Sie will für Gleichstellung sorgen

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Anna-Lena Mutscheller ist in der Stabstelle für zehn Mitarbeiterinnen und zwei Mitarbeiter zuständig. Foto: maro
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Anna-Lena Mutscheller (32) ist seit einem halben Jahr die Leiterin der Stabsstelle für Chancengleichheit, demografischer Wandel und Integration. Welche Projekte sie plant.

Aalen

Ihre „feministische Erweckung“, die hatte Anna-Lena Mutscheller, als sie das Buch „Untenrum frei“ von Margarete Stokowski las. Und die Begeisterung für Gleichstellung und Integration, die wurde vor einigen Jahren geweckt, als sie bei der Aalener Stadtverwaltung ein Praktikum absolvierte. Das ist sechs Jahre her. Jetzt sitzt die inzwischen 32-Jährige im Chefinnensessel der Stabstelle für Chancengleichheit, demografischen Wandel und Integration und ist Gleichstellungsbeauftragte der Stadtverwaltung.

„Große Fußstapfen“

Als Nachfolgerin von Uta-Maria Steybe, die sich Anfang des Jahres in den Ruhestand verabschiedete, trete sie in große Fußstapfen, sagt die Aalenerin. „Sie hat mich sehr geprägt. Ich konnte mir viel von ihr abschauen und herausfinden, was ich anders machen will.“ Steybe habe ihr Wurzeln gegeben und Flügel verliehen.

Gerne würde sie an den „Stäben des goldenen Käfigs“ rütteln, in dem ihrer Meinung nach viele Frauen sitzen, und sagen: „Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen“, wie Mutscheller sagt. „Für viele ist es klar, den Namen des Mannes anzunehmen oder sich um die Kinder zu kümmern.“ Auch in Sachen Gender-Pay-Gap oder unbezahlte Carearbeit sei noch viel zu tun. „Ich habe mir auf die Fahne geschrieben, das klarzumachen“, betont Mutscheller, die in Bamberg ihren Master in Erziehungs- und Bildungswissenschaft absolviert hat.

Die Themen der Zeit

In der Stabstelle sind die vier gesellschaftlichen Themen unserer Zeit angesiedelt, wie die Leiterin erklärt. „Wir kümmern uns um Gleichstellung, Partizipation, Integration und kommunale Entwicklungspolitik.“ Als Gleichstellungsbeauftragte achte sie innerhalb der Verwaltung darauf, dass niemand benachteiligt wird. Nach außen wolle sie Bürgerinnen und Bürger für das Thema sensibilisieren.

Einen Schwerpunkt habe sie nicht, alle Bereiche müssten zusammen gedacht werden, betont Mutscheller und gibt zu, dass sie persönlich durch die „Genderbrille“ auf einige Gebiete blicke.

Ihre Arbeit habe sie zu einem besseren Menschen gemacht. „Ich sehe meine Aufgabe mit mir als Person verbunden.“ Um 17 Uhr Feierabend machen und die „Genderbrille“ ablegen? Das gehe nicht. „Die Themen sind ein Teil von mir und ich möchte sie auch gar nicht ablegen. Das ist das Besondere an meiner Stelle“, sagt sie.

Junge Menschen erreichen

In den kommenden Jahren will Mutscheller gemeinsam mit ihren zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verstärkt junge Menschen erreichen. Bei Personen, die in der zweiten oder dritten Generation in Deutschland leben, wollen sie Identifikationsschwierigkeiten abbauen, wie Mutscheller erklärt. Die Stabstelle arbeite zudem mit Schulen zusammen.

Es gebe Ideen, in Zukunft in Kindergärten aktiv zu werden. „Um der Prägung der Kinder entgegenzukommen“, sagt die 32-Jährige. Denn Studien hätten gezeigt, dass die Prägung von stereotypischen Rollenbildern schon sehr früh beginnt. „Wir möchten aufzeigen, dass es okay ist, wenn Jungs mit Puppen spielen und Mädchen raufen. Und wir möchten Erzieherinnen und Erziehern die Möglichkeit geben, ihre eigenen Rollenbilder zu reflektieren und zu überdenken.“

Viele befristete Stellen

Ein Anliegen, das sie beschäftigt: die vielen befristeten Stellen in ihrer Stabstelle. „Es ist schwer für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wenn sie wissen, dass sie hier nur eine begrenzte Zeit haben“, sagt sie. Das sei schade, denn die Arbeit dürfe nicht als „Zusatz“ gesehen werden. „Es geht um die Gesellschaft und den Zusammenhalt. Es braucht Stellen, die sich dafür einsetzen“, betont Mutscheller.

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