Skispringen: Lotta, 11, fliegt aufs Siegertreppchen

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Lotta Wilfert in Ruhpoldig.
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In Degenfeld hat Lotta Wilfert 2019 bei einem Ferienprogramm erstmals Kontakt mit dem Skispringen. Welche Erfolge sie nun schon verbuchen kann und worauf es ihr beim Skispringen ankommt.

Aalen

Lotta ist Überfliegerin. Im wahrsten Sinne des Wortes. Zum einem liebt die elfjährige Schülerin Skispringen. Zum anderen hat sie es in beachtlich kurzer Zeit in diesem Sport schon weit gebracht. Beispielsweise zu einem Doppelsieg beim Deutschen Schülercup in Schmiedefeld. Und es ist gerade mal eine Woche her, da ist Lotta Wilfert im Schwarzwald Schwäbische Schülermeisterin in der Kategorie S12 bis S15 geworden. Mal flog sie 39, mal 42 Meter für den Stützpunkt Degenfeld/Königsbronn/Wiesensteig.

Dabei war es eher ein Zufall, der die Aalenerin in luftige Höhen führte. Lottas Mutter hatte 2019 im Ferienprogramm der Stadt ein Angebot entdeckt, bei dem es darum ging, in Degenfeld mal Skispringen auszuprobieren.  "Das hat mich und meinen Bruder interessiert und dann sind wir da hingefahren", erzählt sie. Als die Eltern dann nachfragten, wie es denn so war, wusste Lotta: "Ja, ich würde gerne mal weitermachen." Gesagt, getan. Seitdem trainiert Lotta hauptsächlich in Degenfeld und fährt auf Lehrgänge, wie zuletzt in den Winterferien nach Villach, "weil da Schnee lag".  Im Winter könne sie in Degenfeld nur auf der kleinen Schanze trainieren, erklärt sie.

Lottas weitester Sprung: 70 Meter

Über ihre bisherigen Siege spricht die junge Sportlerin nicht viel. Nur wenn man nachhakt: "Ich war ziemlich schnell", antwortet sie knapp. Dafür erzählt sie lieber ausführlich über das Skispringen an sich. Das hat sie früher, als sie im Fernsehen ab und zu zugesehen hat, gar nicht so besonders interessiert. "Da sahen für mich alle Sprünge gleich aus", erinnert sie sich. Das ist heute anders. "Jetzt sehe ich schon: der Sprung war zu kurz, der Sportler hatte Glück mit dem Wind, der war zu spät dran. Da achtet man jetzt schon darauf und sieht das in der Zeitlupe ja auch gut." Ihren bisher weitesten Sprung kann sie selbst nicht genau beziffern. "Das waren so um die 70 Meter", grinst sie. "Da merkst du dann schon, dass du Druck unter den Skiern hast und das du  wirklich ins Fliegen kommst", erklärt sie. Eine Erfahrung, die sie auf der kleinen Schanze, auf der sie vor noch gar nicht so langer Zeit angefangen hat, nicht gemacht hat.

Kraft in den Beinen gehört dazu

Was man braucht, um eine gute Skispringerin zu werden, darüber muss Lotta nicht lange nachdenken. "Man muss Talent haben, man sollte Kraft in den Beinen haben und man sollte nicht übergewichtig sein", sagt die schlanke Elfjährige. Ernährung sei schon nicht unwichtig, man sollte nicht so viel Süßes essen.  "Aber wenn man viermal die Woche Sport macht, dann ist, glaube ich, ein bisschen schon okay", sagt sie. Sprungtraining, Krafttraining, Joggen, Athletiktraining, manchmal aber einfach auch ein wenig Fußball in der Halle, all das gehört zum Sportprogramm der Skispringerin.

Zeit für ihre Geige, die sie noch spielt, findet Lotta bei all dem Training nicht mehr ganz so viel. "Aber ich versuche, schon einmal in der Woche zu üben", sagt sie. Schlecht sei sie in der Schule trotz ihres Leistungssports nicht - sagt Lotta. Sie geht in die sechste Klasse des Schubart-Gymnasiums. Sport, aber auch Mathe, Geschichte und Bildende Kunst gehören zu ihren Lieblingsfächern. Zeit zum Lesen habe sie vor allem nur noch abends im Bett. "Gerade lese ich 'Bodyguard', Teil 2. Das hat mir mein älterer Bruder empfohlen", erzählt Lotta.

Der ist nach seinem Ausflug in den Skisprungsport 2019 lieber beim Hockey geblieben. Für Lotta aber ist Skispringen ganz offensichtlich das Richtige, auch wenn sie keinem Vorbild nacheifert, wie sie sagt.  "Das Fluggefühl ist schon sehr toll", sagt sie dazu, auch wenn sie nicht ständig denke: "Toll, ich kann fliegen." Eigentlich denke sie überhaupt nicht viel, wenn sie beim Sprung unterwegs sei. "Du merkst nur, ob der Sprung gut ist." Lottas nächstes Ziel: sie will den Wintercup gewinnen. "Da bin ich momentan die Führende und das will ich auch durchziehen", sagt sie zielstrebig. Und dann, wenn es endlich die Vierschanzen-Tournee für Frauen gibt, da auf jeden Fall dabei sein. Bei Olympia sowieso. Gut möglich, dass es klappt. Bei dem Talent zum Überflug.

Lotta Wilfert bei den Schülermeisterschaften am 29. Januar im Schwarzwald.
Lotta Wilfert auf dem Siegertreppchen in Schmiedefeld.
Die elfjährige Lotta Wilfert aus Aalen bei einem Sprung von der großen Schanze (K75) in Degenfeld.

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