Soll der Weg für Radfahrer geöffnet werden? Die Positionen zur Schätteretrasse

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Radfahren ist auf der Schätteretrasse verboten. Viele tun es trotzdem. Ob der Weg probeweise für Radler geöffnet werden soll, entscheidet der Gemeinderat im Herbst. Archivfotos: opo; Grafik: ca
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Das sagen die Fraktionssprecherinnen und -sprecher im Aalener Gemeinderat dazu.

Aalen. Auf der ehemaligen Bahntrasse mit gleichmäßiger Steigung gelangen Radfahrer angenehm von Unterkochen hinauf aufs Härtsfeld. Das Problem: Eigentlich dürfen sie auf dem Wanderweg nicht fahren. Deswegen diskutieren die Aalener kontrovers. Manche finden, dass ein Miteinander auf dem Weg möglich ist, solange man aufeinander Rücksicht nimmt. Manche Fußgänger fürchten dagegen um ihre Sicherheit. Sorgen um Pflanzen und Tiere am Wegesrand spielen in der Diskussion ebenfalls eine Rolle.

Die Fraktionssprecherinnen und Fraktionssprecher im Aalener Gemeinderat antworten auf die Frage: Soll die Strecke für Radfahrer geöffnet werden?

Thomas Wagenblast (CDU):

Die CDU steht einer Öffnung mehrheitlich offen gegenüber, bleibt bei der Position vom März 2018. Damals haben wir einen Faktencheck für eine Öffnung der Strecke für Radler gefordert und nicht eine Schnell-Aktion. Durch die Corona-Pandemie ist die Bedeutung von Erholung mit dem Rad weiter gestiegen und damit auch von Strecken wie der Schätteretrasse. Wir plädieren für die Zukunft für ein touristisches Konzept, um eine wertvolle Radwegeverbindung vom Neckar über den Kocher bis zur Donau zu schaffen. Zuerst brauchen wir eine eindeutige Ansage zur Verkehrssicherheit, damit klar ist, dass Radler und Fußgänger sich sicher gemeinsam auf der Trasse bewegen können. Wichtig ist eine vernünftige Aussage zur Tunnel-Öffnung, damit wir wissen, woran wir sind. Wir plädieren dafür, die Fakten in den Ortschaftsräten und im Gemeinderat darzustellen und eine Lösung ab 2021 umzusetzen.

Michael Fleischer (Grüne):

Ich bevorzuge eine Schließung der wenig befahrenen Steige von Unterkochen nach Waldhausen für den Autoverkehr. Das schafft für sportliche Radler, E-Biker und Pendler eine schnelle Verbindung aufs Härtsfeld. Die Schättere bleibt Gehweg, wird aber für die anderen, zum Beispiel Familien mit Kindern und schwächere Radfahrer, behutsam freigegeben. Das wird durch entsprechende Beschilderung markiert. Es erlaubt Radlern, den Weg als Gäste – und bei Fußgängerverkehr mit Schrittgeschwindigkeit – zu benutzen. Rücksicht ist hier ebenso geboten, wie zum Beispiel in Aalen in der Hirschbachunterführung, die unübersichtlicher ist oder auf den Wegen rund um das Aalbäumle. Ich denke, unter den obigen Voraussetzungen ist auch in Unterkochen möglich, was andernorts praktiziert wird: aufeinander achtgeben. Dazu muss jetzt aber auch in der Diskussion abgerüstet und eine vernünftige Lösung gefunden werden.

Hermann Schludi (SPD):

Die SPD steht hinter der Umsetzung des Radverkehrskonzeptes in Aalen und fordert eine gute Instandhaltung der Radnetze. Uns ist es auch wichtig, die Infrastruktur für E-Bikes auszubauen. Wir fordern die Schaffung von Anreizen zur verstärkten Nutzung des Radverkehrs. Dabei müssen zugleich die Fußwege mitgedacht, ausgebaut und attraktiv gestaltet, sowie Ampeln bedarfsorientiert geschaltet werden. Die Schätteretrasse ist unbestritten ein wunderschöner Weg in landschaftlich reizvollem Gebiet. Das Teilstück vom Parkplatz der Kellersteige bis zum Viadukt bildet den sogenannten "Grüß-Gott-Weg". Uns ist es wichtig, dass Familien diesen Weg weiterhin nutzen können. Dabei ist der gegenseitige Respekt und die gegenseitige Rücksichtnahme aller, die diesen Weg nutzen, unabdingbar. Eine Öffnung der Waldhäuser Straße für Radfahrerinnen und Radfahrer an geeigneten Tagen stellt für uns eine Option dar.

