So neu wird Wohnen am Tannenwäldle

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Vom "Wohnen am Tannenwäldle", dem neuen innovativen Quartier an der Ziegelstraße, ist derzeit noch nicht allzu viel zu sehen. Aktuell laufen die Erdarbeiten für das "Lias-Projekt" – den Lebensmittelmarkt samt Wohnungen. Auf der gegenüberliegenden Seite der Ziegelstraße sieht man die Aufsiedelung von Schlatäcker II.
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Das Wohngebiet an der Ziegelstraße soll hinsichtlich Klimaschutz, umweltfreundliche Mobilität und Ökologie als Blaupause dienen für künftige Neubaugebiete in Aalen und in der Region.

Aalen

Einhelliges Lob und helle Begeisterung für die Arbeit der Stadtverwaltung. Solche Momente sind äußerst selten bei den Sitzungen der Aalener Ratsgremien. Zumal, wenn es um neue Baugebiete geht. Aber nicht nur darum war die jüngste Beratung des Gemeinderatsausschusses für Umwelt, Stadtentwicklung und Technik (AUST) zum Grundsatzbeschluss für "Galgenberg-Ost" gleichsam ein historisches Datum. Sondern auch, weil es die erste Online-Sitzung des Gremiums per Videoübertragung in den großen Sitzungssaal des Rathauses war.

Es soll Modellcharakter haben und unter den Aspekten Klimaschutz, umweltfreundliche Mobilität und Ökologie, als Blaupause dienen für künftige Neubaugebiete in Aalen und in der Region: das "Wohnen am Tannenwäldle". So lautet der künftige Name für das Quartier "Galgenberg-Ost" – sofern auch der Gemeinderat am kommenden Donnerstag zustimmt.

Der Anspruch von Stadtverwaltung und Gemeinderäten an innovative und zukunftsweisende Ideen für das Wohngebiet ist hoch: Das zeigt die detaillierte Sitzungsvorlage mit über 50 DIN-A4-Seiten. In den vergangenen Monaten habe man im Rathaus sehr intensiv an der Thematik gearbeitet, sagte eingangs der Baubürgermeister. Schließlich gehe es hier um beispielhafte nachhaltige Wohlfühlqualität, die auf Ökonomie, Ökologie und sozialen Grundsätzen fuße. Steidle: "Wir betreten mit dieser Planung ein Stück Neuland. Und sind der Meinung: Wir dürfen durchaus etwas wagen."

Die Planung erläuterten Sabine Rieger, Leiterin des Stadtplanungsamtes, Maya Kohte, Leiterin des Amtes für Umwelt, Grünflächen und umweltfreundliche Mobilität, Tiefbauamtsleiter Stefan Pommerenke sowie Stefan Overmann, Leiter des Stadtmessungsamtes.

Vorbildcharakter für den Klimaschutz: Die Bebauung soll im Vorausblick auf die Klimaschutzverordnungen 2050 konzipiert werden; mit Dach- und Fassadenbegrünung, mit ausreichend Grün- und Freiflächen im Quartier, mit naturnahen Gemeinschaftsgärten in den Höfen – zum Spielen und für gemeinschaftliche Aktivitäten.

Autoarmes Quartier: Das Neubaugebiet zeichnet sich durch kurze Wege zu Fuß und zu Rad aus, etwa zum Galgenbergschulzentrum, zur Waldorfschule, zur Innenstadt und zum Bahnhof. Nicht in allen Baufeldern sind gemeinsame Tiefgaragen vorgesehen. Am Eingang zum Quartier ist eine Parkpalette, inklusive Lademöglichkeiten und Carsharing-Angebot, vorgesehen. Auch Fahrräder können hier abgestellt, geladen oder geliehen werden. Die Wohnhöfe sollen nahezu autofrei sein. Die Bewohner vor allem der Reihenhäuser sollen zum Be- und Entladen vor ihre Häuser fahren können. "Aber größtenteils", so gibt Maya Kohte das Ziel vor, "fahren Autos erst gar nicht ins Quartier". Stattdessen stellt man sein Fahrzeug in der zentralen Parkpalette ab und geht dann zu Fuß zum Haus.

