Studierende, Kameras und Kunst

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Das Projekt kann beginnen.

10 000 Jahre Aalener Stadtgeschichte zaubert das Kollektiv K an die Fassade des Gebäudes Rittergasse 1. Studierende begleiten das Kunstprojekt mit der Kamera bis Anfang August.

Aalen

Es klickt leise, als die Studentin auf den Auslöser der Kamera drückt. Ihre Kommilitonen stehen um sie herum, vor dem Fotostudio spectrum in Aalen, und beobachten die Szenerie. Dort haben neun Studenten eine Einführung in die praktische Fotografie als Teil ihres Kurses an der Hochschule Aalen.

Anstatt einer Prüfung erwartet die jungen Menschen ein Projekt. Sie werden über knapp einen Monat die Arbeit der Gruppe Kollektiv K in der Rittergasse 1 in Aalen dokumentieren – natürlich mit der Kamera.

Bernd Reznicek, Dozent für Gestaltung und Bildbearbeitung an der Hochschule, sitzt im Studio. Durch Zufall kam ihm die Idee die Studiengänge Technical Content Creation und User Experience mit dem neuen Kunstprojekt des Kollektiv K zusammenzubringen. "Ein Bekannter kennt Tobias Kerger, der das Projekt leitet", erklärt er. Schnell war der Kontakt geknüpft und auch Michael Ankenbrand, ebenfalls Dozent an der Hochschule und Werbefotograf, ins Boot geholt.

Während Reznicek die Studierenden in Bildbearbeitungsprogrammen unterrichtet, lehrt Ankenbrand die praktische Fotografie. Wie muss man Blende, Verschlusszeit und Lichtempfindlichkeit bei der Kamera einstellen? Er weiß die Antwort. Die Drittsemester müssen einige Übungen machen und dürfen dann selbst vor dem Studio mit der Kamera im Gepäck üben.

Später werden die neun Studenten in Gruppen abwechselnd den Prozess vor Ort festhalten. Abgabe sollen dann ein Flyer und Fotostrecken sein, anstatt einer schriftlichen Prüfung – alles muss bis 8. August fertig sein. "Ich möchte Bilder sehen, die mir von der Arbeit der Künstler erzählen," sagt Ankenbrand.

Zum Startschuss der Kooperation gehen die Studierenden nach der Fotoeinweisung nach Aalen in die Rittergasse 1.

Das Gebäude neben dem Café Wunderlich ist bereits mit einem Gerüst versehen und Tobias Kerger mit dem Pinsel beschäftigt. Seine Kleider und Händen voller Flecken grüßt er die Neuankömmlinge.

Ich möchte Bilder sehen, die mir von der Arbeit der Künstler erzählen.

Michael Ankenbrand Werbefotograf und Dozent

Viele junge Menschen helfen dem Kollektiv K bei ihrer Arbeit, das von der Stadt und Sponsoren unterstützt wird. Im "Wunderlich" hat Kerger zahlreiche Bücher, gespickt mit Zeichnungen, ausgelegt.

Malerei, und Skulpturen

"Ich habe mich zwei Monate lang nur mit der Geschichte von Aalen beschäftigt," erklärt der Projektleiter. Entstehen soll rund um das Gebäude herum ein Teppich aus Malerei, Friesen und Skulpturen, die die Stadtgeschichte von 8000 vor Christus bis heute erzählen.

"Viele Sachen weiß man nicht einmal als Aalener", sagt der Künstler, der in Leipzig studiert hat. So wurde Aalen während eines großen Brandes und der Pest nahezu ausgelöscht – und trotzdem gibt es die Stadt noch. "Wäre nicht so viel passiert, würde Aalen heute ähnlich wie Nördlingen oder Dinkelsbühl aussehen," vermutet Kerger, der bei den Malereien auf künstlerische Interpretationen setzt, denn Jahreszahlen sollen nicht auf die rund 240 Quadratmeter große Wand kommen. "Ich möchte, dass sich die Betrachter ihr eigenes Bild machen," spornt Kerger an.

Die Studierenden haben aufmerksam gelauscht und blättern durch die Skizzenhefte und manch einer hat die Kamera bereits im Anschlag. Das Projekt kann beginnen.

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