Steg: Rat stimmt höheren Kosten zu

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Architekt Werner Sobek hat dem Aalener Gemeinderat eine abgespeckte Version des Stegs über die Bahngleise vorgestellt. Zum Beispiel sind in den überarbeiteten Plänen die Aufzugsschächte im Zentrum der Wendeltreppen nicht mehr komplett aus Glas, sondern im unteren Teil betoniert. Das spart Kosten. Visualisierung: Werner Sobek
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Etwa 8,71 Millionen Euro kostet die Verbindung zwischen Stadtoval und Innenstadt. 2,14 Millionen Euro mehr als zuletzt gedacht. Wie der Gemeinderat das sieht.

Aalen

Nach zweistündiger Diskussion ist die Entscheidung am Donnerstagabend gefallen: Der Gemeinderat hat der neuen Kostenberechnung für den Steg zugestimmt. 29 Rätinnen und Räte waren dafür, 17 dagegen. Da die Materialpreise gestiegen sind, kostet es inzwischen geschätzte 8,71 Millionen Euro, das Stadtoval über die Bahngleise hinweg mit der Innenstadt zu verbinden. Zuletzt war man noch von 6,57 Millionen Euro ausgegangen. Architekt Werner Sobek hat die Pläne zwar geändert, um Kosten zu sparen. Am Ende wird der Steg trotzdem geschätzte 2,14 Millionen Euro mehr kosten.

Antrag auf Vertagung: Rund 45 Minuten drehte sich die Diskussion zunächst um einen Antrag, den Fraktionssprecher Michael Fleischer für die Grünen stellte. Er bat darum, die Entscheidung zu vertagen und mit einem Finanzzwischenbericht zu verbinden. Die Stadt erhofft sich zwar eine Förderung in Höhe von 60 Prozent aus der Städtebauförderung. Einen rechtlichen Anspruch darauf gibt es laut Fleischer aber nicht. Sicher einberechnen kann die Stadt nur 620 000 Euro Stegumlage, die Käufer auf dem Stadtoval bezahlen. „Es geht um rund acht Millionen, die an der Stadt hängenbleiben können, wenn es dumm läuft“, argumentierte Fleischer. In der Corona-Krise sei Geld knapp. Man brauche es dringender im sozialen Bereich, zum Beispiel für Angebote für Kinder und Jugendliche, die unter der Pandemie sehr gelitten haben.

Warum es eilt: Bau- und Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle, der in Abwesenheit von OB Thilo Rentschler die Sitzung leitete, drängte zur Eile, sonst ginge das mit der Bahn abgestimmte Zeitfenster für die Realisierung im kommenden Jahr verloren. „Wir brauchen heute die Entscheidung“, sagte er. Die sollte er bekommen. Die Vertagung wurde mit 29 zu 15 Stimmen abgelehnt.

Fleischer kritisiert Steidle: Bei der namentlichen Abstimmung stimmte Michael Kurz (CDU) zunächst für die Vertagung, anders als die Fraktionskollegen. Als Steidle nachfragte, änderte Kurz seine Stimme in „Nein“ um. Fleischer warf Steidle Einflussnahme vor: „Ihr Verhalten ist absolut inakzeptabel gewesen.“ Steidle sagte, er habe Kurz nicht richtig verstanden.

Verpflichtungen gegenüber Investoren: Norbert Rehm stellte den Antrag, den Gemeinderat über verschiedene Fragen zu informieren. Unter anderem, ob die Stadt gegenüber den Investoren auf dem Stadtoval die Verpflichtung eingegangen sei, den Steg zu bauen. Mündlich erhielt er die Antwort, die Stegumlage müsse bezahlt werden, wenn der Steg gebaut wird. Der Antrag wurde mit 28 zu 15 Stimmen abgelehnt.

Sobeks Sparplan: Sobek erläuterte die neuen Pläne, mit denen Kosten gespart werden sollen. Eine zusätzliche Stütze zwischen den Gleisen vermindere die Spannweite der Brücke. Dadurch sei weniger Material nötig. Außerdem könne neben Stahl auch Beton verwendet werden, was günstiger sei. Beton kommt auch für den unteren Teil der Aufzugsschächte zum Einsatz. Das spare Kosten im Vergleich zu Glas. Oben aber soll die Aufzugsröhre transparent bleiben.

Argumente der Fraktionen: Thomas Wagenblast (CDU) zufolge bindet der Steg nicht nur das Stadtoval, sondern die ganze Oststadt besser an die Innenstadt an. Fraktionskollege Manfred Traub sprach sich gegen den Steg aus. „Die Kosten sind mir zu hoch.“ Fleischer rief auf, das Wohl der ganzen Stadt im Blick zu behalten und das Geld lieber für soziale Projekte auszugeben. Hermann Schludi (SPD) sprach von einer „Investition in die Zukunft“. Um verlässlich zu sein, wolle die Fraktion der Freien Wähler zustimmen, sagte deren Sprecher Thomas Rühl. Der Steg sei ein „Projekt aus besseren Zeiten“, sagte Dr. Frank Gläser (AfD). Um ein verlässlicher Partner zu sein, wolle die Fraktion aber zustimmen. Fraktionskollege Marcus Waidmann sagte, er stimme „mit Bauchschmerzen“ zu. Norbert Rehm sagte, das Projekt sei geprägt von „Tarnen und Täuschen, das Motto des scheidenden OB“. Außerdem habe es Droh-E-Mails aus dem OB-Büro an die Rätinnen und Räte gegeben. Steidle wies diese Vorwürfe zurück. Christa Klink (Linke) sagte: „Jetzt auf den Steg zu verzichten, würde uns unglaubwürdig machen.“

Wie es weitergeht: Der Steg wird europaweit ausgeschrieben. Baubeginn soll 2022 sein.

Ein bisschen Luxus weggenommen, aber an Kosten gespart.“

Werner Sobek, Architekt

So haben die Rätinnen und Räte abgestimmt

Für den Steg trotz höherer Kosten stimmten: Armin Abele, Marius Bader, Herbert Brenner, Josef Fuchs, Regina Köder, Michael Kurz, Nadine Patzelt, Peter Peschel, Hartmut Schlipf, Margit Schmid, Ulrich Starz und Thomas Wagenblast (alle CDU), Helmut Gentner, Andrea Hatam, Martina Lechner, Timo Lorenz, Eva-Maria Markert, Petra Pachner, Hermann Schludi und Karl-Heinz Vandrey (alle SPD), Claus Albrecht, Jürgen Opferkuch, Bernhard Ritter und Thomas Rühl (alle Freie Wähler), Dr. Frank Gläser, Emil Pöltl und Marcus Waidmann (alle AfD), Christa Klink und Roland Hamm (beide Linke).

Die neue Kostenberechnung für den Steg lehnten ab: Alexander Asbrock, Dr. Thomas Battran, Monika Brauch-Siedler, Sandra Bretzger, Gabriele Ceferino, Michael Fleischer, Sigrun Huber-Ronecker, Melanie Keller, Doris Klein, Christoph Köble, Ralf Meiser, Carmen Venus und Manfred Zwick (alle Grüne), Arian Kriesch und Norbert Rehm (beide FDI), Franz Fetzer (Freie Wähler) und Manfred Traub (CDU).

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