Sie kämpfen für Klimaneutralität

  • Weitere
    schließen
+
Doris Ramer (links, gelbes T-Shirt), Alexander Schlee (mitte, gelbes T-Shirt) und Konstantin Forcht (rechts, schwarzes T-Shirt) sammeln Unterschriften in der Innenstadt.
  • schließen

Die Gruppe „Klimaentscheid Aalen“ sammelt seit April Unterschriften in der City. Was sind die Beweggründe der Mitglieder? Das zeigt ein Besuch.

Aalen

Gelbes T-Shirt und Klemmbrett unter dem Arm: Mehrmals in der Woche sind die Mitglieder der Gruppe „Klimaentscheid Aalen“ so in der City unterwegs. Ihr Auftrag? 1000 Unterschriften sammeln. Ihr Ziel? Dass Aalen bis 2035 klimaneutral wird.

Ich weiß, was auf uns zukommt.“

Alexander Schlee, Mitglied „Klimaentscheid“ Aalen

„Wir haben keinen Planet B“, sagt Moni Bieg-Körber, die an diesem Morgen vor Utopiaa steht – eine Einrichtung, die die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen umsetzen will und zu der Projektgruppen aus Aalen (auch Klimaentscheid) gehören. „Das Thema Klimaneutralität soll bei den Bürgerinnen und Bürgern ankommen. Sie sollen an der Entscheidung beteiligt sein.“ Die Gruppe hätte zwar mit Gemeinderätinnen und -räten und dem Oberbürgermeister gesprochen, wolle aber den „unangenehmen Weg“ gehen, Menschen direkt auf der Straße ansprechen und diese für die Sache sensibilisieren, sagt Alexander Schlee.

Keine Verbote

Auch die Stadtverwaltung ist dran am Thema Klimaneutralität. Der „Klimopass“, ein 140 Seiten starkes Werk, soll zeigen, wie Aalen die Klimakrise angehen kann. Das ist den Mitglieder von „Klimaentscheid“, zwischen 15 und 87 Jahre alt, zu wenig. „Die Stadtverwaltung soll bis Herbst 2022 einen Aktionsplan mit einem Maßnahmenkatalog für die gesamte Kommune erstellen“, erklärt Moni Bieg-Körber. Der Plan solle jährlich überprüft und von einem Planungsbüro erstellt werden. „Wir wollen messbare und transparente Erfolge. Auch die Unternehmen müssen sich beteiligen“, sagt Moni Bieg-Körber. Wichtig sei, das Thema positiv zu besetzen. Der Gruppe gehe es nicht um Verbote, fügt sie an, nimmt ihre Unterschriftenliste und geht in Richtung Stadtkirche.

Keine Treibhausgase ausstoßen

Um das 1,5-Grad-Ziel des Übereinkommens in Paris zu erreichen, dürfen ab 2035 keine Treibhausgase mehr ausgestoßen werden. Dies zu erreichen, dafür kämpfen nicht nur Menschen in Aalen. Schorndorf, Essen, Darmstadt, Mainz – dort und in anderen Gebieten haben sich Aktivistinnen und Aktivisten zur örtlichen „Klimaentscheid“-Gruppe zusammengeschlossen.

Versagen und Zukunftsangst

Zurück nach Aalen. Während des Gesprächs wuseln Passantinnen und Passanten vorbei. Manche nehmen sich Zeit, unterschreiben; andere suchen ohne aufzublicken das Weite. Entmutigen lassen sich die Sammlerinnen und Sammler davon nicht, „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, könnte ihr Motto sein. Seit April sind sie Woche für Woche in der Stadt. Bis zu den 1000 Unterschriften ist es nicht mehr weit. „Ich denke, dass wir das in den kommenden zwei Wochen schaffen“, sagt Alexander Schlee. Der Vater einer drei Jahre alten Tochter steht vor Utopiaa, weil er weiß „was auf uns zukommt“. Schmelzende Polkappen, steigende Meeresspiegel, Überschwemmungen, Hitzewellen, Trockenheit. Es lohne sich, für die Zukunft zu kämpfen.

Konstantin Forcht sieht dies ähnlich. „Ich finde es dramatisch, dass Kinder bei Fridays for Future um ihre eigene Zukunft kämpfen müssen“, sagt der Vater, der an einem Stehtisch vor Utopiaa Unterschriften sammelt. Die Erwachsenen an den „Schalthebeln“ hätten versagt. Das Blatt zu wenden sei seine Motivation. „Ich will, dass wir eine gemeinsame Zukunft haben“, sagt Doris Ramer, die sich für einen Moment dazugesellt. „Wir müssen die Chance, die wir haben, nutzen. Die Folgen des Klimawandels sieht man bereits hier und im globalen Süden“, betont die Aalenerin – und geht im gelben T-Shirt, Klemmbrett unter dem Arm, Unterschriften sammeln.

Infos zur Gruppe gibt's online unter www.klimaentscheid-aalen.de

Kurz erklärt: das Pariser Klimaabkommen

Das Übereinkommen von Paris gibt einen globalen Rahmen zur Bekämpfung des Klimawandels vor: Die Erderwärmung soll deutlich unter 2 Grad gehalten werden; der Temperaturanstieg soll durch weitere Maßnahmen auf 1,5 Grad begrenzt werden. Außerdem sollen die Länder bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützt werden. Quelle: ec.europa.eu

„Wir haben keinen Planet B“, sagt Moni Bieg-Körber.
Das Ziel: 1000 Unterschriften von Aalenerinnen und Aalern.

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL