Sind die B-29-Anschlussstellen wirklich Unfallschwerpunkte?

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Die Auffahrten auf die Westumgehung (blau markiert). Wie viele Unfälle passieren hier tatsächlich?
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Eine Betrachtung: Wie der Begriff definiert ist und welche Zahlen die Polizeistatistik dazu hergibt.

Aalen

Unfallschwerpunkt. Das ist der Begriff, der in der Diskussion um die Anschlussstellen an der B29 rund um Aalen immer wieder fällt. Die Auffahrten entlang der Westumgehung sollen ertüchtigt werden. Denn schon jetzt staut sich an den Anschlussstellen Wellandstraße, Affalterried, Albanus und Oberalfingen oft der Verkehr. Prognosen, die in den kommenden Jahren von immer mehr Autos und Lkw auf den Straßen ausgehen, sagen voraus, dass sich das Problem noch verstärken wird.

Doch vor allem sollen die Anschlussstellen sicherer werden. An allen vier müssen Autofahrer, um links Richtung Stuttgart abzubiegen, die Fahrspur Richtung Nördlingen überqueren. An der Wellandstraße und in Oberalfingen gibt es zumindest eine Ampel, die das erleichtert. In Affalterried und am Albanus nicht. Daher sind zusätzliche Rampen angedacht.

Doch sind die Anschlussstellen wirklich Unfallschwerpunkte?

Definition: Damit ein Ort als Unfallschwerpunkt eingestuft wird, müssen laut ADAC folgende Kriterien erfüllt sein: fünf gleichartige Unfälle innerhalb eines Jahres oder fünf Unfälle mit Personenschäden innerhalb von drei Jahren oder drei Unfälle mit Schwerverletzten oder Todesopfern innerhalb von drei Jahren.

Statistik: "Alle Unfälle im Straßenverkehr werden von der Polizei akribisch erfasst", sagt Julian Häußler vom ADAC Baden-Württemberg. Folgende Daten werden ihm zufolge in einer landesweiten Datenbank gespeichert und ausgewertet: beteiligte Verkehrsteilnehmer, Unfallort, Datum, Uhrzeit und die Unfallfolgen.

Westumgehung: Keine der vier Anschlussstellen an der Westumgehung ist ein Unfallschwerpunkt. Das bestätigt die städtische Pressesprecherin Karin Haisch für die drei Anschlussstellen auf Aalener Gemarkung, also Wellandstraße, Affalterried und Oberalfingen. Dasselbe gilt für den Albanus auf Gemarkung Hüttlingen, sagt Theresa Stäb vom Landratsamt. Sie fügt aber an: "Es wurde jedoch im Jahr 2019 eine Häufung von Unfällen festgestellt, welche wohl in engem Zusammenhang mit der fast ganzjährigen Vollsperrung der Wasseralfinger Straße in Hüttlingen zu sehen sind."

Zehn Unfälle im vergangenen Jahr sind zehn Unfälle zu viel.

Günter Ensle Bürgermeister Hüttlingen

Wellandstraße: Laut Polizeipräsidium Aalen gab es an der Anschlussstelle Wellandstraße im Jahr 2019 einen Unfall mit einer leichtverletzten Person. In den vergangenen zehn Jahren hat die Statistik dort insgesamt 18 Unfälle erfasst. 18 Personen wurden dabei leicht verletzt, eine Person wurde schwer verletzt. Im Jahr 2010 ereignete sich in dieser Stelle ein Unfall, bei dem ein Mensch ums Leben kam.

Affalterried: Vier Unfälle verzeichnet die Statistik im Jahr 2019 an der Anschlussstelle Affalterried. Drei Menschen wurden dabei leicht verletzt. Seit 2010 ereigneten sich dort insgesamt 28 Unfälle. Fünf Menschen wurden in den vergangen zehn Jahren schwer und zwölf Menschen leicht verletzt.

Oberalfingen: Ebenfalls vier Unfälle ereigneten sich 2019 an der Anschlussstelle Oberalfingen. Einen Leichtverletzten verzeichnet die Statistik im vergangenen Jahr. In den vergangenen zehn Jahren kam es dort zu insgesamt 34 Unfällen, bei denen 18 Menschen leicht und sieben schwer verletzt wurden.

Albanus: Allein im vergangenen Jahr ereigneten sich an der Anschlussstelle Albanus zehn Unfälle. Eine Person wurde schwer verletzt, drei Personen wurden leicht verletzt. Schaut man auf die vergangenen zehn Jahre, so zählt die Statistik insgesamt 42 Unfälle mit drei Schwerverletzten und zwölf Leichtverletzten.

Hüttlingens Bürgermeister Günter Ensle, der bereits seit 2002 im Amt ist, erinnert sich an mehrere sehr schwere und tödliche Unfälle. Und Unfallschwerpunkt hin oder her: "Zehn Unfälle im vergangenen Jahr sind zehn Unfälle zu viel", sagt Günter Ensle.

Oberalfingen: Hier wurde eine Einfädelungsspur angelegt.

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