Streifzüge durch den Rohrwang

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Auf dem ehemaligen Gelände de Ziegelei Trost ist unter anderem das Rettungszentrum entstanden.
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Am Tag des offenen Denkmals führt der Aalener Stadtarchivar mehr als 60 Interessierte zu geschichtsträchtigen Orten im Rohrwang.

Aalen

Zum Tag des offenen Denkmals hatte Stadtarchivar Dr. Georg Wendt eine Erkundungstour zu geschichtsträchtigen Orten und Gebäuden im und am Rohrwang angeboten – und über 60 Interessierte hatten sich angemeldet. Sie erfuhren allerlei bisher Unbekanntes und nicht so Geläufiges in seinen launigen Vorträgen. Unterstützt wurde er von Elke Lutz und Roland Uhl vom Geschichtsverein und von Rudi Kaufmann, ehemaliger Leiter des Grünflächenamts.

Treffpunkt und zugleich die erste Station war das Schubartgymnasium. Wendt erzählte in der Aula die Geschichte des heutigen Gymnasiums, dessen Vorläufer als Prorealschule Parkschule 1912 fertig gestellt wurde. Die Planung erfolgte, weil die damalige Realschule und die Lateinschule in der Stadt zu klein geworden waren. So entschloss man sich nach längeren Diskussionen im Stadtrat, am heutigen Standpunkt einen repräsentativen Bau nach Plänen des damals sehr bekannten Architekten Paul Bonatz zu erstellen. 460 000 Mark kostete der Bau, „dreimal so viel wie die kurz vorher erstellte Bohlschule“, wie Wendt anmerkte.

400 Schüler zogen damals im Gebäude ein, erster Rektor war Erwin Rommel, Vater des gleichnamigen späteren Feldmarschalls. 1936 erfolgte die Umbenennung in Schubartgymnasium durch den damaligen OB Karl Schübel. Im Hof erläuterte Wendt die Entstehung der Jahnturnhalle im Jahr 1928 und ihre Geschichte.

Weiter ging es über eine Lichtung im Rohrwang, wo von 1908 bis 1927 der TC Aalen einen Tennisplatz mitten im Wald bespielte.  „Dort musste man einige Zeit zwei Bäume, die im Feld standen, umspielen“, zitierte Wendt aus einer Festschrift des Vereins. Nächste Station war die Jugendherberge, 1936/37 als „Haus der Jugend“ von der Stadt  erbaut, auch auf Betreiben der NS-Jugendorganisationen, die dort eigene Räume erhielten. Dazu konnten hier Wanderer und Handwerker nächtigen. Nach dem Krieg baute hier Kurt Früh einen Treffpunkt mit Programm und verschiedenen Angeboten für die Aalener Jugend auf. Dazu diente das Gebäude eine Zeit als Seniorenheim.  Direkt nebenan hat der SSV Aalen seine Heimstatt, 1901 als ATV (Arbeiterturnverein) gegründet. 1924 konnte sich der Verein hier seinen eigenen Platz mit Vereinsheim schaffen. Was ihm aber beides 1933 von der SA abgenommen wurde, der ATV wurde verboten. Ab 1939 spielte der VfR hier, erst 1953 bekam der jetzige SSV sein Gelände über den Klageweg von der Stadt zurück.

Weiter ging es zum 1949 eingeweihten Waldfriedhof. Bereits 1935 gab es erste Pläne, dort einen Friedhof anzulegen, da der St. Johann-Friedhof zu klein geworden war.  Wendt erläuterte die Entstehung von Friedhof und Aussegnungshalle, am Grab des langjährigen Oberbürgermeisters Karl Schübel  schilderte er dessen zwiespältige Lebensgeschichte, „die die Stadt bis heute nicht aufgearbeitet hat“. Über das Vertriebenenkreuz ging es zum sogenannten Trost-Teich im Greut. Wendt und Rudi Kaufmann berichteten über die Umwandlung der ehemaligen Ziegelei Trost in ein ansprechendes Wohngebiet, mit dem Rettungszentrum, Greutschule und Ulrich-Pfeifle-Halle.

Bei vielen warten Jugenderinnerungen geweckt worden, man tauschte sich lebhaft aus oder ergänzte die Ausführungen.

Erste Station der Führung war das Schubartgymnasium.
Erste Station der Führung war das Schubartgymnasium.
Hier mitten im Rohrwang spielte der TC Aalen in seinen Anfangsjahren Tennis.
Im Waldfriedhof erläuterte Dr. Wendt die Entstehung des Vertriebenenkreuzes.
Die Jugendherberge war eine der Stationen der Führung.
Roland Uhl zeigte begleitend historische Fotos von Aalen.
Rudi Kaufmann erläuterte die Umwandlung des Fabrikgeländes zum Wohngebiet Greut.

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