Verbesserter ÖPNV-Anschluss: Eine zusätzliche barrierefreie Bushaltestelle an der Ziegelstraße mit Wartehäuschen und dynamischer Fahrgastinformation ist vorgesehen. Die Haltestelle soll künftig von beiden Busunternehmen (OVA und Beck + Schubert) bedient werden. Ziel ist eine verbesserte Anbindung an die Stadt und auch aufs Härtsfeld.

Wir dürfen hier durchaus etwas wagen.

Wolfgang Steidle Erster Bürgermeister

Mindestens KfW 40: Alle Häuser sollen als klimaneutrale Gebäude im Energiestandard von mindestens KfW 40 gebaut werden. Solarnutzung auf mindestens 30 Prozent der Dachflächen, bei Mehrfamilienhäusern auf der gesamten Dachfläche.

Heizen mit erneuerbaren Energien wird für die Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser vorgeschrieben. Zudem besteht die Möglichkeit eines Anschlusses an die Fernwärme, sofern die Trasse an den jeweiligen Grundstücken vorbeiführt. "Mindestens für die Mehrfamilienhäuser, Reihenhäuser und den Verbrauchermarkt werden die Anschlüsse für die Fernwärme bereitgestellt", heißt es in der Sitzungsvorlage.

Preisgünstiger Wohnraum: Analog des Aalener Handlungsprogramms Wohnen gilt die 25-Prozent-Quote für die Mehrfamilienhäuser im Wohngebiet.

Bauplatz-Vergabekriterien sollen angepasst werden: Künftig, so Baubürgermeister Wolfgang Steidle, soll auch die Nachhaltigkeit beziehungsweise die ökologische Komponente der geplanten Bebauung bei der städtischen Bauplatzvergabe eine Rolle spielen. Dabei denkt er zum Beispiel an Zusatzpunkte bei einer ökologischen Bauweise oder an ein finanzielles Anreizsystem zur Förderung nachhaltiger Bebauung.

Smarte Ansätze: Dazu könnte etwa ein Monitoring von Parkplatzverfügbarkeiten im Quartier zählen, ein intelligentes System zur Messung der Fülle von Mülltonnen, Bodenfeuchtsensoren für Straßenbäume, eine bedarfsgerechte Beleuchtung und eine soziale Vernetzung der Bewohner über eine App, die den Gesamtservice im Quartier beinhaltet.

Das sagen die Mitglieder des Ratsausschusses

Aalen. Neben Lob gab es folgende Anregungen: Inge Birkhold (CDU) drängt auf ein angepasstes Punktesystem für Häuslebauer. Doris Klein (Grüne) verlangt nach einer Schlüsselperson, einen Kümmerer, der den Investoren Fördermöglichkeiten aufzeigt und Hilfestellung bei der Antragstellung leistet. Claus Albrecht (FW) plädiert, im Quartier auch ein Angebot mit betreutem Wohnen anzudenken. Ihm geht es auch um eine ausreichende Zahl an Parkplätzen. "Nicht dass die Bewohner dann ihre Autos in den benachbarten Wohngebieten abstellen." Heidi Matzik (SPD) regt eine ständige Begleitung der Weiterentwicklung dieses Quartiers an. Zumal es Modellcharakter für künftige Neubaugebiete habe. Norbert Rehm (FDI) meint, dass man das Thema Stellplätze für das gesamte Stadtgebiet erörtern muss, nicht nur für ein Baugebiet. Christa Klink (Die Linke) appelliert, vom Beirat von Menschen mit Behinderungen ein barrierefreies Konzept für das Quartier zu erarbeiten. Emil Pöltl (AfD) empfiehlt, darauf zu achten, dass das innovative Wohnen letztlich für die Bauherren finanzierbar bleibt. Die Empfehlung an den Gemeinderat war einstimmig.

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