Solzbach: Das Niveau einer Universitätsklinik erreichen

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Erstmals überhaupt wird im Aalener Gemeinderat öffentlich über das Zukunftskonzept der Kliniken Ostalb diskutiert. OB Brütting spricht sich deutlich für Erhalt des Ostalb-Klinikums aus.

Aalen

Die Debatte um die künftige Klinikstruktur ist jetzt zum ersten Mal öffentlich dort geführt worden, wo sie geführt werden muss: in den kommunalen Parlamenten. Im Aalener Gemeinderat erläuterte der Vorstandsvorsitzende der Kliniken Ostalb, Professor Dr. Ulrich Solzbach, warum es ein Zukunftskonzept für die Kliniken im Ostalbkreis braucht - ohne sich für einen Klinikstandort konkret auszusprechen. Aus dem Gemeinderat kamen Stellungnahmen, die alle getragen waren von der Einsicht, dass es ein „Weiter so“ nicht geben dürfe - aber auch mit mehr oder weniger deutlichen Stellungnahmen für den Erhalt des Ostalbklinikums in Aalen - am deutlichsten vielleicht von Oberbürgermeister Frederick Brütting. Der Reihe nach.

Der Klinikchef: Solzbach erläuterte die Notwendigkeit aufgrund einer Ausgangslage, die sich noch verschärfen werde. Er nannte den Fachkräftemangel bei Ärzten, Hebammen und immer mehr auch in der Pflege, nannte von der Politik vorgegebene Anforderungen, etwa in Bezug auf Mindestmengen von Operationen, die ausgeführt werden müssen. Und er sagte auch, dass das schon sinnvoll sei, was der Gesetzgeber verlange: die Verzahnung der medizinischen Disziplinen an einem Ort. Derzeit litten die Mitarbeiter, die überlastet und unzufrieden seien, es leide das Patientenwohl und die Zukunftsfähigkeit der Kliniken insgesamt. Eine konkrete Auswirkung etwa sei, dass von den an den drei Klinikstandorten aufgestellten im Schnitt 140 Betten gesperrt seien - schlicht, weil das Personal dafür fehle. Solzbach nannte die Ursachen dafür: Vorgaben der Politik, den überhitzten Arbeitsmarkt - und auch die demografische Entwicklung einer immer älter werdenden Gesellschaft, die sich auch in der Belegschaft spiegle. Man habe in den vergangenen Jahren nicht nichts getan. Die Fusion der drei Kliniken etwa sei eine Maßnahme gewesen, das Medizinkonzept 2025 auch. Aber das sei nicht genug gewesen - zumal weitere Gesetze verschärft worden seien. Mit dem Zukunftskonzept wolle man das Patientenwohl „sichern und stärken“, das Wohl der Mitarbeiter im Auge behalten und sichern, dass die Kliniken in öffentlicher Trägerschaft bleiben. Solzbach sieht in dem Prozess die Chance, „um besser zu werden“ und nicht stehenzubleiben. „Wir haben das Zeug, das Niveau einer Universitätsklinik zu erreichen“, so der Professor, der von der „Chance“ sprach, von drei Kliniken „in die Zweihäusigkeit kommen zu können“. In einem Papier, über das die SchwäPo bereits berichtet hat, ist skizziert worden, wie das aussehen könnte: mit einem Neubau auf der grünen Wiese zwischen Aalen und Schwäbisch Gmünd. Das Ellwanger Krankenhaus sollte nach diesem Vorschlag erhalten werden. So konkret wurde Solzbach vor den Aalener Gemeinderätinnen und - räten nicht, sagte aber auch: „Wir dürfen nicht 'klein-klein' denken, wir müssen uns trauen.“

Der Oberbürgermeister: OB Brütting nahm den Ball auf: „Wir sind die größte Stadt in der Region, hier leben die meisten Menschen“, auch sei Aalen der zentralste Ort. „Aalen drängt sich auf, wenn Sie investieren möchten.“ Ein Argument für Aalen sei für ihn auch die Hochschule mit mittlerweile sechs auf das Thema Gesundheit ausgerichteten Studiengängen. Brütting erwähnte zudem, dass man bei der Entscheidung berücksichtigen müsse, wie viele Ressourcen man schon in bestehende Standorte investiert habe. Mit Blick auf Ellwangen sagte Brütting, er fürchte, dort werde „eine leere Hülle“ geschaffen. Dass die Notfallversorgung von dort aus für den östlichen Raum gelingen könne: „Ich glaube nicht, dass das funktioniert“, sagte Brütting. Zudem müssten, wenn man einen Neubau plane, über lange Zeit zwei Strukturen parallel finanziert werden - für den Neubau und die bestehenden Häuser. Brüttings Sorge: „Wir werden in den nächsten Jahren in der medizinischen Versorgung im Ostalbkreis schlechter werden.“ Sein Rat an den Kreistag: Erst definieren, „was wir inhaltlich wollen und dann über Standorte sprechen“. Dass er sich für das Aalener Klinikum einsetze, sei im Übrigen kein Kirchturmdenken, sondern seine Pflicht.

