO2-Messgeräten auszustatten. "Jede Schule erhält eines dieser Messgeräte, das täglich von Klasse zu Klasse weitergegeben werden kann."

Es ist ein Pilotversuch, die ersten Erfahrungsberichte über den Einsatz der Luftaustauschgeräte im Schulalltag sollen Anfang Dezember in der öffentlichen Gemeinderatssitzung vorgestellt werden.

Fraktionsübergreifend waren die Räte voll des Lobes über die schnelle und faktenreiche Analyse der Gebäudewirtschaft. Aber es gab auch Kritik. Dr. Thomas Battran (Grüne) moniert die Bewertung der Lüftungssituation und weist hin auf die Fürsorgepflicht von Stadtverwaltung und Gemeinderat. "Ich würde sagen, die Räume, die deutlich mehr als fünf Minuten für die Durchlüftung brauchen, sind auch kritisch." Angesichts der "dramatisch" steigenden Infektionszahlen und der gleichzeitig erhöhten Ansteckungsgefahr – beispielsweise in vollen Schulbussen – plädiert er, den morgendlichen Schulbeginn zeitlich zu staffeln, um die Zahl der ankommenden Schüler zu entzerren.

Hermann Schludi (SPD) legt großen Wert darauf, dass die Erfahrungen im Umgang mit den Luftaustauschgeräten wissenschaftlich ausgewertet werden – am besten im Rahmen eines Hochschulprojekts. Claus Albrecht (FW) hegt Zweifel an der Effektivität der technischen Geräte. "Sie versorgen den Raum ja nicht mit Frischluft, sondern mit Umluft. Das ist ein Unterschied." Dr. Frank Gläser (AfD) bestätigt: "Ein Lüftungsgerät kann eine ordentliche Durchlüftung nicht ersetzen." Roland Hamm (Die Linke) wie auch Norbert Rehm (FDI) empfehlen einen schwäbischen Hersteller eines neuen Raumluftreinigers. Er soll bis zu 99,95 Prozent der Aerosole aus der Raumluft beseitigen.

Keine Lufttauscher für die Kitas

Aalen. Die Stadtverwaltung bestellt Luftaustauschgeräte für Schulen (siehe S. 9). Aber welcher Handlungsbedarf besteht in den insgesamt 55 Kitas im Aalener Stadtgebiet? Insgesamt, so Wolfgang Balle von der städtischen Gebäudewirtschaft, verfügen die Aalener Kitas über 500 Funktionsräume. Aber eine mechanische Belüftung sei nur teilweise in generalsanierten und neu gebauten Kitas vorhanden; davon profitierten zwar nur 30 bis 45 Räume. Trotzdem sieht die Stadtverwaltung keine Notwendigkeit, Kitas ebenfalls mit Luftaustauschgeräten auszustatten.

"Keine Infektionstreiber"

Dafür gibt es verschiedene Gründe: "Kinder sind im Kitaalter nicht die Infektionstreiber", sagt Wolfgang Balle unter Berufung auf die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vorgelegten Ergebnisse einer Corona-Kita-Studie. Zudem arbeiteten Kitas bereits teilweise mit der CO2-App der Unfallversicherung. "In weniger als ein Prozent mussten Kitas und Kindertagespflegestellen in den vergangenen Wochen coronabedingt ganz oder teilweise schließen", berichtet Balle. Die Zahlen der gemeldeten Infektionen in Einrichtungen pro Woche lagen ihm zufolge bislang im einstelligen Bereich.

Hinzu komme, dass Luftreinigungsgeräte in den meist verwinkelten Räumen der Kitas kaum Wirkung entfalten können. Da auch das Land Baden-Württemberg im Zuge des "Lockdown light" keine weiteren Vorgaben zum Kitabetrieb unter Coronabedingungen gemacht habe, gelte daher für Aalener Kitas der Grundsatz: Externe Kontakte so gut wie möglich vermeiden; also keine Veranstaltungen wie Elternabende, Fotografenbesuche oder interne Fortbildungen. Das Einhalten der AHA-Regeln gelte für die Erwachsenen, also Erzieher und Eltern; während für die Kinder zwei der drei AHA-Regeln (Abstand und Alltagsmaske) aufgehoben sind.

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