Schwäbisch-Stunde mit den Stumpfes

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Selle, Flex, Manne und Benny - Herrn Stumpfes Zieh- und Zupf Kapelle gibt eine Schwäbischstunde an der Greutschule in Aalen. Ein vom Land gefördertes Projekt.
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Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle ist Botschafter für den schwäbischen Dialekt. Nun bringen die vier Musiker diesen auch Grundschülern nah. Wie die Schulstunde an der Greutschule ablief.

Aalen

Gudda Morga“, tönt es über den Schulhof im Greut. Manne Arold von den Stumpfes gibt stimmlich alles. Auch wenn das Publikum diesmal kein zahlendes ist. Vor ihm, Flex, Selle und Benny sitzen 38 Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen in drei Reihen. „Schwäbisch schwätza mit Herrn Stumpfes Zieh- und Zupf Kapelle“ steht am Dienstagmorgen um 9.35 Uhr auf dem Stundenplan. Herr Duden hat Hohlstunde.

„Wir sind die Stumpfes“ stellt Flex die vier Musiker vor. „Wer kennt uns?“, fragt er und dreht den Kopf hin und her. Zehn Zeigefinger gehen nach oben. Erklärungsbedarf. Also erzählt Flex kurz, dass die Stumpfes eine Band sind, deren Mitglieder bis auf Benny aus Aalen kommen und seit 30 Jahren vor allem im Ländle auf Konzertbühnen stehen. Dann geht's weiter. Mit dem Song „Zammapacka furt“.

Zusammenpacken, wegfahren. Genau das ging in der Pandemie aber nicht. Ideen entwickeln dagegen schon. Seit Jahrzehnten im Dienste des Dialekts unterwegs, der immer mehr verschwindet, beschließen die vier, dem an der Basis zu entgegnen. Unter dem Titel „Wir können alles außer schwäbisch…?“ Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle ermuntert musikalisch zum schwäbischen Dialekt bewerben sich die Stumpfes beim Land für die Projektförderung des Programms Kunst trotz Abstand mit einem musikalischen Konzept für Dritt- und Viertklässler. Und bekommen die Zusage. „Wir haben nun 15 Auftritte an Schulen“, erklärt dazu Stumpfes-Manager Roland Schimmel. „Die Greutschule ist unsere Masterschule und war an der Projektentwicklung beteiligt“, sagt er.

Dort geht es nach „Zammapacka“ zunächst um die Vorteile des schwäbischen Dialektes, zu dem auch das „mal schludrig schwätza gehört“ wie Flex erklärt und auch gleich vorführt. Die Kinder lachen. Und weil man das Gelernte auch immer wiederholen soll, lädt Benny gleich noch zur Abfragerunde, wie viel Schwäbisch denn nun hängengeblieben ist. „Tschüssle saga“, „Hos versaua“, „Wegga fressa“, hagelt es prompt Antworten aus den Reihen. „Wunderbar, gut aufgepasst“, lobt Benny. „Ich bin überrascht“.

Ganz unvorbereitet allerdings treffen die Kinder nicht auf solch schwäbische Worteigenheiten wie „Wegga“, mit denen man im Norden, im Land der Semmeln nicht satt werden würde. Klassenlehrerin Michaela Weyherter hat in einer Unterrichtsstunde bereits zuvor fürs Warmwerden mit dem Dialekt gesorgt. „Wir haben auf Youtube Wolle Kriwaneks Ufo-Lied angehört und dann ins Hochdeutsche übersetzt“, erzählt sie. Etwa zehn Kinder aus ihrer Schülerschaft würden noch Schwäbisch sprechen. In anderen Klassen seien es oft sehr viel weniger. Auch, weil der Migrationsanteil teilweise höher sei. Zwischendurch sei es verpönt gewesen, Dialekt zu sprechen. Mittlerweile sei das aber wieder anders, so die Pädagogin. Der Dialekt aktiviere unterschiedliche Lernebenen, ähnlich wie eine Fremdsprache. Sie selbst bemüht sich, im Unterricht hochdeutsch zu sprechen. „Aber für die Dinge zwischendurch, da spreche ich schwäbisch.“

„Zongabrecha“ über den Papst und sein Besteck

„Suggla, dreggla“, die musikalischen Schwäbisch-Botschafter sind mittlerweile beim Song „Dr rote Punkt“ angekommen. Flex' Waschbrett scheppert, Bennys Tuba brummt, Selles Akkordeon groovt und Mannes Posaune grummelt, während das junge Publikum konzentriert bleibt und mit wippt. Nachlesen können den Text die Kinder in einem Schulheft, das die Stumpfes extra für ihren Unterricht zusammengestellt haben und austeilen. Neben Wiederholungen, Übersetzungen und sogar einem kleine Kreuzworträtsel sind die Lieder auch per QR-Code auf Youtube abrufbar.

„Schwäbisch isch a woiche Schbroch“ , führt Manne aus und kramt ein Bonbon aus der Hosentasche. „Und viele Bs sind im Schwäbischen in dem Wort Bonbonpapier.“ Die Kinder sind voll dabei, sprechen nach. Doch dann wird's kompliziert. „Zongabrecher“ wie „Fischers Fritze“ und „In Ulm...“, sind kein Problem. Als es aber dann um das vom Papst zu spät bestellte Spätzlesbesteck geht - einen Zungenbrecher, den Selle locker aufsagt - winken alle ab. Nur der neunjährige „Urschwabe“ Norik wagt sich schließlich dran und meistert B-Abfolge mit A-Note.

Keine Stumpfes ohne Bemberle. Auch hier wissen die meisten der Schülerinnen und Schüler am Ende, was sich hinter diesem Wort verbirgt.

„A bissle was“ habe er auch noch nicht gekannt von den schwäbischen Wörtern, sagt Norik, nachdem er sich noch schnell die Autogramme von Flex, Manne und Benny in sein neues Schwäbisch-Schulheft hat schreiben lassen. „Ich habe sehr viel gelernt“ ergänzt die neujährige Liv. „Ich finde es toll, dass hier richtig Schwäbisch gesprochen wird“, sagt die 11-jährige Lia begeistert. „Und ich habe alle Wörter verstanden.“ Zumindest heute werde sie nur noch Schwäbisch schwätza.

Ein Video von der Schulstunde mit dem Stumpfes sehen Sie online auf www.schwaepo.de

„Schwäbisch isch a woiche Schbroch.“

Manne Arold, Stumpfes Zieh- und Zupf Kapelle
Das Heft zur Schulstunde der Stumpfes.
Autogrammstunde nach dem Unterricht.
Aufgabe im Heft: Schreibe die Wörter auf Hochdeutsch.

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