So lief der erste Tag für Aalens Wirte

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Gäste zieht es fast ausschließlich in die Außengastronomien, das Innere der Lokale bleibt meist komplett leer. Wie die Stimmung unter den Gastwirten ist.

Aalen

Auf den ersten Blick scheint es nach neun langen Wochen der Corona-Schließung fast wieder ein ganz normaler Montagmittag zu sein in Aalens Gastroszene. Wirte und Inhaber von Cafés, Bäckereien und Eisdielen haben Stühle und Tische mit Abstand in die warme Mai-Sonne gerückt. Und beim ersten Blick über den mittäglichen Marktplatz schlägt das Herz des Citymanagers Reinhard Skusa tatsächlich höher. "Die City ist zwar noch nicht so belebt wie vor Corona. Aber für den ersten Tag der Gastronomie-Öffnung ist es schon mal gut", stellt er fest. Dennoch: Ins Innere der Lokale treibt es noch so gut wie keinen an diesem ersten Öffnungstag. "Die Gäste sind verunsichert, die Stimmung ist noch sehr verhalten", ziehen die Wirte eine erste Bilanz. Ein Streifzug:

Das Aposto, kurz nach 12 Uhr: Mittagsgäste sitzen ausschließlich im Freien, verteilt an gerade mal fünf Tischen. Um innen den geforderten Abstand von eineinhalb Metern zwischen den Gästen herstellen zu können, musste Geschäftsführerin Sabiha Madan einige Tische und Stühle entfernen. Damit fehlt jetzt etwa ein Drittel der Plätze. "Dabei sind wir auf Auslastung angewiesen, weil wir erst vor drei Jahren eröffnet haben und uns auch noch der Kubus-Brand aus der Bahn geworfen hat", sagt Madan. Sie ist sehr dankbar für die 30 000 Euro Soforthilfe der Regierung. "Aber das wird fast alles von der Miete geschluckt. Unterm Strich braucht das Lokal einen durchschnittlichen Tagesumsatz von 5000 Euro, um bestehen zu können." Zuversicht schöpft sie derzeit aus der Gewissheit, dass sie die Enchilada-Gruppe als Rettung im Rücken hat. Zum Glück.

Vor dem italienischen Eisparadies am Marktplatz sitzen Sabrina Mayr und Bianca Röhrer aus Röttingen. Da die beiden ihre Mittagspausen in den vergangenen Wochen ausschließlich im Büro verbracht haben, genießen sie jetzt erstmals wieder die besondere Kombination aus frischer Luft, Sonne und einem Eis im Sitzen. Doch auf ein Mittagessen in einem Lokal werden sie bis auf Weiteres noch verzichten. Die Unsicherheit ist groß. "Wir fühlen uns da derzeit noch nicht so wohl."

Das Podium kurz vor 1 Uhr: Inhaberin Steffi Winter ist positiv überrascht und glücklich, dass es so gut anläuft: Die Stühle vor ihrem Café sind fast alle besetzt. "Es war richtig wichtig, dass wir heute endlich aufmachen können", betont die Wirtin, die im Falle einer Insolvenz mit ihrem Privatvermögen haften würde. Jeder Gast erhält hier seine eigene Einmal-Speisekarte – ein Ausdruck auf DIN A4-Papier; der Hygiene wegen. Darauf kreuzt er für die Bestellung nicht nur Speisen und Getränke an, sondern trägt gleichzeitig seine Kontaktdaten ein. "Das Papier", so Winter, "wird dann vier Wochen aufgehoben, um im Ernstfall eine Infektionskette zurückverfolgen zu können." Übrigens: Die Ausflugsgaststätte Tauchenweiler wird am Mittwoch wieder öffnen. Allerdings vorerst nur die Außengastronomie. Im Hinblick auf den Abstand empfiehlt Pächterin Steffi Winter ihren Tauchenweiler-Gästen ein Picknick in der gemähten Wiese. "Die Decken stellen wir."

