Streifzug mit Dr. Georg Wendt durch die Aalener Stadtgeschichte: „Minirock meets Schübel“

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Dr. Georg Wendt, Geschäftsführer des Geschichtsvereins.
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Aalen. Das Interesse an der jüngeren Aalener Stadtgeschichte ist anhaltend groß. Zumal es immer weniger Zeitzeugen gibt. Das zeigte auch der voll besetzte Saal des evangelischen Gemeindehauses beim äußerst informativen Vortrag von Stadtarchivar und Geschäftsführer des Geschichtsvereins, Dr. Georg Wendt. „Minirock meets Schübel“. Dieser spektakuläre Titel galt dem agilen Historiker lediglich als Aufhänger für seinen äußerst lebendig dargestellten Durchmarsch durch das Jahr 1969.

Mit vielen markanten Stationen der Stadtentwicklung – zwischen Moderne und Postmoderne. Und interessanten Textdokumenten und Foto-Sonntag-Bildern aus der Schwäbischen Post von damals.

Die aufgezeigten Beispiele bettete Wendt geschickt ein in die umwälzenden Veränderungen unserer Republik, gerade auch im gesellschaftlichen Bereich: die Eingliederung der Flüchtlinge und Vertriebenen, den damit verbundenen Wohnungsbau; die sich anbahnende Gemeindereform; die beginnende Emanzipation der Frauen; das erste rebellische Aufbegehren der jungen Generation, aber auch des Bürgertums, das sich zum Meckereck vom Essig-Garten heraus auf den Marktplatz wagte; der „brutalistische“ Rathausbau und der Bau der Hochschule; die steile Zunahme der Bevölkerungszahl usw.

Das in der SchwäPo veröffentlichte Foto von der Fronleichnamsfeier auf dem Marktplatz zeigte auf, dass auch auf kirchlicher Ebene sich neues Denken breit machte. Eine solche Feier mitten in der evangelischen Reichsstadt wäre früher undenkbar gewesen. Jetzt aber nicht nur dies. Sogar die Glocken der Stadtkirche läuten bis heute das katholische Bekennerfest ein. Und den Geistlichen steht die dortige Sakristei zur Verfügung. Und wenn damals auch noch niemand von Ökumene sprach, so durften die Katholiken während des Baus der Marienkirche ihre Sonntagsgottesdienste in der Stadtkirche feiern.

Noch ein kleines Schmankerl zum Abschluss. Der Stadtarchivar hat sich in Aalen gewiss ein ungemein fundiertes geschichtliches Fachwissen angeeignet. Jetzt hat sich der Lernbegierige aus Gera auch noch ins Schwäbische eingearbeitet. Kompliment für dies von den Aalenern schmunzelnd aufgenommene Bemühen. Erwin Hafner

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