E-Scooter: in Gmünd ja, in Aalen nein

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Ein E-Scooter liegt in Schwäbisch Gmünd im Wasser. Im April ist er unterm Kroatensteg im Josefsbach gelandet. In größeren Städten wurden bereits Hunderte der Roller aus Gewässern gezogen. Archivfoto: MG
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Etwa 100 Elektro-Tretroller stehen in Schwäbisch Gmünd zur Ausleihe bereit. In Aalen will OB Frederick Brütting das nicht haben. Das sind Argumente dafür und dagegen.

Aalen

Anders als in Schwäbisch Gmünd wird es in Aalen keinen E-Scooter-Verleih geben. Zumindest wenn es nach Oberbürgermeister Frederick Brütting geht. Auf Facebook veröffentlichte er einen Text, in dem er begründete, warum er keinen E-Scooter-Verleih in Aalen möchte. „In den letzten Woche wurde ich mehrmals gefragt, ob wir Unternehmen nach Aalen holen, die E-Scooter vermieten“, schreibt er. Er hab sich ganz klar dagegen ausgesprochen. „Ich möchte das nicht in unserer Stadt“, schreibt Brütting. Das sind Gründe, die er anführt und andere Argumente:

Umweltbilanz: „Die Umweltbilanz der Scooter ist nicht gut“, schreibt Brütting. Sie verbrauchen ihm zufolge viel Energie für die Herstellung und hätten eine kurze Lebensdauer. „Das Einsammeln der Scooter verursacht zusätzlichen Verkehr mit Kleinbussen“, so der Aalener OB.

Die Firma Lime - eines der Unternehmen, das in Gmünd und vielen weiteren Städten E-Roller vermietet - schreibt dagegen auf ihrer Homepage: „Ab 2022 werden wir in ganz Europa auf Elektrofahrzeuge umsteigen.“ Die Roller selbst hätten eine Lebensdauer von fünf Jahren. Fahrzeuge, Lager und Büros der Firma werden nach eigenen Angaben mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben. Lime will den CO2-Fußabdruck seines Angebots weiter reduzieren und bis 2030 eine Nettonull erreichen.

Kein Ersatz fürs Auto: „E-Scooter ersetzen in der Regel keine Autofahrten sondern werden für Strecken genutzt, die man sonst zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Bus zurücklegen würde“, findet OB Brütting. Die Roller leisteten damit keinen Beitrag zur Verlagerung der Mobilität weg vom Auto.

Lime dagegen schreibt: „Unsere Nutzer:innen haben über 300 Millionen Fahrten unternommen und damit schätzungsweise 75 Millionen Autofahrten ersetzt und 30 000 Tonnen CO2-Emissionen eingespart.“

Die Stadt Schwäbisch Gmünd sieht in den E-Tretrollern vor allem ein Angebot für die sogenannte letzte Meile. „Zum Beispiel vom Bahnhof nach Hause, wenn spät abends kein Bus mehr fährt“, heißt es auf der städtischen Homepage. Die Roller sollen den Nahverkehr in Gmünd insgesamt attraktiver machen und sinnvoll ergänzen.

Stehen im Weg rum: „Die Scooter stehen oft auf den Gehwegen oder Fahrradwegen rum und blockieren die Wege für andere Verkehrsteilnehmer“, schreibt der Aalener OB. „Gerade für Menschen mit einer Sehbehinderung stellen sie eine echte Gefahr und Stolperfalle dar.“ Der Beirat für Menschen mit Behinderungen habe sich dagegen ausgesprochen.

In Schwäbisch Gmünd können Nutzerinnen und Nutzer die E-Tretroller zwar nicht überall, aber doch an vielen Orten abstellen. Beide Anbieter, die Firma Zeus und die Firma Lime, sind verpflichtet, die Roller binnen 24 Stunden wieder zu den offiziellen Abstellplätzen zurückzutransportieren. Das klappt in Gmünd noch nicht. Stadträtin Sigrid Heusel (SPD) hatte das Problem in der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause angesprochen. Bürgermeister Christian Baron verwies darauf, dass die Verträge auf ein Jahr Laufzeit befristet seien. „Wir sind ja in Probephase“, so Baron. Meldungen von Bürgern zu den E-Scootern würden bei der Stadt gesammelt und genau angeschaut. Wenn die Anbieter schlampig arbeiten, haben sie kaum Chancen auf Vertragsverlängerung. Laut Stadtverwaltung habe auch ein weiterer Anbieter Interesse angemeldet.