Leib & Seele, 13.30 Uhr: "Toi, toi, toi, wir haben Gäste", sagt Vincze Juhas und lächelt. Aber für ein entspanntes Lachen reicht es nicht. "Man merkt, dass die Leichtigkeit, die Spontaneität der Kunden fehlt. Sie müssen bei mir nicht zwingend anrufen und reservieren, sondern brauchen nur im Vorbeigehen nach einem freien Platz fragen." Obwohl auch Juhas zweites Standbein, das Catering, durch Corona komplett weggebrochen ist, gewinnt er seine Zuversicht allmählich wieder zurück. "Ich werd's schaffen und die Krise überstehen", meint er. Auch wenn er weiß, dass es drei bis vier Jahre dauern wird, bis er die ihm entstandenen Einbußen wieder ausgleichen kann. "Schade und traurig ist, dass die Hausbanken einem in dieser Situation nicht entgegenkommen mit einem Darlehen in der nötigen Höhe."

Im Rambazamba sitzt an diesem Montagmittag das Personal zur Beratung zusammen. Das Café ist noch komplett geschlossen – wie in den vergangenen neun Wochen. "Wir werden erst am Mittwoch öffnen", erklärt Martin Dannenmann. Bis dahin will er alles den Vorgaben entsprechend organisiert haben. "Viele Kollegen scheuen sich jetzt, den Apparat schon wieder anzuwerfen. Die Unsicherheit ist groß."

Die Bierhalle ist an diesem Montagmittag ebenfalls noch zu. "Wir machen noch Grundreinigung und gehen mit dem Personal in Ruhe die Richtlinien durch", informiert Inhaberin Verena Hellriegel. "Wir brauchen einfach einen Tag zum Luftholen, weil wir in den vergangenen Wochen sehr beschäftigt waren mit unserem Lieferservice." An diesem Dienstag will aber auch die Bierhalle wieder öffnen. "Unseren Lieferservice behalten wir bei, das sind wir unseren Stammkunden schuldig", betont sie.

Corona-Lockerung – was die Besucher einer Speisegaststätte wissen sollten

Wer darf öffnen? Seit Montag, 18. Mai, dürfen Speisegaststätten unter Auflagen wieder öffnen. Kneipen, Bars oder Clubs müssen aus Gründen des Infektionsschutz zunächst weiter geschlossen bleiben.

Muss der Gast seine Kontaktdaten hinterlassen? Um Infektionsketten weiter nachvollziehen zu können, müssen die Gäste Ihren Namen, die Adresse und die Dauer des Besuches angeben. Die Daten dienen ausschließlich der Auskunftserteilung gegenüber dem Gesundheitsamt oder der Ortspolizeibehörde im Falle einer möglichen Infektion. Wer seine Daten nicht angeben möchte, darf die Speisegaststätte nicht besuchen. Die Daten müssen nach vier Wochen gelöscht werden.

Besteht eine Reservierungspflicht? Die Gaststätten-Verordnung sieht keine Reservierungspflicht vor. Falls der Betreiber allerdings von sich aus eine Reservierungspflicht will, hat er dies durch Aushang außerhalb der Gaststätte mitzuteilen. Reservierungen für Gruppen sind nur möglich, wenn es sich um Personen aus dem Kreis der Angehörigen des eigenen, sowie eines weiteren Haushalts handelt. Es kommt hier nicht auf den Verwandtschaftsgrad, sondern auf das Zusammenwohnen an.

Wie sieht's mit dem Abstand aus? Ohne Trennvorrichtung gilt der Mindestabstand von 1,5 Metern. Tische müssen mindestens 1,5 Meter Abstand haben.

Bezahlen Bargeldloses Bezahlen ist erwünscht. Am besten tischweise. Wer bar zahlt, wird gebeten, vorgesehene Vorrichtungen zu nutzen.

Warum gilt keine Mundschutzpflicht für Gäste? Durch Einhalten des Mindestabstandes sieht das Staatsministerium einen ausreichenden Schutz gewährleistet. Zudem kann während des Essens kein Mundschutz getragen werden. In Baden-Württemberg müssen jedoch Servicekräfte in der Gastronomie einen solchen Schutz tragen, da bei ihrer Tätigkeit der Abstand nicht immer sichergestellt ist. jhs

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