Die Fraktionen - Michael Fleischer (Bündnis 90/Grüne) verlangte einen öffentlichen, moderierten Prozess, „der diesen Namen verdient“ und sieht es als „völlig abwegig“ an, dass, wie von der Landkreisverwaltung bislang vorgeschlagen, Ende Juli bereits eine Vorentscheidung getroffen werden könne. Sein Fraktionskollege Thomas Battran, ein Mediziner, sprach sich gegen einen Klinikneubau auf der grünen Wiese aus - und riet dazu, den im Jahr 2017 begonnenen Fusionsprozess zu Ende zu führen. Denn je größer eine Klinik, desto unzufriedener seien die Patienten.

Armin Abele (CDU) riet dazu, „das Pferd nicht von hinten“ aufzuzäumen. Aktuelle Probleme in der medizinischen Versorgung löse man nicht mit einem Klinikum, „das erst in zehn Jahren gebaut ist“. Zunächst müsse überlegt werden, welches Angebot man haben wolle, wo man optimieren könne und an Doppelstrukturen ran. Investieren müsse man aber zeitnah und „nicht erst in zehn Jahren“.

Hermann Schludi (SPD) kritisierte die bisherige Vorgehensweise deutlich, in „Hinterzimmern“ Dinge besprochen zu haben. Auch Schludi verlangte, vor der Festlegung auf einen Ort müsse diskutiert werden, was der Ostalbkreis braucht. Ein neues Zentralklinikum, so Schludis Befürchtung ändere wohl nichts am Fachkräftemangel und auch nicht an den Fallzahlen.

Thomas Rühl (Freie Wähler) erklärte, es sei noch sehr vieles im Unklaren, weswegen eine Beschlussfassung Ende Juli „nicht zu halten“ sei.

Dr. Frank Gläser (AfD) lobte seinen ehemaligen Chefarztkollegen Solzbach, der das Thema angehe. Angesichts des politischen Minenfeldes sei dies mutig. „Er hätte es einfacher im Leben, wenn er das nicht gemacht hätte“, sagte Gläser mit Blick auf das unter Solzbach entwickelte Zukunftskonzept. Gläser sieht den Handlungsbedarf wegen des Personals und auch aus medizinischen Gründen. Ein zentrales Klinikum sei der richtige Weg und dieses sollte nicht zu weit weg von Aalen stehen, egal, ob man ein Neues baue oder an das Bestehende anbaut.

Inge Birkhold erklärte, es falle ihr schwer, eine Lösung zu wählen, deren Mehrwert man erst in zehn Jahren erfahre. Roland Hamm (Linke) sagte, es könne nicht darum gehen, eine Klinik zu schließen, sondern um ein Konzept. So werde dies eine andere Debatte, als wenn über Standorte diskutiert werde. Er sei aber Verfechter eines Zentralklinikums. Hamm hielte es für „fatal, das nicht zu prüfen“. Arian Kriesch (FDP) brachte als zusätzliches Argument noch, dass das Klinikum für Aalen ein wichtiger Standortfaktor sei. Und Norbert Rehm (FDI) sagte, wichtig sei jetzt Transparenz. Zu überlegen sei aber auch, wenn das Gmünder Stauferklinikum in Mutlangen sei - ob ein Aalener Klinikum denn unbedingt im Kälblesrain sein müsse.

Solzbach sagte am Ende, er freue sich über die Diskussion, die jetzt starte - und besonders freue es ihn, dass eigentlich alle im Aalener Gemeinderat die Notwendigkeit erkannt hätten, dass etwas getan werden müsse. Im Bezug auf die von vielen bislang vermisste Transparenz gelobte er Besserung. So wolle er sich dafür einsetzen, dass das Gutachten, dass der Landkreis in Auftrag gegeben habe zum Thema Kliniken dem Rat zugänglich gemacht wird.

Die Grünen sind mit ihrem Antrag gescheitert, dass die Stadt Aalen ein eigenes Gutachten einholen soll zur Neukonzeption der Kliniken im Ostalbkreis.

Aalen drängt sich auf, wenn Sie investieren möchten.“

Frederick Brütting, Oberbürgermeister

Schwäbisch Gmünder und Mutlanger Gemeinderäte tagen in gemeinsamer Sitzung zum Thema Kliniken

Schwäbisch Gmünd/Mutlangen. Die Gemeinderäte von Schwäbisch Gmünd und von Mutlangen werden am Mittwoch, 29. Juni, gemeinsam in Schwäbisch Gmünd tagen. Das sagte der Gmünder Oberbürgermeister Richard Arnold am Mittwoch im Gemeinderat dort. Thema ist die Diskussion im Landkreis über die Veränderung der Klinikstruktur - und damit auch die Zukunft der Stauferklinik, die auf Mutlanger Gemarkung liegt. Für Ende Juli sind erste Vorentscheidungen in Sachen Kliniken geplant im Kreistag geplant. An diesem Freitag will Landrat Bläse weitere Details bekannt geben.

Ostalb-Klinik
Das Ostalb-Klinikum in Aalen gehört zu den Kliniken in Deutschland, die es ins Ranking der besten Kliniken geschafft haben. Archivfoto: opo
Im Juli soll über die Zukunft der Kliniken im Ostalbkreis entschieden werden.
Zukunft der Kliniken
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