Stadtwald: Raus mit dem Käferholz!

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Frieder Weinbrenner
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Was es mit den groß angelegten Holzfällarbeiten im bei Spaziergängern beliebten Spitalwald auf sich hat. Und was gerade auch im Rohrwang und im Langert passiert.

Aalen

Eingeschlagenes Nadelholz am Wegesrand: Vor allem Fichten werden derzeit im Spitalwald, unterhalb des Sandbergs beim "Mädle" mit Rückemaschinen aus dem Wald gezogen. Auf diese "groß angelegten Waldarbeiten" im städtischen Forst weist uns SchwäPo-Leser Christian Schlotter hin. Er fragt sich, was es mit dem Holzeinschlag in diesem bei Spaziergängern beliebten Gebiet auf sich hat.

Eine Nachfrage beim städtischen Presseamt ergibt: Es handelt sich nicht um einen isolierten Eingriff, sondern um eine Maßnahme, wie sie derzeit überall in den Wäldern Europas zu beobachten ist: Um weitere Schäden des Borkenkäfers "Buchdrucker" vom Wald abzuwenden. Der etwa fünf Millimeter große, dunkelbraun gefärbte Käfer besiedelt fast ausschließlich Fichten, erläutert Revierförster Frieder Weinbrenner. Die Trockenheit der vergangenen zwei bis drei Jahre in Zusammenhang mit dem Klimawandel habe dem Wald sehr zugesetzt. Auch hier bei uns in Süddeutschland, in Aalen. "Dabei sind wir hier noch auf einem guten Niveau. In Nord- und Mitteldeutschland sprechen Experten von einer Katastrophe."

Etwa ein Viertel des Stadtwaldes, zu dem auch der Langert und der Rohrwang zählen, besteht aus Nadelbäumen. Was tröstlich ist. "Denn bei einem Anteil von 75 Prozent Laubholz kann der Borkenkäfer, der nur an Fichten geht, nicht ganz so ungehemmt wüten", erzählt der Förster. Trotzdem habe man im vergangenen Jahr "für unsere Verhältnisse viel" vom Borkenkäfer befallenes Holz schlagen müssen.

Der Holzeinschlag stößt uns auch sauer auf. Aber er muss sein.

Frieder Weinbrenner Revierförster

"Der Holzeinschlag stößt uns auch sauer auf. Aber er muss sein", weiß Weinbrenner. Denn der Fortschädling vermehre sich rasant. Ein Borkenkäferpaar produziere innerhalb von acht Wochen gut 40 bis 60 Nachkommen. Deshalb, so Weinbrenner, müssen befallene Nadelbäume rasch aus dem Wald geholt werden. In Zahlen: Im Spitalwald sind rund 250 Festmeter Schadholz gefällt worden, und auch im Langert wurde in den vergangenen vier Wochen 250 Festmeter befallenes Fichtenholz eingeschlagen. Seit Ende vergangener Woche wird nun auch im Rohrwang Käferholz gemacht. 50 bis 60 Festmeter werden dort anfallen, schätzt der Revierförster. Der der Stadt Aalen außerordentlich dankbar ist für das städtische Aufforstungsprogramm, das für das aktuelle Haushaltsjahr mit einer Summe in Höhe von 200 000 Euro fortgeschrieben wurde. Rund 2,5 Hektar im gesamten Stadtwald, schätzt Weinbrenner, wird er bis Weihnachten neu aufforsten mit jeweils standortgerechten Baumarten. Weil seiner Aussage nach die Fichten im Spitalwald auf falschem Standort angesiedelt sind, wird er hier den Wald schwerpunktmäßig mit Laubholz verjüngen. Schon im Herbst will er junge Eichen setzen.

Und was passiert mit dem schadhaften Holz? Laut Weinbrenner wird es zur Firma Ladenburger transportiert. "Daraus entstehen dann Bretter und Balken." Da sich der Holzpreis für Käferholz in den vergangenen eineinhalb Jahren von 70 auf 20 Euro pro Festmeter reduziert habe, könne man heute mit Schadholz keine Erlöse mehr erzielen. "Wenn man den Aufwand der Holzernte abzieht, bleibt nichts mehr übrig."

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