Shoppen nur noch mit Termin: Aalener Händler sind empört

  • Weitere
    schließen
+
Ab Montag sind die Geschäfte nicht geschlossen, geshoppt werden darf aber nur unter Auflagen: Die Kunden müssen einen Termin vereinbaren und ihre Kontaktdaten hinterlassen.
  • schließen

Landratsamt: Lockerungen im Einzelhandel müssen wieder zurückgefahren werden. Aalens Innenstadthändler schreiben Brandbrief an die Politik.

Aalen

Fünf Tage war der Einzelhandel in der Innenstadt wieder offen, am Freitagnachmittag dann der Paukenschlag: Wegen Überschreitung der 50er-Inzidenzschwelle an drei aufeinander folgenden Tagen ist Einkaufen ab Montag nur noch mit vorheriger Terminbuchung ("Click & Meet") und Registrierung erlaubt, teilte das Landratsamt mit.

Die Verfügung: "Die Einzelhändler tun mir leid, aber ich habe keinen Auslegungsspielraum", so Landrat Dr. Joachim Bläse auf SchwäPo-Anfrage. Es gebe klare Vorgaben des Sozialministeriums. Das Infektionsgeschehen im Ostalbkreis konzentriere sich nicht auf einzelne Brennpunkte, sondern sei diffus: in Kitas, Schulen, Betrieben, Familien. Eines sei klar: "Die hohe Zahl ist definitiv nicht auf den Einzelhandel zurückzuführen." Dafür seien die Läden erst zu kurz wieder offen.

Die Reaktion der Innenstadthändler: Sie sind empört. Zwei Dutzend Einzelhändler mittelständischer Unternehmen, die eigenen Angaben zufolge 500 Mitarbeiter vertreten, haben am Freitag einen Brandbrief an die Land- und Bundestagsabgeordneten sowie an Ministerpräsident Kretschmann und die Landesregierung gesendet. "Es ist der Punkt erreicht, wo es nicht mehr tragbar ist", sagt Tobias Funk, Juniorchef des gleichnamigen Modehauses, der die Aktion organisiert hat.

Auf einer DIN-A-4-Seite machen die Händler ihrem Ärger in deutlicher Sprache tüchtig Luft. Sie legen dar, wie verantwortungsvoll und umfangreich der Handel in Hygieneschutzmaßnahmen investiert habe. Trotzdem habe die Regierung in ihrem "beschämenden Pandemiemanagement" willkürlich und "im Gießkannenprinzip" Teile des Einzelhandels geschlossen und Betrieben damit die Existenzgrundlage genommen. Gleichzeitig durften "beliebig ausgewählte Mitbewerber" die Türen offen halten, so die Kritik. Der Vorwurf an die Regierung: "Sie zerstören mit ihren nicht mehr nachvollziehbaren Verordnungen und ihrem Missmanagement die Vielfältigkeit und die Herzen unsere Städte."

Die Händler fordern umgehend einen Strategiewechsel: regelmäßige Schnelltests, schnellere und einfachere Impfungen "für die Bürger, die das gerne möchten", Digitalisierung der Gesundheitsämter zur schnelleren Nachverfolgung und Luftfilter für Schulen.

Sie lassen uns im Stich.

Aus dem Brandbrief

Der ACA: "Höchste Zeit, der Politik die Rote Karte zu zeigen", findet auch Citymanager Reinhard Skusa, der "Chancengleichheit für alle Betriebe" und ein Ende der an Inzidenzwerten orientierten Lockdown-Politik fordert. Diese koste den Staat Milliarden, verursache Kurzarbeit in Handel und Industrie und bringe finanzielle Einbußen für Hunderttausende von Arbeitnehmern.

Skusa kündigte an, dass der Handelsverband auch in Baden-Württemberg vor Gericht ziehen wird. Im Saarland hatte das Oberverwaltungsgericht etliche Beschränkungen für den Einzelhandel gekippt und eine Ungleichbehandlung festgestellt.

Die Läden: "Alle Händler werden am Montag in ihren Geschäften sein", verspricht Skusa. Einkaufen sei möglich – nur eben mit Termin. Tobias Funk sagt fast ein wenig trotzig: "Eigentlich muss die Überschrift lauten: Der Einzelhandel ist offen."

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL