Tomaten mit bitterem Beigeschmack

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Daniela Dorrer und Rolf Siedler wollen die „Nocap“-Tomaten in der Region bekannt machen.
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Warum der Kauf von Tomaten die Mafia unterstützen kann.

Aalen. Tomaten haben einen bitteren Beigeschmack: nach Ausbeutung, nach Sklavenarbeit. Denn "der Tomatenhandel ist fest in Mafiahand." Das sagte Betriebsseelsorger Rolf Siedler während der öffentlichen Mittagspause im Haus der katholischen Kirche am Dienstag. Gemeinsam mit Daniela Dorrer, Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik in der Stadtverwaltung, stellte er das „System Tomate“ vor.

39 Cent für eine Dose Tomaten, das gehe nur mit Sklavenarbeit, erklärte Dorrer. Wer zwar Bio, aber günstig kaufe, befinde sich auf dem Holzweg, sagte Siedler sinngemäß. Denn für die Arbeiter gebe es zehn Euro pro 300 Kilogramm Tomatenernte. Das Perfide: „Der Lohn wird ihnen gleich wieder für Wasser, Unterkunft und für den Transport auf die Felder abgenommen“, sagte die städtische Mitarbeiterin. Die Flüchtlinge, meist Menschen aus Afrika, werden demnach direkt nach der Ankunft in Italien von der Mafia abgegriffen und für die Tomatenernte eingesetzt. Morgens um vier Uhr gehe es auf die Felder, nicht selten werde bei 48 Grad Celsius gearbeitet. „Die Menschen vertrocknen auf dem Acker für unsere Tomaten“, betonte Dorrer.

Das muss nicht sein. Dorrer und Siedler präsentierten am Dienstag das Rezept gegen Ausbeutung: „Nocap“-Tomaten. Die Initiative verkauft Tomaten aus fairer Produktion und kämpft gegen das von der Mafia aufgebaute „Caporalato-System“. Für die Erntehelfer gebe es angemessene Löhne und Unterkunft und Transport aufs Feld seien kostenlos, erklärte Dorrer. Tomatenanbau gehe auch würdevoll, betonte sie.

„Jeder kann durch den Kauf der 'Nocap'-Tomaten etwas bewirken und Strukturen verändern", so der Aufruf der beiden.

Die „Nocap“ Tomaten gibt's im Haus der katholischen Kirche und im Weltladen in Aalen.

Am Samstag, 2. April, werden diese auf dem Wochenmarkt angeboten.
Das kostet's: Dose: 1,50 Euro, Passata: 2 Euro; Glas: 2,50 Euro. 

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