Sicherheit: Wie man sein E-Bike am besten bremst und warum man damit auch mal Roller fahren sollte

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Beim E-Bike-Sicherheitstraining im Greut ging es vor allem auch ums richtige Bremsen.
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Was man als Teilnehmerin bei "Spaß und Sicherheit mit dem E-Bike/Pedelec" lernen und erleben kann.

Aalen

Seitenblick - nicht mein Ding beim Fahrradfahren. Tempo 20 habe ich drauf, als ich mit dem E-Bike an den kleinen flachen Hütchen auf dem Boden vorbeifahre. Die Aufgabe, die Klaus Dieter Rossow mir und den anderen gestellt hat, ist klar: "Wenn ihr nach hinten schaut, laut die Farbe rufen, die das Hütchen hat, das ich nach oben halte". Das ist aber nur die Spitze des Eisberges. Weiter geht es mit wieder nach vorne schauen, ein wenig bremsen, Arm nach links raus, wieder zurück. Noch einmal Seitenblick und - schließlich - links abbiegen - so die Theorie von Klaus. Schon beim ersten Blick nach hinten, ein graues Hütchen im Augenwinkel, gerate ich während meines Ergebnisrufes ein wenig aus der Spur - das Rad wackelt und fährt nicht mehr geradeaus. Wäre ich nun unter realen Bedingungen im Straßenverkehr unterwegs, würde mir das Herz in die Hose rutschen.

"Den Helm hat Ihr auf. Sonst hätte ich Euch wieder heimgeschickt."

Doch wir üben. Insgesamt acht Teilnehmer hat der der Kurs "Spaß und Sicherheit mit dem E-Bike/Pedelec". Männer und Frauen - letztere in der Überzahl. Eingeladen hat das Landratsamt Ostalbkreis, das diesen Kurs mit dem ADFC und dem Württembergischen Radsportverband durchführt. Der Kurs ist kostenlos - ein E-Bike muss man dazu aber haben. Einen Helm sowieso.

M-Check und warmmachen

"Den Helm habt Ihr auf. Sonst hätte ich Euch wieder heimgeschickt", sagt Klaus irgendwann zwischendurch. Wir sind alle von Anfang an per Du - mittels Klebenamensschild und gemeinsamen Wissensdurst.  Die Sonne scheint, doch der Wind bläst kalt auf dem Verkehrsübungsplatz im Greut, als Klaus uns kurz nach 9.30 Uhr zunächst die Bestandteile unseres Spaßvehikels näherbringt. M-Check heißt das Zauberwort. Vom vorderen Reifen mit den Bremsen geht es über Gabel und Steuersatz zum Lenker wieder runter zum Motor und von den Pedalen wieder hoch zum Sattel und schließlich zum hinteren Rad und den Bremsen dort.  Ist das Vorderrad fest, die Federgabel nicht verölt, haben die Bremsen noch genug Belag, sind die Griffe und die Pedale fest? Bei uns passt alles. Nach dem Aufwärmen, bei dem uns Klaus ums Fahrrad laufen und immer wieder an den Fahrradteilen in die Hocke gehen lässt, kann es also losgehen.

Bremsen, sicheres Auf- und Absteigen und Anfahren, Abbiegen, Kurven fahren und Koordinationsübungen - darum wird es in den nächsten vier Stunden gehen. "Es geht nicht nur um einen selbst, sein Fahrrad und die nächsten zehn Meter vor einem", konkretisiert Klaus. Schließlich gebe es Autofahrer, die beim Abbiegen eben nicht in den Spiegel schauen würden. Richtig bremsen ist deshalb das A und O. 

Auch zunächst ohne Seitenblick ist das gar nicht so leicht. 20 Stundenkilometer schnell sollen wir fahren und dann auf Kommando schnell bremsen. Ich schalte in den Sportmodus, strampele zügig los und drücke auf Kommando beherzt auf die Bremsen. Mein Hinterrad schlägt ein wenig aus und knirscht. "Zu wenig Vorderbremse", sagt Klaus. Beim zweiten Mal klappt es schon besser. "Gleichmäßig ziehen, auch nicht zu ruckartig, die Räder sollen nicht blockieren", rät er weiter.

Bremsen ist das große Thema

Bremsen. Das ist das große Thema. Wir erfahren, dass wir beim Bergabfahren lieber zwischen, als Dauerbremsen sollen. Bei Bremsbereitschaft zwei Finger an den Zügen haben sollten. Das Gewicht beim Bremsen nach vorne drängt. Klaus rechnet uns sogar Reaktionszeit und Bremsweg vor. "Bremsen ist ja nicht nur bremsen", sagt er. Mathe. Ich schalte gedanklich in den Leerlauf. Bin aber wieder voll dabei, als wir das Fahrrad als Roller nehmen, um unser Gleichgewicht zu schulen und unsere Schokoladenseite zu erforschen. Zwischendurch machen wir immer mal wieder Pause. Ums Radeln geht es trotzdem. Preise, Liefer-Engpässe, wo ist es für E-Bike- und Pedelec-Fahrer brenzlig in der Region. Und auch darum, dass man sich besser nicht darauf verlässt, dass andere Verkehrsteilnehmer sich an die Regeln halten.

Am Ende hat Klaus noch eine weitere Übung für uns parat. Wir fahren im Kreis um die Hütchen. Alle acht. Und wir geben acht. Ich fühle mich viel sicherer als noch vor vier Stunden. Der Seitenblick klappt diesmal auch.

Plätze gibt es noch für die Kurse am Samstag, 4. Juni von 9.30 bis 13.30 Uhr in Jagstzell, Schule; Samstag, 6. August von 9.30 bis 13.30 Uhr in Jagstzell, Schule. Anmeldung unte r www.radsp aß.org / kurse online.

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