Soforthilfe in Gmünd, nicht in Aalen

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Nur der Wochenmarkt lockt an diesem Vorfrühlingstag in die City. Restaurants, Cafés und Geschäfte bleiben weiter zu.
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Weil die staatlichen Hilfen für Gastronomie und Handel noch nicht fließen, springt die Stadt Schwäbisch Gmünd mit einer Soforthilfe für kleine Unternehmen in die Bresche. Was Aalen macht.

Aalen

Der lange Lockdown ist eine nervliche und finanzielle Zerreißprobe vor allem für Gastronomen und Einzelhändler. "Die liquiden Mittel sind bei vielen Kollegen aufgebraucht, die Gastronomie liegt schon am Boden", sagt Dehoga-Ostalb-Chef Dagobert Hämmerer. Finanzielle staatliche Hilfen seien zwar zugesagt, aber vorerst nur wenig bis gar nicht geflossen. Er lobt die Stadt Schwäbisch Gmünd: Bereits beim ersten Lockdown vor einem knappen Jahr habe die Stadtverwaltung mit Zustimmung des Gemeinderats ein Budget von 250 000 Euro in die Hand genommen, um unbürokratisch Soforthilfen an kleine Betriebe unter fünf Mitarbeiter zu verteilen. "Gmünd hilft seiner Wirtschaft" heißt das Programm, von dem jeder Betrieb mit maximal 2500 Euro profitieren kann.

Laut Auskunft des Gmünder Wirtschaftsförderers Alexander Groll sind bislang 200 000 Euro abgerufen worden, vor allem von Gastronomen und Einzelhändlern. In der zweiten Welle, so Groll, haben einige Betriebe sogar zum zweiten Mal von dieser Finanzspritze profitieren können. "Es ist ein zinsloses Darlehen. Vereinbart ist eine Rückzahlung ab 50 Euro im Monat", erläutert Groll. Das Sofortprogramm wurde bereits verlängert – bis zum 1. Juli dieses Jahres. Und in den aktuellen Haushaltsberatungen werde der Gemeinderat über eine Aufstockung des Sofortprogramm entscheiden.

"Hut ab vor den Gmündern, das ist eine tolle Sache!", lobt Hämmerer. Er habe auch schon die Stadt Aalen auf ein entsprechendes Hilfsprogramm angesprochen, aber eine Absage kassiert.

Worum es Hämmerer geht: Die Anträge für die staatlichen Überbrückungshilfen seien zwar ausgefüllt, die Zusagen da. "Aber wir Gastronomen haben bis jetzt nur Abschlagszahlungen für die Monate November/Dezember 2020 bekommen", behauptet er. Das reiche nicht arg weit. "Da könnte der eine oder andere kleinere Betrieb mit 2500 Euro städtischer Hilfe schon wieder für ein paar Wochen überleben, bis die staatlichen Gelder fließen."

Wie denkt die Aalener Stadtverwaltung über ein städtisches Soforthilfeprogramm? Diese Frage beantwortet Citymanager Reinhard Skusa: "Darüber denken wir in Aalen nicht nach." Vielmehr entwickele man gerade kreative Konzepte, um Gastronomie und Einzelhandel zu unterstützen. Ein Beispiel seien etwa die "Künstlertische". Die dadurch geschätzten Mehreinnahmen von 100 000 bis 200 000 Euro in der Aalener Gastronomie sollen dann wieder in die Innenstadt investiert werden, in mehr Blumen, Kundenwirksame Attraktionen und Veranstaltungen. "Wir wollen alles machen, damit die Innenstadt, damit Aalen wieder lebt. Damit helfen wir automatisch der Gastronomie und dem Einzelhandel – sobald sie wieder geöffnet haben dürfen."

Hut ab vor den Gmündern! Die Soforthilfe ist eine tolle Sache!

Dagobert Hämmerer Dehoga-Chef Ostalb

Für den Aalener Citymanager sind es jetzt vor allem die Händler, die in "allergrößter Not" sind. "Bis vor einer Woche gab es für sie noch gar keine Antragsformulare." Deshalb überlegten die Innenstadtakteure gerade mit Hochdruck, wie sie die Politik zu weiteren Öffnungsschritten bewegen können.

Claus Albrecht, Vorsitzender im Bund der Selbstständigen (BdS), sieht nicht die Stadt Aalen in der Pflicht, für finanzielle Soforthilfe zu sorgen, um die Ausfälle von Bund und Land zu kompensieren. "Das ist nicht praktikabel, weil die Stadt in der Krise ja ebenfalls von Einnahmeausfällen betroffen ist."

Nur der Wochenmarkt lockt an diesem Vorfrühlingstag in die City. Restaurants, Cafés und Geschäfte bleiben weiter zu.

Das Hauptproblem liegt für Albrecht in der Tatsache, dass in der zugesagten Überbrückungshilfe viele Posten unberücksichtigt bleiben. "Für die Unternehmer in eigenen Räumlichkeiten ist keine kalkulatorische Miete angesetzt. Und auch Personalkosten und Unternehmerlohn bleiben unberücksichtigt", nennt er Beispiele.

Gemeinsam mit OB Thilo Rentschler wird Albrecht deshalb am Freitag, 5. März, im Bundesfinanzministerium in Berlin vorsprechen. Vorstellen will er dort eine Modellrechnung, wie eine für alle Händler gerechte Fixkostenerstattung funktionieren könnte. Und eine zweite Modellrechnung für den Betrag, der den Wertverlust des Warenlagers kompensieren soll.

"Wichtig ist jetzt, dass wir schnell staatliche Hilfen bekommen", drängt der Citymanager. "Denn wenn die Unternehmen ihre bestellte Ware nicht mehr zahlen können, müssen sie Insolvenz anmelden. Und dann verlieren sie alles."

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