„Tannenwäldle nicht überteuern!“

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Ein Blick auf die aktuellen Erschließungsarbeiten des künftigen Quartiers „Wohnen am Tannenwäldle“. Links oben, direkt an der Ziegelstraße, sieht man den Baufortschritt des Lias-Quartiers für den Tegut im Erdgeschoss und Reihenhäuser darüber. I
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Die Planungen für das klimaneutrale Quartier am Tannenwäldle mit rund 350 Wohneinheiten werden konkreter. Nach Ostern soll klar sein, welchen Flächen die Stadt Aalen vergeben kann.

Aalen

Klimaneutrale Gebäude gibt es schon. Dass aber ein ganzes Wohnquartier auf Netto-Null-Emissionen ausgerichtet werden soll, ist neu in Aalen.

Der Ehrgeiz von Stadt und Gemeinderat ist groß: Das künftige Wohnquartier am Tannenwäldle soll ein Musterbeispiel werden. Moderne ökologische und ökonomische Standards und Vorgaben müssen festgezurrt werden und sollen als Blaupause für andere Wohnquartiere der Zukunft dienen. Einige Räte - vor allem die SPD-Fraktion - warnt angesichts der hohen Standards im neuen Wohnquartier vor einer Überteuerung der Preise. „Das darf dort kein Promi-Wohnen werden!“, meinte Karl-Heinz Vandrey.

Die Planungsüberlegungen für das Wohnquartier mit rund 350 Wohnungen und geschätzten rund 700 Einwohnern dauern schon zwei Jahre an. Die neuesten Überlegungen stellte Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle am Donnerstag in öffentlicher Sitzung des Bauausschusses den Stadträten zur Beratung vor. Die wichtigsten Aspekte:

Wir wollen nicht, dass sich das Wohnen dort am Ende kaum jemand leisten kann!“

Karl-Heinz Vandrey, SPD-Stadtrat

Autoarmes Quartier: Der Mobilitäts-Hub ist zugleich zentrale Parkgarage mit Aufzug und etwa 180 Stellplätzen, als auch ein Ort, an dem verschiedene Verkehrsmittel und deren Services gebündelt zur Verfügung stehen; ein mit Ladesäulen ausgestatteter Umsteigepunkt sozusagen auf klimaneutrales Car-Sharing mit E-Autos, Leih-Fahrrädern, oder auf den ÖPNV mit einer Bushaltestelle in nächster Nähe. Einplanen will man auch eine Erweiterungsmöglichkeit für die Zukunft. Laut Steidle sei angedacht, dass die Stadt das Parkhaus baut, es dann aber privatisiert. Den Betrieb würden die Aalener Stadtwerke übernehmen.

Weniger Autostellplätze vor den Wohngebäuden: „Wir möchten so viele Autofahrten wie möglich aus dem Quartier heraushalten“, sagt Stefan Overmann, Leiter des Stadtmessungsamtes. Entsprechend schlage die Stadt vier Kategorien vor: Grundstücke, an denen man das Auto direkt vor oder unter dem Gebäude abstellen kann; mehrgeschossige Gebäude, die mit lediglich 30 Prozent der Stellflächen versehen werden, die restlichen Plätze müssen in der Quartiersgarage nachgewiesen werden. Und Grundstücke mit null Stellplätzen am Haus, deren Fahrzeuge zu 100 Prozent in der Quartiersgarage untergebracht werden müssen. Nur zum Laden und Entladen soll vors Haus gefahren werden dürfen. Für Besucher des neuen Wohngebiets sollen in der Quartiersgarage rund 50 Parkplätze zur Verfügung stehen. Für größere Transport sind 26 Plätze auf der untersten Ebene der Quartiersgarage angedacht.

Zentrale Paketstation: Um Lieferdienste größtenteils aus dem Quartier herauszuhalten, soll es eine zentrale Paketstation direkt neben der Quartiersgarage geben. Nur bei großen und schweren Lieferungen soll es den Paketdiensten erlaubt sein, direkt ans Haus zu fahren.

