Task-Force für den Jobstart

+
Haben gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen die vielfältigen Möglichkeiten der Ausbildungsberatung der Agentur für Arbeit Aalen vorgestellt (von links): Berufsberater Silke Keles und Anton Brenner, Agenturchefin Claudia Prusik und Teamleiterin Rit
  • schließen

Das Beratungsteam der Agentur für Arbeit verstärkt seine Angebote für Azubis - warum dennoch sehr viele Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben.

Aalen

Jetzt wird’s ernst mit dem Job: Rund 700 Jugendliche in Ostwürttemberg haben eine handwerkliche Ausbildung begonnen, mehr als doppelt so viele eine Ausbildung in gewerblich-technischen oder kaufmännischen Berufen. Doch dieser Start ins duale Ausbildungsjahr ist – geprägt durch die Pandemie – anders als sonst. Das bemerkt auch die Agentur für Arbeit Aalen, die auf Berufsberatung einen besonderen Fokus legt und diesen Bereich personell verstärkt. Während die Berufsberater erst langsam wieder direkten Zugang zu den Schulen und den Jugendlichen bekommen, sind in diesem Ausbildungsherbst besonders viele Lehrstellen unbesetzt geblieben.

Endlich wieder Zugang

„Unsere Berufsberaterinnen und Berufsberater haben die Jugendlichen diesmal vor allem im Home-Schooling angetroffen“, erzählt Claudia Prusik, die seit August als Vorsitzende der Geschäftsführung die Arbeitsagentur Aalen leitet. Beraten wurde in der Pandemie viel telefonisch oder per Video. Doch der persönliche Kontakt sei wichtig, um sich im Dschungel der Möglichkeiten zurechtzufinden. Das weiß auch Berufsberaterin Nicole Stutzmüller: „Wir freuen uns, die Schulen sind offen, es geht wieder los“. Praktika – traditionell der Königsweg in eine Ausbildung – waren zu Corona-Zeiten kaum möglich.

Riesiges Angebot der Agentur

Das Angebot der Agentur für Arbeit ist vielfältig und reicht vom Berufsinformationszentrum (BIZ) Aalen als Anlaufstelle über Infoveranstaltungen an 96 Schulen der Region bis zur individuellen Beratung. Das 30-köpfige Team der Berufsberatung wird aktuell um neun Stellen aufgestockt, wie Teamleiterin Rita Maier berichtet. Die Expertinnen und Experten sind unterschiedlich spezialisiert. Zunächst geht es um orientierende Infos, dann um Hilfe bei der Berufsentscheidung, später um Unterstützung bei der Bewerbung, schließlich um Tipps zum richtigen Verhalten beim Berufsstart. Auch in der Ausbildung selbst stehen die Profis den Azubis zur Seite: Wenn der Abbruch der Lehre droht, werden Wege, den Abbruch abzuwenden, gesucht – oder im Fall der Fälle eine alternative Lehrstelle .

Viele Stellen unbesetzt

Von insgesamt 3462 gemeldeten Ausbildungsstellen in Ostwürttemberg waren Ende August 982 unbesetzt. Demgegenüber sind 283 Jugendliche bei der Lehrstellensuche nicht fündig geworden. Weitere 252 hätten zwar durchaus Alternativen – etwa eine Lehrstellenzusage – suchen aber lieber noch weiter, statt einen Vertrag zu unterschreiben. Mehr Lehrstellen als Bewerber gab es schon in den Vorjahren. Diese Schere öffnet sich immer weiter.

Gefragte und gesuchte Jobs

Am meisten unbesetzte Stellen gibt es bei den Kaufleuten im Einzelhandel, den Verkäuferinnen und Verkäufern sowie im Bereich Maler und Lackierer. Berater Anton Brenner hört einen Berufswunsch sehr häufig: „Ich will lnfluencer werden.“ Immer wieder kämen solche Trend-Jobs auf, etwa die Visagistin vor einigen Jahren. Die Berufsberater tun solche Jobwünsche nicht ab, sondern zeigen Wege auf, die eigenen Fähigkeiten und Vorlieben, aber auch die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu berücksichtigen.

Gründe des Bewerbermangels

Beraterin Nicole Stutzmüller fragte sich wie viele ihrer Kollegen, warum sich so wenige Abiturientinnen und Abiturienten auf Lehrstellen bewerben. Das Ergebnis erstaunte: Weder wurden die Anbieter der Freiwilligendienste von Bewerbern überrannt, noch nahmen die Anmeldungen bei Universitäten und Hochschulen zu. „Viele haben einfach im Lauf des Jahres Jobs angenommen, beispielsweise 450-Euro-Tätigkeiten im Handel“, sagt sie. Wie Agenturleiterin Claudia Prusik ausführt, entschieden sich zudem viele Jugendliche, freiwillig ein Schuljahr zu wiederholen. Andererseits blieb der Run auf weiterführende Schulen aus. Vielleicht, so Prusik, habe die Aussicht auf Videounterricht an der Berufsschule einige veranlasst, mit dem Ausbildungsstart zu warten.

Insgesamt weniger Stellen

Es gibt nicht nur wesentlich weniger Bewerber, sondern auch weniger Ausbildungsplätze. Mit 3462 sind es genau 841 weniger als vor einem Jahr. Wenn etwa die IHK Ostwürttemberg vermeldet, dass die Zahl der neuen Auszubildenden in Metallberufen im Jahresvergleich um 18,3 Prozent zurückgegangen ist, so liegt dies vor allem daran, dass in diesem Bereich weniger ausgebildet wird.

Tür ist noch nicht zu

Auch jetzt kann noch eine Ausbildung begonnen werden. Die Berufsschulen in der Region sind auf diese Schülerinnen und Schüler vorbereitet. Bei einer sogenannten Matching-Aktion treffen sich Vertreter von IHK, Handwerkskammer und Agentur für Arbeit regelmäßig und loten aus: Welche unbesetzte Lehrstelle könnte zu welchen unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern passen?

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare