So unterschiedlich schnell geht die Impfkampagne voran

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Wir haben die Daten des Sozialministeriums in eine Karte übertragen und eingefärbt: Je grüner ein Landkreis ist, desto mehr Menschen sind bereits vollständig gegen das Coronavirus immunisiert. Grafik: ca/dat
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Kirchheim ist aktuell ein Schwerpunkt des Infektionsgeschehens im Ostalbkreis. Beim Impffortschritt im Land gibt es deutliche Unterschiede.

Aalen

Wie viele Menschen im Ostalbkreis haben bereits den vollen Corona-Impfschutz? Wie viele haben mindestens eine Erstimpfung erhalten? Neue Daten des Sozialministeriums zeigen weiterhin deutliche Unterschiede zwischen den Landkreisen in Baden-Württemberg. Erstmals sind in den Zahlen nun auch die Impfungen in den Arztpraxen erfasst.

So ergibt sich ein relativ detailliertes Bild über die Impfquoten: In den Impfzentren werden die Menschen anhand ihrer Postleitzahl einem Landkreis zugeordnet, während die Impfungen in den Arztpraxen dem Landkreis zugeordnet werden, in dem die Praxis ihren Sitz hat. Das ist zwar nicht ganz exakt, aber doch hinreichend genau, um ein aktuelles Lagebild zu zeichnen.

Während beispielsweise im Kreis Emmendingen über die Hälfte aller Einwohner (51,2 Prozent) mindestens eine Erstimpfung bekommen hat, sind es im Kreis Pforzheim lediglich ein knappes Drittel (31,5 Prozent). Der Ostalbkreis liegt mit 42,3 Prozent in der vorderen Hälfte auf Rang 15 von 44 Landkreisen.

Anders sieht es beim vollen Impfschutz aus. Dort rutscht der Ostalbkreis mit einer Quote von 17,1 Prozent auf Rang 20 zurück. Doch auch hier ist die Spannbreite groß und reicht von 23,9 Prozent im Kreis Freiburg bis 11,7 Prozent – wieder im Kreis Pforzheim, der somit sowohl bei den Erst- als auch bei den Zweitimpfungen Schlusslicht ist.

Wie das Gesundheitsministerium die Zahlen interpretiert

Dr. Uwe Lahl, Amtschef im baden-württembergischen Gesundheitsministerium, interpretiert die Datenlage so: Stadt- und Landkreise mit größeren Bevölkerungsgruppen, die im Durchschnitt vergleichbar schwierigere sozioökonomische Bedingungen aufweisen, hätten oft niedrigere Impfquoten. Dagegen seien Bevölkerungszahl, Impfstoffmengen, die Frage, ob ein Zentrales Impfzentrum im Stadt- oder Landkreis liegt sowie die Entfernung zum nächsten Impfzentrum keine Indikatoren, um die Unterschiede zu belegen.

Ziel des Landesgesundheitsministeriums sei es, mit den neuen Daten die Impfstoffverteilung datenbasiert gerechter zu gestalten. „Auf Grundlage dieser Zahlen wollen wir die Impfstoff-Lieferungen in unsere Zentren nachjustieren und größere Unwuchten möglichst verhindern. Um die Impfungen weiter voranzubringen, braucht es natürlich vor allem mehr Impfstoff vom Bund“, sagt Lahl. Vor allem zum Start der Impfkampagne gab es Kritik, da die Impfdosen an die Kreise nicht gemäß der Bevölkerungsanzahl verteilt wurden.

Entsprechend ist die Zahl der Erstimpfungen im Kreisimpfzentrum Aalen von 2361 auf 2241 leicht zurückgegangen. Die Zweitimpfungen haben von 4098 auf 4398 zugenommen.

Kirchheim und die brasilianische Gamma-Mutante

Der Ostalbkreis pendelt seit Tagen um eine Sieben-Tage-Inzidenz von 57. Laut Robert Koch-Institut von Mittwoch gibt es 22 Landkreise mit einer Inzidenz über 50 und 22 Landkreise unter 50. Der Ostalbkreis liegt auf Rang 13 von 44.

Ein Schwerpunkt des Infektionsgeschehens im Ostalbkreis ist nach wie vor Kirchheim. Das Landratsamt hat beim dortigen Ausbruch der brasilianischen Mutante mit Stand 1. Juni dort 32 Fälle gezählt. „Aktuell sind 22 Personen in Quarantäne“, sagt Katharina Oswald, persönliche Referentin des Landrats. Aus der Isolation gelangen Betroffene nur nach einem abschließenden negativen Test. Die Lage dort sei im Griff. Das Landratsamt stehe mit dem Gesundheitsamt im engen Kontakt mit der Gemeindeverwaltung und dem stellvertretenden Bürgermeister, die die Quarantäne sehr engmaschig überwachten. „Von einer Ausgangssperre versprechen wir uns derzeit keinen Erfolg, da alle uns benannten und damit bekannten Kontaktpersonen sich in Quarantäne befinden und engmaschig überwacht werden“, sagt Oswald.

Weitere Fälle mit der hochansteckenden Virusvariante seien dem Landratsamt nicht bekannt. Die Infektionslage im Ostalbkreis sei außerhalb der Gemeinde Kirchheim diffus.

Auf Grundlage dieser Zahlen wollen wir die Impfstoff-Lieferungen in unsere Zentren nachjustieren und größere Unwuchten möglichst verhindern.“

Dr. Uwe Lahl, Gesundheitsministerium

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