Tannenwäldle: Verdacht auf Bombe

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Bewohnerinnen und Bewohner innerhalb dieses Radius sind für die Dauer der Sondierungsarbeiten vorsichtshalber zu evakuieren.
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Unter dem Neubaugebiet könnte ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg liegen. Am 5. März werden die Anwohner sicherheitshalber evakuiert.

Aalen

Womöglich liegt unter dem Neubaugebiet „Wohnen am Tannenwäldle“ eine Fliegerbombe. Oberbürgermeister Frederick Brütting sprach am Mittwoch bei einem Pressegespräch im Rathaus von einem „konkreten Verdacht“, was einen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg angeht. Eine akute Gefahr bestehe im Moment aber nicht, wie er betonte. Für Samstag, 5. März, ist geplant, die Stelle, wo die Bombe vermutet wird, genauer zu untersuchen und die Bombe zu entschärfen, falls tatsächlich eine gefunden wird. Im Umkreis von 600 Metern müssen an diesem Tag sicherheitshalber alle Anwohnerinnen und Anwohner ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Straßen und Wege im Bereich werden gesperrt.

Wie der Verdacht entstand: Im Moment erschließt das Tiefbauamt das Neubaugebiet „Wohnen am Tannenwäldle“. Auf dem acht Hektar großen Gelände sollen rund 350 Wohneinheiten entstehen. Laut Baubürgermeister Wolfgang Steidle begannen die Planungen dafür mit dem städtebaulichen Wettbewerb im Jahr 2007. Während des späteren Bebauungsplanverfahrens habe es „keinerlei Hinweise auf Kampfmittel gegeben“. Im Zuge der Erschließung des Gebiets und den Vorbereitungen für den Bau weiterer Wegeverbindungen im Bereich sei ein örtliches Büro mit einem geologischen Gutachten beauftragt worden. „Die Unterlagen haben wir unmittelbar vor Weihnachten erhalten“, sagte Steidle. Laut OB wurde dazu ein Luftbild herangezogen, das die Alliierten kurz nach den beiden großen Bombenangriffen auf Aalen am 17. April 1945 gemacht haben. „Dort ist gut zu erkennen, dass der Boden in einem Bereich anders aussieht als im übrigen Bereich“, sagte Brütting, der in dem Zusammenhang auch von einer „Bodenanomalie“ sprach.

Mit gewissen Einschränkungen können die Erschließungsarbeiten laut OB für das Baugebiet im Moment aber weitergehen.

Evakuierung am 5. März: In einem Radius von 600 Metern rund um den Bereich, wo der Blindgänger vermutet wird, wird am Samstag, 5. März, eine Sicherheitszone eingerichtet. Alle Bewohnerinnen und Bewohner werden evakuiert, die Straßen gesperrt. Der Verwaltung sei es wichtig, die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig zu informieren, sagte Brütting, damit sie sich darauf einstellen können. Man habe ganz bewusst einen Samstag in den Faschingsferien gewählt, damit alle Betroffenen den Urlaub, Ausflüge oder Besuche entsprechend planen können.

„Wir werden Unterbringungsmöglichkeiten anbieten“, versprach der OB allen, die keine andere Möglichkeit finden. Auch Menschen, die bettlägerig sind oder nur eingeschränkt mobil sind, sollen Hilfe bekommen. Tagsüber müssten die Betroffenen die Zone verlassen und könnten in den Abendstunden wieder zurückkehren. Details sollen noch bekanntgegeben werden.

Es droht keine akute Gefahr.“

Frederick Brütting, Oberbürgermeister Aalen

Wer betroffen ist: Rund 3400 Menschen müssen laut Ordnungsamtschefin Ulrike Ebert ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Da die Planungen aber noch detaillierter ausgearbeitet werden müssten, könne sich die Zahl noch leicht ändern. Auch die Grenzen der Sicherheitszone könnten sich noch leicht verschieben.

Der OB bat darum, zum jetzigen Zeitpunkt davon abzusehen, im Rathaus nachzufragen, ob man zu den Betroffenen gehöre. Die Stadt werde auf die Bürgerinnen und zukommen, die am 5. März ihre Wohnungen und Häuser verlassen müssen und sie über das Vorgehen informieren. Wer Fragen habe oder Hilfe brauche, könne sich an ein Kontakttelefon wenden, das demnächst eingerichtet werden soll.

Evakuierung in der Pandemie: In Corona-Zeiten bringt eine Evakuierung besondere Herausforderungen mit sich. Laut Ebert sollen nicht alle, die auf eine Unterbringung angewiesen sind, den Tag gemeinsam in einer Halle verbringen. Stattdessen werde an verschiedenen Orten für eine Unterbringung gesorgt. Auch für Menschen, die sich am 5. März in häuslicher Isolation befinden, werde ein Konzept erarbeitet.

Krisenstab ist eingerichtet: Der Oberbürgermeister hat einen Koordinationsstab zur Abstimmung des weiteren Vorgehens einberufen, der sich wöchentlich trifft und das weitere Vorgehen plant. Dem Stab gehören neben Vertretern der zuständigen städtischen Ämter auch Vertreter der Polizei und der Blaulichtorganisationen an. Brütting bedankte sich beim Pressegespräch bei den Blaulichtorganisationen, die die Stadt auch am 5. März unterstützen werden. „Wir hoffen alle, dass es keine Fliegerbombe ist“, sagte Brütting.

Bombenangriffe auf Aalen am 17. April 1945

Zwei Angriffe flogen die US-amerikanischen „Marauder“-Mittelstreckenbomber am 17. April 1945 auf Aalen. Der erste galt dem damaligen Heereszeugamt (heute: Firma Mapal), der zweite dem Bahnhofsareal. Die Absicht dahinter: Den Bahnknotenpunkt Aalen auszuschalten, um Transporte zu verhindern. Insgesamt 80 Menschen sind während des Zweiten Weltkriegs in Aalen bei Luftangriffen ums Leben gekommen.

Entlang der Ziegelstraße entsteht ein Neubaugebiet zwischen Galgenberg Ost und dem Tannenwäldle. Es besteht der Verdacht, dass dort eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden liegt.

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