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Treppe am Rötenberg heißt jetzt Brigitte-Geßler-Weg

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Von: Katharina Scholz

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Feierliche Enthüllung des Straßenschildes des Brigitte-Geßler-Weges auf dem Rötenberg.
Feierliche Enthüllung des Straßenschildes des Brigitte-Geßler-Weges auf dem Rötenberg. © Oliver Giers

Am Dienstag ist das Straßenschild enthüllt worden. Der Weg erinnert nun an die Frau, die im Quartier so viel bewegt hat.

Aalen

Es ist ein emotionaler Moment am Dienstagnachmittag am Rötenberg. Voll Freude, dass nun ein Weg an sie erinnert und dass ein Weg in Aalen nach einer Frau benannt worden ist. Und voll von Trauer, weil Brigitte Geßler nicht mehr da ist. 2012 starb sie im Alter von nur 58 Jahren.

OB Frederick Brütting erinnerte vor der Enthüllung des Straßenschilds daran, wie es dazu kam, dass nun ein Weg nach Brigitte Geßler benannt ist. Als Verwaltung und Gemeinderat vergangenes Jahr nach Straßennamen für das neue Baugebiet „Am Tannenwäldle“ suchten, sei aufgefallen, dass ein großes Missverhältnis herrsche. Von den damals 1093 Straßen im Aalener Stadtgebiet seien 214 nach Männern und 24 nach Frauen benannt worden.

Daher wurde gezielt dazu aufgerufen, Vorschläge für passende weibliche Straßennamen zu machen. „Ich muss sagen, das ist ziemlich eingeschlagen“, sagte der OB. Dazu sei auch der Vorschlag der Soroptimistinnen gekommen, den Treppenweg am Rötenberg nach Brigitte Geßler zu benennen, wofür sich der OB bedankte. Es sei wichtig, die Verdienste von Bürgerinnen und Bürgern, die sich sozial engagieren, zu würdigen. In der Vergangenheit seien vor allem Männer im öffentlichen Raum gewürdigt worden. „Sie sehen, wir haben noch einiges aufzuholen“, sagte OB Brütting.

Ähnlich sah es auch Ingrid Stoll-Haderer. Sie sprach für den Club Aalen von Soroptimist International. „50 Prozent der Weltbevölkerung sind Frauen, wir Frauen von SI finden daher, dass Frauen im öffentlichen Raum wahrnehmbar sein müssen“, sagte Stoll-Haderer.

Ausführlich ging sie auf das Wirken von Brigitte Geßler ein. Dazu las sie einen Brief von Gül Schlierf vor. Sie wuchs am Rötenberg auf, ist heute Ärztin und konnte zur Enthüllung nicht kommen. „Das Jugend- und Nachbarschaftszentrum Rötenberg, für uns Spielstube, war unter der Leitung von Brigitte Geßler mein zweites Zuhause“, schreibt Schlierf. „Dank des persönlichen Einsatzes von Brigitte bin ich zu der Frau geworden, die ich heute bin: leidenschaftliche Mutter eines dreijährigen Sohnes und begeisterte Frauenärztin.“ Ihre persönliche Lebensgeschichte sei eine von vielen, die Brigitte Geßler mit ihrem Engagement zum Positiven verändert habe.

Die Hausaufgabenbetreuung sei wichtig für die Rötenbergkinder gewesen, da die Eltern dabei oft nicht hätten helfen können. Ebenso die Bücherei, die zum Lesen ermutigt hat oder die Werkstatt, in denen die Kinder und Jugendlichen den Zivis helfen durften. Schlierf erinnert sich außerdem gerne an die freie Zeit nach den Hausaufgaben, in der Raum war zum Spielen, Basteln, Kochen, Reden.