Thomas Rühl (Freie Wähler):

Das Thema spaltet. Spaltet die Bevölkerung und den Gemeinderat. Auch in unserer Fraktion gibt es Mitglieder, die die Öffnung ganz oder teilweise oder mit Auflagen haben wollen oder die auf die gegenseitige zwischenmenschliche Rücksichtnahme bauen. Was Letzteres angeht: Dann könnte man es beim Status quo belassen. Die Radler wussten bislang, dass sie eigentlich Verbotenes tun und übten sich in Zurückhaltung. Ich persönlich bin gegen die Öffnung der Schätteretrasse, zumal es alternative Strecken gibt. Diese gehören allerdings so hergerichtet, dass sie auch angenommen werden. Anders sähe es aus, wenn es um einen reinen Fernradweg auf der Trasse bis Dillingen ginge. Dazu müsste allerdings der Tunnel geöffnet werden. Der befindet sich aber im Landeseigentum und die Signale, die von dort und vom baden-württembergischen Naturschutz kommen, stehen auf dunkelrot.

Ilse Schmelzle (FDI):

Klares Ja zur Schätteretrasse für Radfahrer! Die Strecke ist nicht so eng, wie uns die "BI gegen Freigabe der Schätteretrasse für Radfahrer" glauben machen will. Auch die Polizei ist für die Öffnung und sieht keine Probleme. Sie sieht dafür heftige Probleme, die Waldhäuser Steige – hinauf und hinunter – für Radfahrer zu empfehlen, da dies zu gefährlich sei. Wir sind auch für die Öffnung des Tunnels, um dann eine Zwischendecke für die Fledermäuse einzuziehen. So kann man mit erträglicher Steigung aufs Härtsfeld fahren, wie dieses auf vielen alten Bahntrassen mit Tunnel möglich ist. Wenn man so durchgehend mit dem Fahrrad nach Unterkochen oder direkt aufs Härtsfeld fahren kann, verringert sich vielleicht auch der Verkehr auf der Ebnater Steige. Unser bisheriger Vorsitzender Prof. Dr. Friedrich Klein war dabei anderer Meinung und Norbert Rehm ist meines Wissens unentschieden.

Dr. Frank Gläser (AfD):

Es geht um einen familientauglichen und möglichst ganzjährig befahrbaren Radweg von Unterkochen nach Ebnat und Waldhausen, ohne den die Verbesserung des Albaufstieges für den motorisierten Verkehr – auf welchem Weg auch immer – in Stuttgart nicht als förderfähig angesehen wird. Dabei sind alle Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Die Schätteretrasse müsste dafür ertüchtigt und über den Tunnel hinaus weitergeführt werden. Es ist deshalb zunächst zu prüfen, was das kostet und ob es machbare und bezahlbare Alternativen beziehungsweise ganz andere Lösungen für dieses Problem gibt. Völlig klar ist, dass nichts damit erreicht ist, den bisherigen Fußweg per Umbeschilderung für Radfahrer freizugeben.

Christa Klink (Linke):

  

Ein Klares Nein zum Radweg. Die Trasse ist ein wertvoller Wanderweg für Fußgänger, mit Kindern, Joggern, Menschen mit eingeschränkter Mobilität und Hundefreunden, stressfrei und sicher. Für Radverkehr, zunehmend motorisiert, ist der Weg zu schmal. Praxis ist: Radfahrer steigen nicht ab, Fußgänger weichen zur Sicherheit aus und warten. Der Weg liegt in einem Flora-Fauna-Schutzgebiet. Radverkehr bedroht wertvolle und schützenswerte Pflanzen am Wegrand, ebenso seltene Tierarten wie Vögel, Fledermäuse, Salamander. Eine Wegverbreiterung ist im Schutzgebiet verboten, ebenso die geplante touristische Infrastruktur für die Fernradroute. Die Tunnelöffnung mit einer Million Euro wäre Geldverschwendung. Die Stadt hat Alternativwege präsentiert und muss diese radtauglich machen. Die Linke fordert, eine Radmitnahme im Bus zwischen Kochertal und Härtsfeld, kostenlos, mit bis zu zehn Rädern pro Bus.  

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