Spendensammler: „Misstrauen ratsam“

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Was man wissen sollte, bevor man ein Spenden-Abo unterschreibt.

Aalen. Aalener Geschäftsleute und das Citymanagement ärgern sich über Mitarbeiter von Fundraising-Agenturen, die mitten in der Fußgängerzone aktiv auf Kunden zugehen, sich ihnen teilweise in den Weg stellen, um ihnen Spenden-Abos einer gemeinnützigen Hilfsorganisation zu verkaufen. Am vergangenen Dienstag waren das fünf junge Menschen, die im Auftrag der kommerziellen Spendensammelfirma „DialogDirect“ für „Ärzte der Welt“ unterwegs waren.

Was sollte man wissen, bevor man vor Ort so ein jährliches Spenden-Abo in Höhe von bis zu einigen hundert Euro unterschreibt? Die SchwäPo hat sich bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg erkundigt.

Ist hier Misstrauen angesagt?

Verbraucherzentrale: Bei Ansprachen auf der Straße (oder an der Haustüre oder am Telefon) ist eine Portion Misstrauen ratsam. Wir erleben regelmäßig, dass Verbraucherinnen und Verbrauchern in solchen Situationen kostenpflichtige Verträge untergeschoben werden.

Wonach sollte man auf jeden Fall immer fragen?

Wenn es um eine Spende geht, sollten so viele Informationen wie möglich eingeholt werden. Am besten nicht sofort entscheiden, sondern erst zu Hause in Ruhe überlegen.

Was könnte passieren, wenn ich mich darauf einlasse und vor Ort meine Anschrift samt Unterschrift abgebe?

Wenn es sich um unseriöse Anbieter handelt, besteht die Gefahr, dass Unterschrift und/oder Adresse missbraucht werden, um Verträge unterzuschieben oder Werbung zu versenden.

Komme ich nach den ersten Wochen der Vertragsunterzeichnung wirklich so leicht wieder aus dem Vertrag heraus, wie man mir weismachen will?

Wenn es sich um einen Vertrag handelt, gilt ein 14-tägiges Widerrufsrecht für Verträge, die außerhalb von Geschäftsräumen abgeschlossen werden, also auch in diesem Fall. Bei einer Mitgliedschaft gilt das nicht. Es müsste dann, also wenn bereits unterschrieben wurde, im Einzelfall geprüft werden, ob es ein Vertrag oder eine Mitgliedschaft ist und wie die Kündigungsmodalitäten geregelt sind. Daher am besten: Nicht aus der Ruhe bringen lassen, nichts unterschreiben, zu Hause in Ruhe überlegen und Informationen einholen.

Wegweiser durch den Spendendschungel : Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) vergibt an förderungswürdige Organisationen ein Spenden-Siegel. Derzeit dürfen sich laut Verbraucherzentrale damit rund 230 überwiegend soziale Organisationen schmücken. Allerdings: Geprüft werden nur Hilfswerke, die seit mindestens zwei Jahren tätig sind und mehr als 25 000 Euro Gesamteinnahmen pro Jahr haben und sich außerdem selbst beim DZI für eine Prüfung melden und die Kosten hierfür zahlen.

Weitere Infos auf der Internetseite der Verbraucherzentrale unter dem Link: https://www.vz-bw.de/node/10658

Der konkrete Anlass: Um Spenden-Abos für „Ärzte der Welt“ zu verkaufen, waren am Dienstag fünf junge Menschen in der Aalener Innenstadt unterwegs. Sie haben Passanten angesprochen, um sie dazu zu bewegen, vor Ort ein Spenden-Abo zu unterschreiben. Ihr Auftraggeber war die Fundraising-Agentur DialogDirect. Wie aus dem Internet-Auftritt des Unternehmens hervorgeht, hat es sich auf die Generierung von Dauerspendern mit Bankeinzug an frequenten öffentlichen Plätzen spezialisiert. Derzeit wird für Amnesty International, die UNO-Flüchtlingshilfe, den WWF, Ärzte der Welt, World Vision und Care gesammelt. DialogDirect bewirbt unter anderem einen reisenden Dialoger-Job für Studenten mit einem Mindestverdienst von 1920 Euro in den ersten vier Wochen und Prämien.

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