Sorgt Corona für Heiratsfrust?

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Kontaktbeschränkungen, Abstands- und Hygieneregeln machen es vielen Heiratswilligen nicht einfach. So verlief die Hochzeitssaison 2020 in Aalen.

Aalen

Heiraten 2020, eine Zitterpartie. Weltweit bestimmt das Coronavirus den Alltag. Vor allem für Heiratswillige, die sich in der Pandemie das Ja-Wort geben wollen, ist die Situation schwer. Dennoch haben im Corona-Jahr 2020 Paare aus dem Ostalbkreis geheiratet. Wir haben im Standesamt in Aalen und bei den Pfarrern nachgefragt, ob die Corona-Krise die Lust am Heiraten gebremst hat.

Das Ja-Wort im Standesamt

306 Paare haben sich im vergangenen Jahr in Aalen, Waldhausen und Ebnat getraut, sagt Stadtsprecher Sascha Kurz. "Das waren ein paar weniger als in den Jahren zuvor", sagt er. Im Corona-Jahr wurde standesamtlich im Vergleich zum Vorjahr in etwa zehn Prozent weniger geheiratet. "Blickt man aber auf das Jahr 2018 sieht man, dass es in den Jahren tatsächlich immer wieder Schwankungen gibt. Eine zehnprozentige Schwankung ist also ganz normal", so Kurz. Durchschnittlich betrage die Zahl der standesamtlichen Trauungen 320 bis 340 pro Jahr. Kurz meint, dass die Corona-Krise die Lust am Heiraten vermutlich etwas getrübt habe. Dennoch: "Diejenigen, die 2020 standesamtlich heiraten wollten, haben das auch getan. Eher die kirchlichen Trauungen und die damit zusammenhängende große Feier wurden vermutlich verschoben", meint Kurz.

Wenige kirchliche Trauungen

Das bestätigt auch der leitende Pfarrer der katholischen Gesamtkirchengemeinde Aalen, Wolfgang Sedlmeier. "In diesem Jahr haben wir rund 50 Prozent weniger Trauungen gehabt als im Jahr 2019", so der Pfarrer. Insgesamt fanden sieben Hochzeiten statt – im kleinen Rahmen und mit wenigen Hochzeitsgästen. Viele Hochzeiten seien auch in dieses Jahr verschoben worden. "Manche Brautpaare warten aber nun ab und haben sich auf keinen neuen Termin festgelegt", sagt er.

Diejenigen, die 2020 heiraten wollten, haben das auch getan.

Sascha Kurz Stadtsprecher Aalen

Frust bei den Brautpaaren

Auch der evangelische Stadtpfarrer Bernhard Richter blickt auf ein hochzeitsarmes Jahr zurück. "Nur drei Trauungen habe ich im vergangenen Jahr gehalten", sagt er. 2019 waren es in Aalen noch insgesamt 16 Hochzeiten. "Vor allem im Mai wurden viele Hochzeiten abgesagt oder verschoben. Ich bin gespannt, ob die überhaupt stattfinden dürfen", sagt Richter. Viele Paare hoffen darauf, ihre Hochzeit 2021 auch nach der kirchlichen Trauung in einem größeren Rahmen zu feiern. "Ich denke, dass jetzt langsam auch Frust bei den Heiratswilligen aufkommt, wenn die verschobenen Termine vom letzten Jahr auch nicht stattfinden können", sagt er. Für nächstes Jahr habe er noch keine Termine in seinem Kalender eingetragen.

Der Tiefe Stollen war im Corona-Jahr 2020 für Heiratswillige ein beliebter Ort. Betriebsleiter Fritz Rosenstock kann das bestätigen. "Acht Trauungen habe ich im vergangenen Jahr vollzogen." Die einmalige Räumlichkeit sei der Grund der hohen Nachfrage trotz der Krise, sagt Rosenstock. Auch die hohe erlaubte Teilnehmerzahl sei ein Grund für viele Paare, sich im Besucherbergwerk das Ja-Wort zu geben. "Nach den Hygienemaßnahmen konnten wir im Tiefen Stollen mit bis zu 30 Teilnehmern feiern", sagt er. Vor Corona wurden Hochzeiten mit bis zu 120 Gästen gefeiert. Seit dem verschärften Lockdown am 16. Dezember ist es allerdings nicht mehr möglich, im Tiefen Stollen zu heiraten.

Sonja Germani vom Service-Team Schloss Fachsenfeld hatte trotz Corona viel zu tun, 40 Paare haben sich dort 2020 getraut. Für dieses Jahr gibt es bereits 30 Anmeldungen. "Durchschnittlich trauen wir 60 Paare im Jahr", sagt sie. Sie geht davon aus, dass die geringe Teilnehmerzahl ein Ausschlusskriterium für viele Paare war. "In den größten Räumlichkeiten auf dem Schloss Fachsenfeld konnten 26 Personen an der Eheschließung teilnehmen, vielen war das zu wenig", sagt sie.

Was aktuell erlaubt ist: Derzeit sind bei einer Hochzeit fünf Personen inklusive Standesbeamten erlaubt.

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