„Seelenheil-Projekt“ bringt Literatur direkt ans Klinikbett

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Theater im Krankenhaus: Julia Sylvester und Manuel Flach gingen im Ostalbklinikum auf Sendung.

Julia Sylvester und Manuel Flach vom städtischen Theater unterhalten am Ostalb-Klinikum Patientinnen und Patienten über hauseigenen Radio-Kanal.

Aalen

Sonntagnachmittag im Ostalb-Klinikum: Um 14.30 Uhr schalten Julia Sylvester und Manuel Flach das Mikrofon ein und gehen auf Sendung. Eine kurzweilige Stunde lang unterhalten die beiden Schauspieler vom Theater der Stadt Aalen Patientinnen und Patienten über den hauseigenen Radiokanal 35.

Das „Seelenheil-Projekt“ geht auf die Initiative von Antonie Schmid-Kohler zurück. Mit der Theaterlesung wolle man den Patienten etwas Gutes tun, da sie derzeit keinen Besuch bekommen dürfen, sagt Schmid-Kohler, die im Büro der kaufmännischen Standortleitung des Klinikums arbeitet. Das Theaterangebot am Nachmittag sei als „Besucherersatz“ gedacht. Nach der Pandemie könne sie sich dieses Format auch als Abendveranstaltung für mobile wie auch für ans Bett gebundene Patienten vorstellen, so Schmid-Kohler.

Fünf verschiedene Stücke beziehungsweise Ausschnitte aus größeren Bühnenwerken haben die Schauspieler im Gepäck, die sie live in der Krankenhauskapelle einsprechen. Julia Sylvester führt gut gelaunt durchs Programm, das mit einer Szene aus William Shakespeares Sommernachtstraum beginnt. Eindringlich und spannungsvoll rezitiert Manuel Flach danach „Die Bürgschaft“ von Friedrich Schiller. „Lass er die Hand von mir weg!“ – mit stockender Stimme schildert Julia Sylvester als Eve den zudringlichen nächtlichen Besuch des Dorfrichters Adam aus Heinrich von Kleists Lustspiel „Der zerbrochene Krug“.

Auch Märchenliebhaber kommen auf ihre Kosten. Die beiden Sprecher nehmen die Zuhörer mit hinein in die Abenteuer des tapferen Schneiderleins. Am Schluss steht die Geschichte von Kurt Tucholsky „Ein Ehepaar erzählt einen Witz“, in der ordentlich gestritten wird. Die musikalischen Überleitungen von einem Stück zum nächsten produzieren die Schauspieler selbst: Manuel Flach klampft fröhliche Rhythmen auf der Ukulele, Julia Sylvester bedient Rassel und Triangel. Und es wird zwischendurch auch über die Rolle der Mütter geplaudert, schließlich ist Muttertag. Mit einem Dank an alle Mütter endet dann die Liveübertragung in der Kapelle.

Die Textbeiträge für das „Seelenheil-Projekt“ hat die Intendanz des Aalener Theaters zusammengestellt. Geprobt wurde über Zoom unter der Anleitung von Jonathan Giele. Das Rahmenprogramm hätten sie sich selbst ausgedacht, erzählen Julia Sylvester und Manuel Flach nach der Lesung. Für sie ist es der erste öffentliche Auftritt seit dem 31. Oktober 2020. Auch wenn die Probenarbeit weiterläuft: Die Schauspieler sehnen sich danach, wieder vor Publikum zu spielen. „Man ist so ausgebremst. Die Probenprozesse machen Spaß, die möchte man präsentieren. Da staut sich viel Arbeitsenergie auf“, sagt Julia Sylvester.

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