Bushaltestellen: Die bestehende Bushaltestelle an der Ziegelstraße soll direkt an den Eingang des Quartiers verlegt werden, mit kurzen Wegen zum Lebensmittelmarkt (Tegut) mit Bäckercafé und der Kita dahinter. Bis dahin, so Steidle, werde es eine engere Taktung der Busse geben.

Unterflurcontainer für Hausmüll: Um eine Ansammlung von den verschiedenen Müllbehältnissen im Wohngebiet zu vermeiden, schlägt die Stadt zentrale Unterflur-Systeme in den Wohnhöfen vor. Die Einwurfmöglichkeit werde über ein Chip-System geregelt.

Anbindung an den Hirschbach: Steidle spricht von zwei befestigten Fuß- und Radwegen: der eine Richtung Waldorfschule, mit einer Treppenanlage; der andere Richtung Kombibad - eine smarte Beleuchtung für beide sei angedacht.

Für die Umlegung laufen gerade Verhandlungen mit den Alt-Eigentümern der Flächen, so Overmann. „Diese wollen größtenteils selbst bauen oder Baufelder weiter verkaufen.“ Er schätzt, dass nach Ostern klar sein wird, welche Flächen die Stadt vergeben kann.

Das sagen die Stadträte

Allseits großes Lob gab es für die kreativen Vorschläge der Stadtverwaltung.

Michael Fleischer (Grüne) pochte darauf, dass die Vorgaben zu ökologischen und architektonischen Kriterien alle im Bebauungsplan festgeschrieben werden. Seine Fraktionskollegin Gabriele Ceferino kündigte einen Antrag an zum Energiestandard KfW 40 plus für das Quartier. Zur von der Stadt vorgesehenen Fernwärme gebe es ja noch keinen expliziten Beschluss. Was Tiefbauamtsleiter Stefan Pommerenke bestätigte.

Thomas Wagenblast (CDU) findet die Energieversorgung des Quartiers mit Fernwärme „sehr gut“. Er empfahl, eine Erweiterung der zentralen Quartiersgarage für die Zukunft mitzudenken.

Für die SPD-Fraktion warnte Karl-Heinz Vandrey, dass die für das Wohngebiet vorgesehenen modernen Standards zu einer Überteuerung führen könnten mit Preisen, die sich dann kaum jemand leisten könne. „Das wollen wir nicht! Sozialer Wohnungsbau muss dort möglich sein!“

Auch Claus Albrecht (FW) bat, die Latte nicht zu hoch zu hängen. „Wir dürfen hier keine Beschlüsse fassen nur für Bauherren, die sich das leisten können“! Albrecht schätzt den Quadratmeterpreis auf 5500 bis 6000 Euro. Um wenigstens eine kleine Rendite zu erhalten, bräuchte man da im Geschosswohnungsbau schon eine Miete von 14 Euro pro Quadratmeter, rechnete er vor. Emil Pöltl (AfD) gab Albrecht recht.

Baubürgermeister Steidle verwies auf die anstehende Klausurtagung des Gemeinderats am 25. und 26. März. Dass man sich vor allem mit dem Thema Wohnen beschäftigen wolle. „Da können Sie sich beraten, ob Sie die Sozialquote erhöhen wollen“, wandte er sich an die Räte.

Manfred Traub (Zählgemeinschaft Birkhold-Traub) warf ein, dass es trotz zentraler Paketstation auch möglich sein müsse, schwere und große Pakete vors Haus zu liefern. Christa Klink (Die Linke) ergänzte, dass dies auch für Pflege- und Hausmeisterdienste sowie Handwerker gelten sollte.

Abstimmung gab es am Ende keine. Und damit keine Empfehlung an den Gemeinderat, der am 17. Februar erneut beraten wird.

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