Landen im Wasser: „In anderen Städten landen sie oft in den Gewässern der Stadt“, schreibt der Aalener OB Brütting über die E-Scooter.

In Gmünd ist bisher ein Fall bekannt geworden. Einer der Roller landete im April im Josefsbach unter dem Kroatensteg. Das kalkulieren Roller-Vertreiber ein. „Es lässt sich nicht ganz vermeiden“, sagte Frank Thieme von Lime dazu im April. Aber Lime und auch Zeus, will es den Vandalen schwerer machen. In Gmünd ist es für Nutzer nicht möglich, einen Scooter direkt an einem Gewässer zu parken. In einem Umkreis von 30 Meter haben gibt es eine Parkverbotszone. Dort lässt sich die Leihe auch nicht beenden.

Seit April ist in Gmünd kein weiterer Fall bekannt geworden. Andere Städte haben größere Probleme mit dieser Art Vandalismus. Über 200 E-Scooter sind in München schon aus Gewässern geborgen worden. In Köln mehr als 100.

Unfälle: „Es passieren viele schwere Unfälle, da bei den Mietangeboten sehr selten ein Helm getragen wird“, ist ein weiteres Argument, das OB Brütting gegen die E-Scooter anführt.

In Gmünd ist bisher ein Unfall bekannt geworden. Ein 13-Jähriger auf dem E-Scooter stieß im Juli mit einem Auto zusammen und verletzte sich leicht.

Die Bilanz für Baden-Württemberg sieht so: aus. Im ersten Halbjahr 2022 haben sich laut Innenministerium bereits 50 Menschen bei Unfällen mit E-Scootern verletzt. Ein Mensch ist gestorben. Die Anzahl der schweren Unfälle hat sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 160 Prozent erhöht. Das Innenministerium hat im ersten Halbjahr 2022 insgesamt 360 Unfälle erfasst.

Lieber Rad und Nahverkehr: Brütting zählt Beispiele auf, was in Aalen für nachhaltige Mobilität getan wird: „Wir fördern in Aalen stattdessen massiv den Radverkehr und den ÖPNV“, schreibt er. Beispiele dafür seien jährlich 2,5 Millionen Euro Investitionen in Radwege oder das Umweltticket. Damit können Nutzerinnen und Nutzer für 39 Euro im Monat den ganzen Stadtverkehr nutzen.

E-Roller ausleihen in Schwäbisch Gmünd: So geht's

Etwa 100 E-Scooter stehen in Schwäbisch Gmünd seit dem Frühjahr zur Ausleihe bereit. Zwei Unternehmen bieten den Service an: Lime und Zeus.

Beide Unternehmen dürfen zunächst für ein Jahr E-Scooter in Gmünd vermieten. Anschließend möchte die Stadt bewerten, wie das lief und entscheiden, wie es weitergeht.

Mit einer App auf dem Handy können Nutzerinnen und Nutzer die Standorte der E-Scooter finden, ein Fahrzeug für sich ausleihen und bezahlen. Die Elektrotretroller müssen nicht wieder an den selben Standort zurückgebracht werden. Sie können in vielen Bereichen in der Stadt wieder abgestellt werden. Die App zeigt an, wo es geht und wo nicht. Die Unternehmen transportieren die E-Roller wieder zurück.

Ein E-Scooter liegt in Schwäbisch Gmünd im Wasser. Im April ist er unterm Kroatensteg im Josefsbach gelandet. In größeren Städten wurden bereits Hunderte der Roller aus Gewässern gezogen. Archivfoto: MG

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