Stationsleiter auf der Intensiv: Vom Umgang mit Covid-19

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Thomas Racsits ist seit acht Jahren der Leiter der Aalener Intensivstation. 52 Corona-Patientinnen und -Patienten wurden dort seit Beginn der Pandemie behandelt. In Zeiten, in denen es besonders eng war, begleitete er auch diese als Pfleger.
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Wie sich die Arbeit von Thomas Racsits am Ostalbklinikum während der Pandemie verändert hat.

Aalen

Im Moment ist nicht so viel los", sagt Thomas Racsits. Der 60-Jährige steht im Gang vor seinem Büro im Ostalbklinikum. Neonleuchten an der Decke, der lange Flur leer. Nur zwei frische, mit Folie abgedeckte Klinikbetten stehen an der Wand und warten auf Patienten. Es werden Fälle sein, die besondere Pflege brauchen. Thomas Racsits ist Leiter der Station 25 – der Intensivstation.

"Nicht so viel los" ist hier relativ. Noch am Nachmittag wird die Station, die an diesem Tag keinen Covid-Patienten hat, einen solchen aus Crailsheim aufnehmen. "Dort ist die Inzidenz im Moment viel höher", erklärt Racsits dazu. Nur einen Tag später wird bereits ein weiterer dazu kommen. "Wir rechnen damit, dass die Virulenz auch hier wieder zunimmt", sagt Racsits. Er ist Realist. Und Optimist: "Wir hoffen, dass die Fälle dann nicht mehr so schwer sind, wie in den ersten beiden Phasen."

Seit acht Jahren ist Thomas Racsits Leiter der Intensivstation. Seit 40 Jahren arbeitet er in der Pflege. Eigentlich fast ununterbrochen auf Intensiv. Noroviren, H1N1, auch unter dem Namen "Schweinegrippe" bekannt, multiresistente Keime – Racsits kennt all das.

"Corona war für mich nicht das Problem. Mir geht es darum, dass die Patienten adäquat versorgt werden." Und dafür brauche es generell genug Personal. Das mache ihm auch für die Zukunft die größte Sorge. Mit einer Pandemie habe er allerdings nicht gerechnet. "Aber ich habe keine Ängste, wenn etwas Neues kommt. Ich finde das auch interessant", sagt Racsits. Die Neugier, die dürfe man in seinem Beruf nicht aufgeben. Ebenso wenig die Gelassenheit.

Ich habe keine Ängste, wenn etwas Neues kommt.

Thomas Racsits Stationsleiter Intensiv Aalen

Gelassenheit auch angesichts eines Stapels an Verordnungen zur Pandemie, die Racsits auf seinem Schreibtisch liegen hat. Als Stationsleiter muss er diese in die Praxis umsetzen. Fast täglich kommt Neues dazu, geht Racsits halber Arbeitstag nur dafür drauf. Die Zusammenarbeit innerhalb der Klinik sei auch deswegen intensiver und zeitaufwendiger geworden, sagt er. Zudem werde jeden Tag die Belegung auf der Station nach der Visite neu bewertet. Ist nicht genug Personal für jeden Patienten da, wird in Absprache auch an der Kapazität für aufschiebbare Operationen gefeilt. "Wenn wir nur zu fünft sind und deshalb Betten reduzieren müssen, machen wir das auch", sagt Racsits. Wenn man das klar erkläre, gebe es bei den Betroffenen auch Verständnis.

54 Covid-Patienten wurden seit Beginn der Pandemie auf Station 25 behandelt. 19 davon sind gestorben, wie Racsits erzählt. In Zeiten, in denen es besonders eng war, ist er, sonst als Stationsleiter freigestellt, mit in die Pflege eingestiegen. Hat eine Patientin begleitet, die an ihre Genesung glaubte und ihren Kampf nach vier Wochen doch verlor. "Das war der Horror. Sie dachte, sie schafft das", sagt Racsits. Hinzu kam, dass es Tage gab, an denen die Schutzkleidung knapp war. "Da musste ich dann schon überlegen, wie machen wir das jetzt."

Gespräche und viel Schlaf

Neue Wege gehen, um mit der Pandemie umzugehen – für sich selbst musste Thomas Racsits das nicht. Er tut das, was er immer tut. Mit seiner Frau, die ebenso wie die Töchter auch in der Pflege ist, "sehr viel darüber reden". Nachrichten schauen, Informationen aufnehmen, die für seinen Beruf wichtig sind. Andere auch mal ausblenden. Er gehe viel an die frische Luft und schlafe viel – wie immer, sagt Racsits "Die Zeit ist, wie sie ist." Er habe einen schönen Beruf, bei dem man viel bewegen könne: "Wenn die Patienten das Gefühl haben, gut versorgt zu sein, dann hat man selbst das Gefühl, nicht alles falsch gemacht zu haben."

Lebensbedrohliche Verletzungen und Erkrankungen

Im interdisziplinären Zentrum für Intensivmedizin am Ostalbklinikum werden Patienten mit lebensbedrohlichen Verletzungen und Erkrankungen behandelt. Der 60-jährige Thomas Racsits ist seit acht Jahren der Stationsleiter der Intensivstation.

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