Trasse: Nun geht's um den Belag

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Barrierefrei laut Broschüre: der Weg zum Viadukt.
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Was die Agenda-Gruppe "Aalen barrierefrei" bei Änderungen am Wanderweg befürchtet und was Radler und Stadtverwaltung dazu sagen.

Aalen

Es geht um 1400 Meter Asphaltweg. So lang zeichnet der Führer "Wandern barrierefrei" den Weg zum Viadukt vom Wanderparkplatz Härtsfeldbahnhof in Unterkochen aus. Dann ist ohnehin Schluss mit dem Asphalt und damit auch für das bequeme Fahren auf der Schätteretrasse für Rollstühle und Rollatoren. "Mehr Strecke braucht man mit einem Rollator oder einem Rollstuhl auch nicht", sagt Kerstin Abele von der Agenda-Gruppe "Aalen barrierefrei". "Hier kann man ohne fremde Hilfe unterwegs sein", so Abele bei einem Vor-Ort-Termin.

Kerstin Abele: Wassergebunden ist nicht barrierefrei

Zunächst in einem Brief an die Redaktion nimmt Kerstin Abele Bezug darauf, dass der AUST (Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung) beschlossen habe, auf eben dieser Strecke den Asphalt abzufräsen und durch eine wassergebundene Decke zu ersetzen. Hintergrund: Sowohl Fußgänger als auch Radfahrer sollen diesen Weg in Zukunft nutzen können. Dieser Beschluss sei aber ohne Berücksichtigung der bestehenden Barrierefreiheit geschehen. Denn für barrierefreies Bauen müsse die Oberfläche von Wegen nach DIN 18040-1 eben, stufenlos, griffig, erschütterungsfrei, fugenarm und rutschhemmend sein. "Bei einer wassergebundenen Decke sind die Anforderungen an griffig, rutschhemmend und erschütterungsfrei nicht gegeben", so Abele weiter. Sie selbst habe vor einigen Jahren den Weg abgerollt, damit er mit in die Broschüre aufgenommen wurde. Wenn der Weg verändert wird, drohe ein "Riesenproblem", meint sie. Zum einem müsse er aus der Broschüre gestrichen werden. Zum anderen könnten Rollstuhlfahrer oder Menschen mit Rollator das landschaftlich attraktive Stück nicht mehr befahren. Zudem sei ein wassergebundener Belag enorm pflegeaufwendig, so Abele.

Einen solchen Belag hat beispielsweise bereits der Radweg zwischen Knöckling und Palm. 30 Prozent mehr Kraftaufwand brauche sie theoretisch, um sich auf solch einem Untergrund fortzubewegen, demonstriert Abele dort. Zudem setzen sich die kleinen Steine im Profil der Reifen fest, wie Abele sagt. Ab einem Zentimeter Durchmesser schon könne ein Stein zudem einen Rollstuhl zum Kippen bringen. "Und zuhause hat man dann den Dreck in der Wohnung." Der störe Radfahrer aber wohl eher nicht.

Klaus Berger: Gegen Asphalt ist nichts einzuwenden

Die stören sich auch nicht an dem Asphalt, also dem momentanen Belag. "Da fährt es sich gut, da ist nichts dagegen einzuwenden", so Klaus Berger von der Ortsgruppe Aalen des ADFC. Die Idee für den wassergebundenen Belag stamme nicht von den Radlern, sondern von der CDU. Der sei es darum gegangen, den Weg zu verbreitern. Was durchaus sinnvoll wäre. "Wenn viele Leute dort unterwegs sind, ist ein halber Meter breiter besser, ein Meter super", so Berger.

Derzeit steht nur der Grundsatzbeschluss.

Karin Haisch Pressesprecherin der Stadt Aalen

Doch gegen eine Verbreiterung des Asphalts spreche der Naturschutz. Es gebe an den Rändern des Weges unbestritten seltene Pflanzen, die dort gut wachsen. Fraglich sei aber, ob sie durch den Asphalt für immer verschwinden oder doch wieder wachsen würden.

Dass ein wassergebundener Weg mehr Pflegeaufwand benötigt, weiß auch Klaus Berger. "Das kostet mehr Geld", sagt er. Aber wenn die Decke gut aufgebaut sei, dann wäre sie "plan" und auch mit dem Rollstuhl befahrbar, sagt Berger und verweist auf den Aalener Stadtgarten. "Da geht das doch auch." Es gebe Spezialbeläge aus Kunstharz, mit festerer Oberfläche. "Bei geringer Belastung bleibt das auch drauf. Wenn ein Lkw darauf fährt, geht es kaputt." Genau das sei aber beim Weg zwischen Knöckling und Palm passiert. Der Weg sei deshalb nun auch wieder "miserabel". Probleme gebe es zudem auch mit Asphalt. "Jedesmal, wenn man den Asphalt aufbessert, wird er höher und schmäler", erklärt Berger.

Stadtverwaltung: Auch Barrierefreiheit gehört ins Prüfraster

Entschieden ist aber noch gar nicht, wie der Weg aussehen wird, den dann zukünftig Fahrradfahrer nutzen können. "Derzeit steht nur der Grundsatzbeschluss", so Stadtsprecherin Karin Haisch. Und dieser auf dem Tisch liegende Grundsatzbeschluss sei nun die Grundlage für das weitere Vorgehen der Verwaltung in Sachen Trasse.

Für eine Planung müsse die technische, rechtliche und umweltverträgliche Machbarkeit geprüft werden. "Auch die damit verbundenen Kosten müssen ermittelt werden", so Haisch weiter. "Auch der wichtige Aspekt der Barrierefreiheit gehört in das Prüfraster und wird eine Rolle spielen für das weitere Vorgehen." Das Ergebnis der Untersuchungen komme dann wieder in die Gremien, teilt Haisch weiter mit.

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