Steg: für den OB der einzige Weg

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Architekt Werner Sobek, der diesen Fußgängersteg zwischen dem Bahnhofsplatz und dem Stadtoval entworfen hat, wird am Donnerstag die Räte auf einem Rundgang übers Stadtoval begleiten.
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Thilo Rentschler macht deutlich, vor welcher Wahl der Gemeinderat steht. Und was eine Entscheidung gegen den Steg bedeuten würde.

Aalen

Am Donnerstag werden die Stadträte nur eine Empfehlung aussprechen, entscheiden wird am 20. Mai der Gemeinderat: Will und kann sich die Stadt einen Fußgängersteg vom Stadtoval über die Bahngleise leisten, dessen Kosten von 8,7 Millionen Euro um 2,2 Millionen Euro über der ursprünglichen Schätzung liegen?

Vor welcher Wahl die Räte stehen: Zwei Tage vor der Ausschusssitzung macht OB Thilo Rentschler in einem Pressegespräch deutlich, um was es jetzt geht: „Die Gemeinderäte haben die Wahl: Stimmen sie gegen den Bau des Stegs, müssen trotzdem 2,5 Millionen Planungskosten finanziert werden, die über die Jahre aufgelaufen sind. Und zwar ohne dass es einen Gegenwert dafür gibt.“ Die Alternative sei, etwa vier Millionen Euro (der Eigenanteil der Stadt am Steg, Anm. d. Red.) in die Hand zu nehmen, um eine „hervorragende Infrastruktur“ für Fußgänger, Bewohner und Gäste des Stadtovals zu erhalten.

Die Ratsfraktionen schwanken zwischen Zustimmung und Ablehnung.

Wir haben um Fördergelder gekämpft wie die Löwen.“

Thilo Rentschler, Oberbürgermeister

Die Mehrkosten: Die tatsächlichen Mehrkosten gegenüber der ursprünglichen Kostenschätzung liegen brutto bei 2,2 Millionen Euro. „Abzüglich der Förderung beträgt der Anteil der Stadt rund 800 000 Euro“, rechnet Rentschler vor.

Die Bedeutung des Stegs: Rentschler verweist auf die künftig noch größer werdende Bedeutung des Fußgängerstegs über die Bahngleise zur Bahnhofstraße hin. Der Steg helfe, neue Quartiere auf kurzen Wegen fußläufig zu vernetzen. Der OB nennt geplante größere Wohnbauinvestitionen etwa auf dem Areal der Paketpost, links und rechts von der Eisenstraße und weiter Richtung Wasseralfingen. Mit dem Steg inklusive der beiden Aufzüge sei das Stadtoval mit seinen und 250 Wohneinheiten, mit Kulturbahnhof, Kindergarten, Hotel ... künftig barrierefrei zu erreichen.

„Nur“ vier Millionen Eigenanteil: „Wir haben in Stuttgart um Fördergelder gekämpft wie die Löwen“, sagt der OB. Im September habe das Wirtschaftsministerium signalisiert, dass die Finanzierung des Stegs als Bestandteil des Sanierungsgebiets Stadtoval komplett förderfähig sei. Heißt: 60 Prozent der förderfähigen Kosten werden gefördert. „Bereits jetzt haben wir eine Zusage über 7,1 Millionen Euro Fördermittel für das Stadtoval“, sagt Rentschler. Davon seien bereits 4,3 Millionen Euro an die Stadt ausbezahlt, weitere Fördermittel würden nach und nach zur Auszahlung beantragt. Im Umkehrschluss heiße das: Die Stadt müsse 13 Millionen Euro Kosten produzieren, um an die volle Fördersumme von 7,1 Millionen Euro zu kommen. Rentschler: „Wenn wir den Steg nicht bauen, wäre das ein Schildbürgerstreich. Dann müssten wir die bereits erhaltenen Fördergelder wieder zurücküberweisen ans Ministerium nach Stuttgart.“

Haltung des Gemeinderats bisher: OB Thilo Rentschler erinnert an den bereits „demokratisch gefassten mehrheitlichen“ Grundsatzbeschluss für das Bauwerk. In der Vergangenheit habe der Gemeinderat 80 Prozent Zustimmung signalisiert – „zuletzt waren es 70 Prozent“. Die Gegner, so Rentschler, seien immer dieselben mit zum Teil fehlgeleiteten Argumenten.

Die Erwartung der Investoren auf dem Stadtoval: Laut Baubürgermeister Wolfgang Steidle gibt es auf dem Stadtoval inzwischen rund 400 Erstwohnsitze. „Dahinter stehen Menschen, die in den Prospekten der Investoren gelesen haben, dass durch einen Fußgängersteg über die Bahngleise künftig die kurze und direkte Anbindung an Bahn, Bus und Innenstadt gewährleistet ist.“ Alle Investoren, so Steidle, haben bei den Grunderwerbsgesprächen stets betont, wie wichtig ein Fußgängersteg für die Anbindung des Quartiers an die Innenstadt sei. Deshalb seien sie schon im Jahr 2016 bereit gewesen, sich mit einem Betrag von 25 Euro pro Quadratmeter erworbener Grundstücksfläche an den Baukosten des Stegs zu beteiligen. Daraus errechne sich jetzt ein Finanzierungsanteil von 620 000 Euro, der mit Beginn des ersten Bauabschnitts fällig werde. „Die Umlage ist notariell gesichert und befindet sich derzeit noch auf einem Treuhandkonto“, ergänzt Rentschler.

Wenn der Steg bis dahin nicht steht ...

Die Unterführung Düsseldorfer Straße muss generalsaniert werden. „Die Deutsche Bahn AG will ab 2028 loslegen“, weiß Rentschler. Ein schwieriges Bauvorhaben, das eine längere Sperrung des Fußgängertunnels am Stadtoval nötig mache.

Ein aktueller Blick vom Galgenberg aufs Stadtoval. im Vordergrund die Hirschbachstraße, jenseits der Straße der Lokschuppen (graues Gebäude). Schräg links davon das sich noch im Bau befindliche Steigenberger Hotel. Davor soll der Fußgängersteg über die Bahngleise ansetzen und dann seitlich des Park&Ride-Parkhauses (langes rotes Gebäude) am Bahnhofsgelände münden.

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