Schulterschluss für den Albaufstieg

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Durch den Mobilitätspakt für die Region Aalen – Heidenheim geht es nicht mehr nur um Straßenbau in Unterkochen und die Nordumfahrung Ebnat, sondern auch um die Pulverturmtrasse und um diverse Fortbewegungsmittel. Archivfotos/ Collage: Bettina Opferkuch
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Verantwortliche Politiker schließen Mobilitätspakt für die Region Aalen – Heidenheim. Die Nordumgehung Ebnat soll schnell entstehen. Wie auch Unterkochen entlastet werden soll.

Aalen

Heidemarie Matzik freut sich. "Wir haben den Schulterschluss in der Region geschafft", sagt Unterkochens Ortsvorsteherin. Sie verweist auf ein tatkräftiges Bündnis in der Region, das jetzt einen Schlussstrich unter die jahrelangen Diskussionen über den Albaufstieg und Südzubringer zur Autobahn ziehen könne.

In dem Bündnis arbeiten die Landräte des Ostalbkreises und Heidenheims mit den Oberbürgermeistern und Bürgermeistern von Aalen, Heidenheim, Oberkochen und Königsbronn zusammen, ebenso der Direktor des Regionalverbands. Das Ergebnis: ein "Mobilitätspakt für den Lebens- und Wirtschaftsraum zwischen Aalen und Heidenheim".

Matzik erinnert im Gespräch mit der Redaktion daran: "Der Ortschaftsrat Unterkochen hatte am 4. Dezember 2019 in einem offenen Brief an Landrat Klaus Pavel und OB Thilo Rentschler gefordert, bei der Weiterentwicklung der B29a vom Kirchturmdenken wegzukommen und stattdessen alle Verkehrswege überregional zu betrachten." Das sei nun gelungen. "Nun sind auch Oberkochen und Königsbronn im Blick." Das Bündnis für den Mobilitätspakt bemühe sich jetzt darum, Verkehrsbelastungen gleichmäßig zu verteilen und zu reduzieren.

Die Absichtserklärung des Bündnisses lautet: "Die Zeit ist reif, Mobilität neu und modellhaft zu denken!" Dem Pakt zugrunde liegen zwölf Handlungsaufträge. Er berücksichtigt sowohl den Albaufstieg Unterkochen in Form einer Troglösung mit grünem Dach als auch den zügigen Baubeginn der Nordumfahrung Ebnat. Worüber sich Heidi Matzik sehr freut: Thema des Pakts sei auch die Frage, wie eine zusätzliche Straßenverbindung zwischen der B 19 auf Höhe von Oberkochen – Königsbronn zur A 7 entstehen kann, die sogenannte Pulverturmtrasse. "Jetzt gelingt die Tandemlösung", sagt Matzik. "Steige mit Deckel plus Pulverturmtrasse."

Alternativen zum Auto finden

Zu den Handlungsaufträgen in dem Pakt zählt außerdem, diverse Alternativen zum Individualverkehr mit dem Auto zu entwickeln und zu fördern. Etwa: Bus-, Bahn- und Fahrradverbindungen auszubauen, Werksbusse einzusetzen, eine schnelle Seilbahnverbindung von Heidenheim nach Aalen ebenso zu prüfen wie Industriegleisanschlüsse und eine öffentlich getragene Mitfahrzentrale über eine benutzerfreundliche App.

Grüne Brücke für Unterkochen

Matzik erklärt: "Unser Ortschaftsrat hätte im Jahr 2009 furchtbar gerne eine Ortsumfahrung gehabt, wenn das in irgendwie realisierbar gewesen wäre." Aber nach allen Prüfungen der Sachlage hätten sich die damaligen Vertreter auf die Ebnater Steige und den Südzubringer Unterkochen verständigt – im Sinne einer möglichst raschen Verwirklichung. "Diese Beschlusslage ist für uns bindend", betont Matzik.

Jetzt geht es darum, Verkehrsbelastungen gleichmäßig zu verteilen und zu reduzieren.

Heidi Matzik Ortsvorsteherin Unterkochen

Durch die jetzt zusätzliche Trog- und Gründeckellösung würden die Menschen, die an der Ebnater Steige wohnen, entlastet. Lärm-, Natur- und Landschaftsschutz würden berücksichtigt. "Wir bekommen eine grüne Brücke, die zudem beide Teile von Unterkochen miteinander verbindet."

Matzik weiter: "Im Schulterschluss mit Ebnat können wir außerdem die Pulverturmtrasse anvisieren." Und die gesamte Bürgerschaft werde zu einem Dialog darüber eingeladen, wie Verkehrsmengen minimiert werden können. "Denn einen motorisierten Individualverkehr in dem Maß wie heute können wir uns künftig nicht mehr leisten", sagt Matzik.

Im Jahr 2020 undenkbar sei, für einen Straßenbau "die Natur neu zu durchbrechen". Deshalb sei es müßig, über eine alternative Straßenführung zur Ebnater Steige nachzudenken. Die Ortsvorsteherin betont: "Wenn wir in Aalen allerdings mit dem Autobahnzubringer nicht zu Potte kommen, werden die dafür notwendigen Mittel in bundesweit andere Baumaßnahmen fließen."

Nordumgehung Ebnat nun bauen

"Der Bundesstraßenzubringer zur Autobahn mit der komplett fertig geplanten Nordumgehung Ebnat ist im vordringlichen Bedarf", sagt OB Thilo Rentschler auf Anfrage. "Unser kurzfristiges Ziel ist es, dass Staatssekretär Bilger im Bundesverkehrsministerium in den nächsten vier bis sechs Wochen die Freigabe für die Nordumfahrung erteilt."

Die Botschaft aus dem Raum Oberkochen und Königsbronn für das gemeinsame Mobilitätskonzept bestärke Zeiss gewiss darin, weiter auf den Standort Oberkochen zu setzen. Der Unterbau für eine zusätzliche ortsdurchfahrtsfreie Straßenverbindung zwischen der B 19 zur Autobahn A 7 sei durch die Zufahrt zu den Windrädern bereits vorhanden. Rentschler erklärt: "Solch eine Straße kann zur Hälfte mit Landesmitteln finanziert werden." Da gehe es nicht um eine zusätzliche Bundesstraße.

Meinungsbildung trotz Corona

Sascha Kurz im Presseamt Aalen erläutert: Der jetzige Mobilitätspakt sei das Ergebnis dessen, was eigentlich in einem Mobilitätskongress am 16. März erarbeitet werden sollte. Der Kongress sei Covid-19 bedingt ausgefallen. Die Meinungsfindung sei nun in mehreren Sitzungen erfolgt, koordiniert von Landrat Klaus Pavel. Zeitnah werde der Mobilitätspakt unterschrieben: von den Landräten Klaus Pavel (Ostalb) und Peter Polta (Heidenheim), von Verbandsdirektor Thomas Eble sowie den OBs Thilo Rentschler (Aalen) und Bernhard Ilg (Heidenheim) außerdem von den Bürgermeistern Peter Traub (Oberkochen) und Michael Stütz (Königsbronn).

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