So geht nachhaltig feiern

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Plastikbecher & Co. muss es auf Festen nicht geben - es geht auch nachhaltig.
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Ulrich Holzbaur erklärt in seinem Buch „Events nachhaltig gestalten“, wie Feste feiern ohne schlechtes Gewissen funktioniert. Wir haben einige Tipps herausgegriffen.

Aalen

Feiern, das macht (fast) jeder gern, und (fast) jeder schmeißt im Laufe seines Lebens eine Sause.

Meere sind voller Plastikmüll und die Erde erwärmt sich seit dem 19. Jahrhundert: Wer im Jahr 2021 (und in den folgenden) Feiern oder Veranstaltungen organisiert, sollte den Nachhaltigkeitsgedanken im Kopf haben. Professor Dr. Ulrich Holzbaur erklärt in seinem fast 400 Seiten starken Buch „Events nachhaltig gestalten“, wie es funktioniert. Kapitel sind den Themen Events für alle, Sicherheit, Organisation oder Eventkonzeption gewidmet und für Organisatorinnen und Organisatoren gibt es praktische Tipps.

Der Nachhaltigkeitsbeauftragte der Hochschule Aalen will mit seinem Buch so viele Menschen wie möglich erreichen. Denn: „Jeder muss schauen, dass er etwas zum Klimaschutz beiträgt“, sagt er. Damit meint er Veranstaltende von Festivals genauso wie die Mitwirkenden der Reichsstädter Tage oder Planende eines Gartenfestles.

Warum, Herr Holzbaur, müssen Events nachhaltig sein? „Große Veranstaltungen haben einen hohen CO₂-Fußabdruck – vor allem im Bereich An- und Abreise und beim Müll“, sagt er. Auf einer Veranstaltung könne Menschen gezeigt werden, dass Feiern geht, ohne die Umwelt zu belasten – und das ohne einen erhobenen Zeigefinger oder Verbote. Bei einem Event seien die Menschen offener, neue Ideen aufzunehmen, sagt der Autor.

Wir haben aus seinem Buch Aspekte zum Naturschutz herausgegriffen – die meisten davon können nicht nur von größeren Orgateams umgesetzt werden, sondern gelten auch für eine kleine Geburtstagsparty.

Mobilität

Anreise mit Bus und Bahn sollten gefördert werden – etwa durch Anpassung der Veranstaltungszeiten auf den ÖPNV oder einer Bahnfahrt, die im Preis enthalten ist. Bei der An- und Abreise kann der Veranstaltende auf umweltfreundliche Verkehrsmittel hinweisen und Haltestellen vor Ort nennen. Shuttledienste können angeboten werden. Bei kleineren Feiern können Fahrgemeinschaften gegründet werden.

Kompensation

Nicht alle CO₂-Emissionen können vermieden werden – aber kompensiert. Die Kompensation kann durch eigene Maßnahmen, Kooperationen oder durch Kompensationszahlungen erfolgen. Für 1 Tonne CO₂ wird etwa ein Betrag von ca. 20 Euro fällig.

Müll

Mehrwegbesteck oder -geschirr verwenden oder ein Geschirrmobil nutzen. Speisen ohne Geschirr anbieten (im Brötchen, Pergamentpapier, essbares Geschirr). Abfälle trennen und unterschiedliche Behälter bereitstellen – und regelmäßig leeren, sonst landet der Müll daneben. Pfandsysteme nutzen, Alu-Dosen und Einwegflaschen vermeiden.

Catering

Saisonale Gerichte, regionale Produkte, möglichst Bioqualität, anbieten, kleine Portionen ausgeben und einen Nachschlag anbieten, vegetarische oder vegane Produkte verkaufen (oder weniger Fleisch in guter Qualität anbieten), mit regionalen Anbietern kooperieren, Tafeln statt gedruckter Speisekarten verwenden.

Nachhaltig kochen

Kurze Wege, Fair-Trade-Produkte nutzen, wenn internationale Zutaten notwendig sind, Klasse statt Masse.

Matrerial

Abfragen, wie viele Gäste kommen werden und Material planen, Gästen Essensliste zur Vorabbestellung zukommen lassen.

Biodiversität

Keine Biotope zerstören, keine sensiblen Arten stören, Aktionen zur Biodiversität starten (etwa Pflanzaktionen), Besucherinnen und Besucher für Nachhaltigkeit und Biodiversität sensibilisieren.

Das Buch „Events nachhaltig gestalten“ ist erhältlich im Buchhandel ab 47 Euro.

  • Was ist Nachhaltigkeit?
  • Der Begriff Nachhaltigkeit geht auf die Forstwirtschaft zurück. Das Prinzip: einem Wald nicht mehr zu entnehmen als nachwächst bzw. neu angepflanzt wird. In diese Sinne meint Nachhaltigkeit (wie in der nachhaltigen Unternehmensführung) vor allem den nachhaltigen Ertrag – es soll also sichergestellt werden, dass ein natürliches System erhalten bleibt.
  • Der Brundtland-Bericht wurde 1987 von der Kommission für Umwelt und Zusammenarbeit der Vereinten Nationen verfasst – Nachhaltigkeit wird dort so formuliert: „Nachhaltigkeit ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.“ Das bedeutet auch: Nachhaltige Entwicklung ist kein Selbstläufer. Die reichen Länder müssen ihre Lebensstile anpassen und entsprechende Entscheidungen müssen getroffen werden.

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