Shisha-Bars: Bereicherung oder schlecht für die Innenstadt?

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Die Betreiber der Shisha-Bar "P13 by Shishamesse" im Proviantamt wehren sich gegen die Klischees der Branche. Eine moderne Bar, ganz anders, als es sich viele vorstellen.
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In der Innenstadt soll es künftig keine weiteren Wasserpfeifengaststätten geben. Wo das Problem liegt und was Betreiber dazu sagen.

Aalen

Die Stadt will die Zahl der Shisha-Bars in der Innenstadt eindämmen. Diese Nachricht hat vor allem im Netz für Unruhe gesorgt. Wasserpfeifengaststätten sind heute längst nichts ungewöhnliches mehr. Aber nehmen sie in Aalen überhand? In dem rund 59 Hektar großen Gebiet der Innenstadt sollen künftig keine weiteren solcher Gaststätten genehmigt werden. Das hat der Gemeinderat beschlossen. Neun dieser Wasserpfeifengaststätten gibt es bereits in der Aalener City, weitere vier seien noch im baurechtlichen Genehmigungsverfahren, teilt die Stadt mit.

Aydogan B.Leyla betreibt eine dieser Shisha-Bars in Aalen – das "P13 by ShishaMesse" im Proviantamt – und veranstaltet die Shishamesse weltweit. Obwohl für bestehende Betriebe der Bestandschutz gilt und B.Leyla und seine Geschäftspartner nicht von der Bebauungsplanänderung betroffen sind, fühlen sie sich angegriffen: "Die Stadt wünscht sich offensichtlich, die Shishabranche aus Aalen heraus zu halten", sagt er. Eine Art der Kommunikation, die er für stigmatisierend und unverhältnismäßig hält.

Grundsätzlich sei es verständlich, dass jede Stadt einen gesunden Branchenmix anbieten möchte, um die Attraktivität der Innenstadt zu steigern. Dennoch missachte die Stadt das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Die Frage, ob die Branche überhandnehme, stelle man bei allen anderen Gastronomiebetrieben ja auch nicht, sagt er. "Jede andere Gastronomiesektion ist wohl deutlich verbreiteter als Shisha-Lounges."

Citymanager Reinhard Skusa sieht das anders. Für ihn passen diese Gaststätten nicht ins klassische Bild einer Innenstadt. Der Bedarf sei zwar da, aber für ihn sind es "definitiv zu viele". Die Stadt funktioniere nur durch Vielfalt. Aber nicht nur Shisha-Bars sind ihm "ein Dorn im Auge". Auch Friseursalons, Barbershops und Spielcasinos gebe es mehr als genug.

Es ist offensichtlich, dass es der Stadt darum geht, diese Branche anzugreifen.

Aydogan B.Leyla Shisha-Bar-Betreiber

Erst im vergangenen Jahr wurde das selbe Verfahren bei Wettbüros durchgesetzt, teilt Stadtsprecher Sascha Kurz mit. Man könne also nicht behaupten, dass es die Stadt allein auf die Shisha-Branche abgesehen habe. Auch der gesundheitliche Aspekt trage dazu bei, dass die Stadt Shisha-Bars vor Barbershops im Visier habe. Zudem strahlen diese Betriebe nicht das aus, was man in einer Innenstadt erwarte, sagt Skusa.

Aydogan B.Leyla weiß, welches Bild viele immer noch von der Branche haben. Diese Vorurteile wollen er und seine Partner aus dem Weg räumen. Die meisten Shisha-Bars seien heute nicht mehr die Buden, die man von früher kennt. Das P13 beispielsweise ist eine moderne Lounge, die auf den ersten Blick nicht unbedingt einer klassischen Shisha-Bar, wie man sie sich vorstellt, ähnelt. Große Sorgen machen ihm auch die Vorurteile im Netz. Dass hinter den Bars meist kriminelle Machenschaften stehen und ausschließlich ausländische Mitbürger ein und ausgehen, sei immer noch ein Klischee. "Dem widersprechen wir vehement", erklärt der Geschäftsmann. Shishalounges seien beliebte Orte für junge Erwachsene und Erwachsene aus jeder Bevölkerungsgruppe, unabhängig von Geschlecht und Herkunft.

Reinhard Skusa ist verantwortlich für die Attraktivität der Stadt. Um den sogenannten "Trading Down" – zunehmende Leerstände und ausbleibende Kundschaft – zu verhindern, sei es wichtig die Lage nachhaltig zu betrachten. Wenn die Umgebung lediglich aus Shisha-Bars, Friseuren und Barbershops bestehe, werde sich kein attraktiver Laden in der Gegend ansiedeln. Mode und Schmuck, das gefalle den Besuchern, weiß der Citymanager. Sobald sich ein Leerstand abzeichnet, rät er Eigentümern dazu, sich mit dem Citymanager in Verbindung zu setzen, um die Leerstände angemessen aufzufüllen.

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