Traumjob: Schornsteinfegerin

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Alina Kranenberg (links) hat sich für eine Ausbildung entschieden. In den kommenden drei Jahren erklären ihr Markus Schirle und Conny Reisner das Handwerk.

Alina Kranenberg ist ab sofort als Glücksbringerin unterwegs: Sie macht eine Ausbildung zur Schornsteinfegerin. So verläuft ihr erster Arbeitstag.

Aalen

Alina Kranenberg aus Dewangen atmet tief durch – sie ist eben auf einer Leiter zehn Meter in die Höhe geklettert und steht nun auf dem Dach eines Wohnhauses. "Da werde ich mich nie dran gewöhnen", sagt die 16-Jährige und hält sich am Schornstein fest. "Das wird schon!" – neben ihr stehen Schornsteinfegergesellin Conny Reisner und Schornsteinfegermeister Markus Schirle, heute in Kluft und mit Zylinder, den nur der Meister tragen darf. Alina hat ihren ersten Tag als Auszubildende beim Bezirksschornsteinfeger Schirle aus Bühlerzell.

Alina lässt den Besen Schlaufe für Schlaufe in den Schornstein gleiten. "Kaminkehren ist vorbeugender Brandschutz, damit zum Beispiel kein Kaminbrand entsteht", erläutert Schirle. Deshalb gelten Schornsteinfeger als Glücksbringer. Im Mittelalter fürchteten die Menschen die großen Stadtbrände, meist ausgelöst durch Kaminbrände. "Es passiert häufig, dass jemand an den goldenen Knöpfen unserer Kluft reiben möchte", erzählt Schirle. "Manchmal werde ich gebeten, für ein Vorstellungsgespräch oder eine Prüfung Glück zu bringen", ergänzt Reisner.

Die Heizung im Keller

Ortswechsel: Inzwischen blickt Alina im Keller Schornsteinfegergesellin Rebekka Kieninger bei der Überprüfung der Ölheizung über die Schulter. "Unsere Hauptaufgaben sind Reinigung und Überwachung von Kamin und Heizungsanlagen für Sauberkeit, Effizienz, Brand- und Betriebssicherheit, rationelle Energieverwertung und Emissionsschutz", erfährt Alina von ihrem Ausbilder. Zusätzlich fallen bauliche Kontrollen, Energieberatung sowie Lüftungsanlagen ins Aufgabengebiet. Daher sollte man für die dreijährige Ausbildung Verständnis für Naturwissenschaften mitbringen wie Schirle sagt. "Keine Angst vor Dreck, Schwindelfreiheit, etwas handwerkliches Geschick und ein guter Umgang mit den Kunden schaden auch nicht", lacht Schirle.

Einer für alle und alle für einen.

Markus Schirle Schornsteinfegermeister

Die Theorie lernt Alina im Blockunterricht an der Berufsschule in Ulm. Da nicht jeder Kehrbezirk alle Lerninhalte abdecke, finde dort auch die überbetriebliche Ausbildung statt. Auf das Internatsleben ist Alina gespannt. Nach der Gesellenprüfung locken verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten, wie die Meisterprüfung mit Übernahme eines eigenen Bezirks oder ein Studium in Verfahrenstechnik. Aalen könnte eine Schornsteinfegermeisterin brauchen, die Kollegen kommen alle von außerhalb, wie der Bezirksschornsteinfeger sagt. "Wir haben ein freundschaftliches Verhältnis unter uns Kollegen im Ostalbkreis", bestätigt Schirle mit Hinweis auf den traditionellen Leitspruch "Einer für alle und alle für einen".

Soweit denkt Alina noch nicht. Ursprünglich wollte sie zur Polizei. Als Conny Reisner zum Kaminkehren im Elternhaus war, kam man ins Gespräch. Daraus resultierte ein Praktikum.

In den Sommerferien stieg Alina nochmal mit dem Team auf die Dächer des Kehrbezirks Ostalb Nummer fünf zwischen Hofen und Hohenstadt. "Eigentlich ist es wirklich noch ein Männerberuf. Aber immer mehr Frauen entscheiden sich für unser Handwerk", freut sich der Chef.

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