Traumkindheit im Hirschbach

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Das Hirschbach aus der Vogelperspektive. Die Einfahrt in die Eisenbahnstraße befindet sich links neben dem Hirschbachfreibad.
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Das Juni-Blatt zeigt Luftaufnahmen des Hirschbachs, damals und heute. Wie hat sich das Quartier verändert? Zwei Hirschbächler erzählen.

Aalen

An die schwarze Dunstglocke, die sich durch den Hirschbach zog, kann er sich noch sehr gut erinnern. Er schließt kurz die Augen und sagt dann: "Im Eisenbahnausbesserungswerk beim heutigen KubAA wurden jeden Morgen 20 Dampfloks vorgeheizt." Erwin Hafner ist im Hirschbach aufgewachsen. Nennt sich den "letzten Eisenbahnersohn der Eisenbahnstraße". Wenige Häuser weiter wohnt Christoph Rohlik, Vorsitzender des Hirschbachclubs. Optimale Voraussetzungen für ein Gespräch über den Hirschbach, den Wandel des Quartiers und Kindheitserinnerungen.

Hafner, Jahrgang 1932, lebt dort seit jeher. Rohlik seit 1989. Wie war's, in einer Eisenbahnersiedlung groß zu werden? "Frühe hat's hier gewuselt, viele viele Kinder waren auf der Straße", sagt Erwin Hafner und erzählt davon, wie sie im Krieg einen Bunker gebaut, Geländespiele gestartet und Zirkusvorführungen angeboten haben. "Das war hier ein ganz tolles Gebiet", sagt er. Die Heide war frei, kein Haus stand dort, wie Hafner erzählt.

Die Eisenbahn sei das Bindeglied zwischen den Menschen gewesen. "Früher waren alle gleich arm. Es gab keine Missgunst. Alle hatten den gleichen Beruf", erklärt der ehemalige Chefredakteur der SchwäPo.

Identifizierung fehlt

Heute sei das anders, ergänzt Rohlik. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers seien sehr heterogen. "Viele identifizieren sich null mit dem Quartier, in dem sie wohnen", sagt er. Diese Einstellung passt nicht ganz zum Hirschbachclub. Dieser will einen Beitrag zum partnerschaftlichen Miteinander leisten. "Leider werden keine jungen Leute mehr Mitglied", sagt Rohlik, der seit 1999 Vorsitzender des Clubs ist.

Der Hirschbach ist ein liebenswerter Stadtteil.

Christoph Rohlik Vorsitzender Hirschbachclub

Die Mitglieder werfen bei neuen Nachbarn Willkommenspakete ein, mit Infos über das Quartier und den Club. Genützt habe das bisher wenig. "Die Menschen verkennen die Möglichkeit, das Quartier, in dem sie leben, zu gestalten", erklärt Rohlik weiter. Dabei sei der Hirschbach ein liebenswerter und überschaubarer Stadtteil, schwärmt Rohlik. Die Zeit sei dort an manchen Stellen stehen geblieben. Das lasse sich gut in der Eisenbahnstraße erkennen. Fast alle Häuser sind 1927 erbaut worden und stehen heute noch.

Auch ein Urgestein: das Hirschbachfreibad. Seit 128 Jahren ist es Anziehungspunkt für Wasserratten, für Jugendliche, für Familien – besser gesagt: war. Denn die Tage des Bades sind gezählt. Hafner hat gute Erinnerungen ans Bad. "Das war für alle Kinder ein zentraler Punkt", erzählt er. Obwohl die Familien damals wenig Geld hatten: Eine Dauerkarte fürs Freibad hatte so gut wie jeder. Bis das neugebaute Kombibad für bisher 44 Millionen Euro ein solcher Treffpunkt wird, werden noch Jahre vergehen. Fertiggestellt werden soll es 2024.

Eine Veränderung, die bereits im Gang ist, macht Hafner und Rohlik nachdenklich. Schafft es der Hirschbachclub, die Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers mit denen des Stadtovals zusammenzuführen? Baulich sei das neue Quartier vom Hirschbach abgeschnitten. Hafner und Rohlik befürchten, dass durch die "Riegelbebauung" eine Art Insel entstehe. Wie die Bebauung im Stadtoval umgesetzt wurde, können Sie auch in unserem Kalender sehen. Und zwar auf dem Oktober-Blatt.

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Christoph Rohlik (li.) und Erwin Hafner leben beide in der Eisenbahnstraße im Hirschbach.

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