Brigitte Geßler habe bei der Vorbereitung auf Klassenarbeiten oder Bewerbungen geholfen. Sie sei auch zu den Kindern und Jugendlichen nach Hause gekommen und als Schlichterin aufgetreten, wenn es Probleme gab. „Während ich an die Erinnerungen an die Spielstube zurückdenke, bin ich zutiefst berührt und zu Tränen gerührt. Sie fehlt“, schreibt die Ärztin. „Umso mehr erfreut es mich, dass ihr Andenken mit dem Brigitte-Geßler-Weg bewahrt wird.“

Zur Person Brigitte Geßler

Am 10. April 1953 wurde Brigitte Geßler geboren. Bereits als Schülerin engagierte sie sich in der Hausaufgabenbetreuung am Rötenberg.

1979 wurde sie Leiterin des Jugend- und Nachbarschaftszentrums dort. Außerdem war sie die Geschäftsführerin der AG Rötenberg. „Für das Jugend- und Nachbarschaftszentrum war sie eine bedeutende Netzwerkerin“, schreibt die Stadtverwaltung in der Vorlage für die Sitzungsrunde im Juli 2022. Damals hat der Gemeinderat auf Anregung von Soroptimist International Club Aalen / Ostwürttemberg entschieden, den Treppenweg am Rötenberg nach Brigitte Geßler zu benennen.

Brigitte Geßler war selbst Soroptimistin und Mitglied im Club Aalen / Ostwürttemberg. „Brigitte Geßler hat sich mit großem Engagement für die Rechte, Selbstbestimmung und Integration von Menschen, dabei ganz besonders von Frauen und Kindern, eingesetzt“, schreibt die damalige Präsidentin Andrea Stockhammer an Oberbürgermeister Frederick Brütting.

Am 2. März 2012 starb Brigitte Geßler.

Mehr zum Thema:Kommentar von Katharina Scholz: "Mehr Straßen in Aalen sollten nach Frauen benannt werden"

Frühstart bei der Enthüllung des Brigitte-Geßler-Weges auf dem Rötenberg. Der Wind fegte das Malervlies während der Laudatio davon.
Frühstart bei der Enthüllung des Brigitte-Geßler-Weges auf dem Rötenberg. Der Wind fegte das Malervlies während der Laudatio davon. © Oliver Giers
Verhüllung des Straßenschildes für die anschließende Enthüllung des Brigitte-Geßler-Weges auf dem Rötenberg.
Verhüllung des Straßenschildes für die anschließende Enthüllung des Brigitte-Geßler-Weges auf dem Rötenberg. © Oliver Giers
Feierliche Enthüllung des Straßenschildes des Brigitte-Geßler-Weges auf dem Rötenberg.
Feierliche Enthüllung des Straßenschildes des Brigitte-Geßler-Weges auf dem Rötenberg. © Oliver Giers
Der Brigitte-Geßler-Weg auf dem Rötenberg,
Der Brigitte-Geßler-Weg auf dem Rötenberg, © Oliver Giers
Feierliche Enthüllung des Straßenschildes des Brigitte-Geßler-Weges auf dem Rötenberg.
Feierliche Enthüllung des Straßenschildes des Brigitte-Geßler-Weges auf dem Rötenberg. © Oliver Giers
Der Brigitte-Geßler-Weg auf dem Rötenberg,
Der Brigitte-Geßler-Weg auf dem Rötenberg, © Oliver Giers
Einmal zurecht zupfen bitte. Aalens Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle kontrolliert das Malervlies, dass das Straßenschild des Brigitte-Geßler-Weges verhüllt.
Einmal zurecht zupfen bitte. Aalens Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle kontrolliert das Malervlies, dass das Straßenschild des Brigitte-Geßler-Weges verhüllt. © Oliver Giers
Der Brigitte-Geßler-Weg auf dem Rötenberg,
Der Brigitte-Geßler-Weg auf dem Rötenberg, © Oliver Giers
Ingrid Stoll-Haderer von den Soroptimistinnen und Oberbürgermeister Frederick Brütting enthüllen das Straßenschild. Die Treppe am Rötenberg heißt nun Brigitte-Geßler-Weg.
Ingrid Stoll-Haderer von den Soroptimistinnen und Oberbürgermeister Frederick Brütting enthüllen das Straßenschild. Die Treppe am Rötenberg heißt nun Brigitte-Geßler-Weg. Foto: Oliver Giers © Oliver Giers

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